Die Geschichte der Farbexperten


1885: In den bewegten Jahren der Gründerzeit zog es den Hamburger Kaufmann Ernst Murjahn und seinen Sohn Eduard nach Südhessen in den Odenwald. 1885 erwarben sie dort Schürfrechte für Mangan. Das Erz war zur Zeit der Industrialisierung gefragt für Legierungen. Allerdings erwiesen sich die Vorkommen als wenig ergiebig. Hobby-Geologe Eduard Murjahn experimentierte stattdessen mit Hornblende, das im Odenwald häufig vorkam. Das Silikatgestein gehört zur Amphibol-Gruppe.

1894: Sein Sohn Robert entwickelte daraus ein Verputz-Anstrich-Pulver auf Basis von Kreide, das sich nur mit Wasser anrühren ließ. Das neuartige Pulver wurde 1894 auf einer Ausstellung in Kiel mit der Goldmedaille ausgezeichnet.

1895: Ein Jahr später wurden die „Deutschen Amphibolin-Werke von Robert Murjahn“ im südhessischen Ober-Ramstadt“ gegründet. Bald schon wurden die Verputz und Anstrichpulver auch exportiert bis nach Afrika, Asien und Australien.

1909: Robert Murjahn entwickelt bald auch eine Innenfarbe aus kalt-wasserlöslichem Leimpulver. Diese Farbe ließ er 1909 unter der Marke „Alpinaweiß“ registrieren. Der Anblick der schneebedeckten Alpengipfel in Luzern hatte ihn zu diesem Namen inspiriert. Heute ist Alpinaweiß die meistverkaufte Innenfarbe Europas. Die Marke hat unter Heimwerkern fast 100 Bekanntheit.

1928: Der zweite Bestseller Caparol kam 1928 auf den Markt. Robert Murjahn jun. hatte Chemie studiert und entwickelte ein wässriges Bindemittel für Ölfarben. Hauptbestandteile waren Casein, Paraffin und Oleum (abgekürzt: Caparol). Damals ein großer Fortschritt. Die Maler mussten bis dahin ihre Pinsel mit dem scharfen Lösungsmittel Terpentin reinigen. Viele bekamen davon Hautkrankheiten, die so genannte Malerkrätze. Die Profifarbe Caparol ist heute marktführend in Deutschland.

1984: Klaus Murjahn erfand den bunt gestreiften Elefanten mit Pinselschwanz als Signet.

1945: In den beiden Weltkriegen durchlebte DAW Durststrecken, weil die Rohstoffe für Farben knapp wurden. Mit dem Wiederaufbau nach 1945 begann für den Farbhersteller der Aufstieg. Die Odenwälder stellten viele Gastarbeiter zusätzlich ein, um die Nachfrage überhaupt bewältigen zu können.

1957: DAW wagte sich in ein neues Geschäftsfeld – die Wärmedämmung. Die Firma entwickelte das erste Wärmeverbundsystem samt Putz. Heute macht Dämmung eines Drittel des Umsatzes aus.

1970: Chemiker Klaus Murjahn stieg ins Unternehmen ein. Damals hatte DAW 800 Mitarbeiter und machte knapp 100 Millionen DM Umsatz.

1973: Klaus Murjahn übernahm er die Geschäftsführung und machte DAW von einem überwiegend lokalen zu einem internationalen Unternehmen. Nach der Wiedervereinigung kauften die Odenwälder das ehemalige Kombinat für Lacke und Farben (Lacufa) in Berlin-Treptow. Daraus ergaben sich viele Projekte in Osteuropa vom Kreml in Moskau bis St. Petersburg. Heute macht die DAW-Gruppe etwa 40 Prozent ihres Geschäfts im Ausland, vornehmlich in Europa. In fast allen 30 Ländern, in denen die DAW aktiv ist, gibt es auch eine eigene Produktion.

1995: Die Marke Alligator wurde in die DAW-Gruppe integriert. Ein Jahr später ging in Ober-Ramstadt Europas modernste Dispersionsfarbenfabrik in Betrieb mit einem 46 Meter hohen Siloturm für Rohstoffe. 2001 führte Caparol die ersten konservierungsmittelfreien Dispersionsfarben für Allergiker ein. Zwei Jahre später wandelte sich DAW in eine Familienstiftung & Co KG um.

2008: Ralf Murjahn löste 2008 seinen Vater Klaus an der Spitze des Unternehmens ab.

2013: Der Chemiker und promovierte Wirtschaftswissenschaftler wandelte die Familienstiftung 2013 in eine Europäische Aktiengesellschaft DAW SE.

2017: Die Unternehmensgruppe beschäftigt heute weltweit rund 5.600 Mitarbeiter, davon 1.600 am Stammsitz in Ober-Ramstadt. Der Umsatz liegt bei etwa 1,3 Milliarden Euro im Jahr. Die Firma legt ihren Fokus weiter auf das Thema Nachhaltigkeit. So kauft sie etwa ihre Produktionsenergie hierzulande klimaneutral ein. DAW ist an einer Firma in Österreich mehrheitlich beteiligt, die Dammplatten aus dem schnell nachwachsenden Rohstoff Hanf herstellt. DAW wurde für ihr breites Angebot an ökologischen Produkten mit dem dritten Platz des Deutschen Nachhaltigkeitspreises 2018 ausgezeichnet.