Gesichter der Spiele: Justin Reiter

Gesichter der Spiele: Justin Reiter

Justin Reiter und Olympia, das war lange keine glückliche Beziehung. Die Spiele 2010 hatte der amerikanische Raceboarder verpasst, 2014 war er nicht über Platz 24 im Parallel-Riesenslalom hinaus gekommen. Für die Spiele 2018 strich das Internationale Olympische Komitee seine Paradedisziplin Parallel-Slalom, in der er 2013 Vize-Weltmeister war, aus dem Programm.
"Das IOC behandelt uns wie Müll", schimpfte Reiter - und klagte gegen die Entscheidung. Gegen das IOC! Als erster Athlet überhaupt.
Dass er ein Kämpfer ist, hatte Reiter schon früh in seiner Karriere bewiesen. Weil es an Geld, an Trainern, ja an allem fehlte, schlief er in seinem Truck, um in den Rocky Mountains trainieren zu können. Doch das IOC war für ihn eine Nummer zu groß. Reiter scheiterte und beendete im September 2017 seine Laufbahn.
Schwer sei ihm das gefallen, sagte er, so kurz vor Olympia, "aber ich habe nicht mehr dasselbe Feuer im Herzen gespürt". Jetzt brennt das Feuer des 37-Jährigen für die Snowboarderin Ester Ledecka, die Sensations-Olympiasiegerin im Super-G.
Reiter ist zusammen mit Michael Trapp Ledeckas Snowboard-Coach, auch mit seiner Hilfe ist die Tschechin zur nahezu unschlagbaren Dominatorin im Racebereich geworden. Am Samstag, als Ledecka sensationell Alpin-Gold gewann, stand Reiter im Zielraum von Jeongseon und machte seinen Frieden mit den Spielen.
Auch für ihn war es eine "super Überraschung", aber: "Die Olympischen Spielen sind verrückt, sie bevorzugen nicht immer die Favoriten." Auch am nächsten Samstag, wenn Ledecka in Bokwang im Parallel-Riesenslalom der Snowboarder antritt? "Alles ist möglich", sagte Reiter, "aber Ester ist sehr stark, sie hat ein großes Herz und ist stark im Kopf..."
Ob er Ledecka sicherheitshalber nach ihrem Sieg wie geplant noch zum Snowboard-Training auf den Berg zerrt? "Nein", sagte er dem SID, "das ist ihr Tag, sie soll ihn genießen."