Gescheiterte Digitalstrategie? Dem ProSiebenSat.1-Boss laufen die Startup-CEOs weg

Die Pläne von Senderchef Rainer Beaujean scheinen nicht aufzugehen - Copyright: picture alliance / dpa | Maja Hitij
Die Pläne von Senderchef Rainer Beaujean scheinen nicht aufzugehen - Copyright: picture alliance / dpa | Maja Hitij

Aus dem TV-Sender ProsiebenSat.1 wollte Senderchef Rainer Beaujean (53) einen Digitalkonzern schaffen. Den Startups der Gruppe, insbesondere dem Beauty-Händler Flaconi, wurde eine rosige Zukunft versprochen. Stattdessen flüchten die Geschäftsführer einiger Startups, Umsatzziele werden verfehlt, wie das Manager Magazin berichtet. Kritisiert wird darin vor allem Beaujeans Kontrollverhalten.

Seit 2017 bündelt ProsiebenSat.1 seine Startup-Beteiligungen in der Nucom-Gruppe. Ziel war es, die Unternehmenswerte zu steigern und zum Teil gewinnbringend zu verkaufen. Der Plan scheint jedoch nicht aufgegangen zu sein. Bei den meisten Startups der Gruppe hält sich das Wachstum mittlerweile in Grenzen. Andere wurden für weniger veräußert als ursprünglich erhofft. Ähnlich schlecht läuft es aktuell bei der Onlinedating-Sparte, zu der auch Parship und Elitepartner gehören. Der Umsatz liegt hier im ersten Quartal sieben Prozent unter dem im Vorjahreszeitraum.

Die bisherigen Flaconi-Chefs hören auf

Das Fiasko zeigt sich jedoch vor allem an Flaconi. Der einst gefeierte Konkurrent von Douglas hätte im Frühjahr 2021 noch für knapp 600 Millionen Euro verkauft werden können, wie das Manager Magazin berichtet. Doch Beaujean wollte mehr. Zum Verkauf kam es deshalb nicht. Stattdessen verfehlte das Unternehmen zuletzt seine Wachstumsziele und lieferte ebenfalls schlechtere Umsatzzahlen als im Vorjahr.

Die CEOs der Startups sind demnach nicht mit den Vorstellungen und der Kontrolle durch Beaujean einverstanden. Wie das Wirtschaftsmagazin berichtete, werden etwa die ehemaligen Flaconi-Chefs CEO Christoph Honnefelder und COO Benjamin Ludigs hinschmeißen.

Dem TV-Konzern zufolge haben diese Abgänge jedoch einen anderen Grund: Ein Sprecher gibt gegenüber Gründerszene an, dass die beiden Gesellschafter ProsiebenSat.1 und General Atlantic zuletzt unzufrieden gewesen seien, „mit der fehlenden Klarheit in der strategischen Ausrichtung und mangelnden Stringenz in der operativen Führung“ bei Flaconi.

Das Manager Magazin berichtet außerdem, dass auch die Spitzenmanager anderer Beteiligungen bereits kurz davor seien, zu gehen. Dies sei bis dato jedoch nicht der Fall, so der Sprecher der TV-Gruppe.

Update (27. Juli 2022, 14:55 Uhr): Der Artikel wurde um ein Statement von ProSiebenSat.1 ergänzt.

kh

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