Gesichter der Spiele: Ted-Jan Bloemen

Gesichter der Spiele: Ted-Jan Bloemen

Ted-Jan Bloemen steckte in einer Sackgasse. Der kräftige Eisschnellläufer träumte von Titeln, Rekorden und Medaillen, doch in der Ansammlung niederländischer Spitzenathleten war er nur einer von vielen. Er hatte zweifelsohne Talent, als Läufer vom Format eines Sven Kramer galt er aber nicht. Zu den Olympischen Winterspielen in Sotschi flogen andere. Also flog auch Bloemen davon.
Anfang Juni 2014 stieg er in die Maschine in Richtung Calgary in Kanada. One Way. Im Geburtsland seines Vaters Gerhard-Jan fand Bloemen eine neue sportliche Heimat - und den Weg zum Erfolg.
Aus dem vermeintlichen Läufer zweiter Klasse ist der Weltrekordhalter über 5000 m und 10.000 m geworden. Auswandern als Ausweg. Bloemen trägt statt Oranje nun den schwarzen Rennanzug Kanadas und ist im 5000-m-Rennen der Winterspiele in Pyeongchang am Sonntag der schärfste Rivale Kramers. 
"Ich habe einfach mehr Zeit gebraucht", sagte Bloemen, der mit 31 Jahren vor seiner Olympia-Premiere steht: "Ich habe ein Team benötigt, das mir diese Zeit gibt. In Holland habe ich es nicht gefunden." 
Für die schnelle Integration in seiner neuen Heimat tat Bloemen alles. Kanadas niederländischer Trainer Bart Schouten erleichterte zwar die Anpassung, einfach machte es sich Bloemen deshalb nicht. Niederländisch ist im Training auf Bloemens Wunsch tabu. "Als ich nach Kanada gegangen bin, wollte ich mit vollem Herzen Kanadier und Teil des Teams sein. Deshalb habe ich zu Bart gesagt: 'Wir sollten uns ausschließlich auf Englisch unterhalten.'" 
Der Erfolg gibt "TJ Flowers" - wie er in Kanada genannt wird - recht. Auch über 10.000 m und in der Teamverfolgung zählt er zu den Medaillenanwärtern. Und wenn er Gold gewinnen sollte? Wird er auf dem Podest wohl stolz die kanadische Nationalhymne singen. An seinem Englisch wird es nicht scheitern.