Das Geschäft mit der Angst – wie Unternehmen ihre Manager schützen

Die Sicherheit der Manager wird auch auf einem Seegrundstück im Süden Berlins verteidigt. Draußen schunkeln Segelboote am Steg, drinnen tritt Marcel Bergeler (Name geändert) ins Büro. Der ehemalige Personenschützer bildet den Nachwuchs für seine Branche aus. „Ein dicker Oberarm und ein fester Blick reichen nicht“, sagt der 50-Jährige, obwohl er nachweislich über beides verfügt.

Bergeler konzipiert zurzeit für die Sicherheitsakademie Berlin den neuen Lehrgang Personenschutz. „Wir müssen die Seminare immer wieder anpassen, zum Beispiel an die technische Entwicklung“, sagt er. Vor zehn Jahren sei ein Jammer – ein Gerät, das den Funkverkehr stört – groß und teuer wie ein Kleinbus gewesen. „Heute kostet der 3,50 Euro auf dem Flohmarkt.“

Bergelers Seminarplan wird neben Kursen zu Schuss- und Fahrtechniken auch Unterrichtseinheiten zu rechtlichen Grundlagen und zur Etikette beinhalten. „Personenschützer müssen sich im Umfeld eines Vorstands bewegen, ohne groß aus der Reihe zu fallen, auf vielen Fotos sind sie im Hintergrund“, sagt er. Schon die falsche Krawattenfarbe könne zu Irritationen führen. Sechs Monate dauern die IHK-zertifizierten Lehrgänge, Anfang November wird das Konzept eingeführt.


Wer Bergelers Kurs absolviert, wird vielleicht schon bald das deutsche Topmanagement absichern. Doch wie wichtig ist den deutschen Unternehmen die Sicherheit ihrer Manager überhaupt? Wer wird ständig von Personenschützern begleitet, wer nur zeitweise? Wer sind diese Bodyguards, die im Zweifel ihr eigenes Leben für ihren Schutzbefohlenen riskieren sollen? Und was macht es psychologisch mit einem Manager, wenn er Opfer eines Attentats wird – so, wie es Innogy-Finanzvorstand Bernhard Günther passiert ist?

Thema Sicherheit ist für die Firmen heikel

Die meisten Unternehmen geben sich verschlossen, wenn sie auf ihre Sicherheitskonzepte angesprochen werden. Beim Chemiekonzern Bayer etwa will man sich gar nicht äußern. Und auch wer spricht, gibt sich schmallippig: „Die Sicherheit unserer Vorstände und aller Mitarbeiter in der Zentrale und in den Regionen ist uns wichtig“, heißt es beim Wohnungskonzern Vonovia auf Nachfrage. „Für Vorstandsmitglieder gelten besondere Schutzmaßnahmen, der Personenschutz gilt im Bedarfsfall aber auch für Mitarbeiter unterhalb des Vorstands“, erklärt der Spezialchemiekonzern Lanxess.

„Weitere Details zu konkreten Maßnahmen“ könnten nicht genannt werden. Der Personenschutz sei Aufgabe des Bereichs Konzernsicherheit, man arbeite aber auch eng mit lokalen Behörden und gegebenenfalls externen Sicherheitsfirmen zusammen.

Die Deutsche Bank gilt für Extremisten bereits seit Jahrzehnten als Feindbild Nummer eins. Trauriger Höhepunkt dieses Hasses: 1989 wurde der damalige Vorstandssprecher Alfred Herrhausen bei einem Bombenattentat der Roten Armee Fraktion (RAF) ermordet. Auch deshalb gilt der Konzern bis heute als besonders sicherheitsbewusst.


Einige Vorstände von Deutschlands größtem Geldhaus versuchen daher, ihren genauen Wohnort zu verschleiern. Und das Dienstappartement in Frankfurt, das nacheinander von den ehemaligen Vorstandschefs Anshu Jain und John Cryan bewohnt wurde, ist unter anderem mit kugelsicherem Glas ausgestattet. Der Brite Cryan war allerdings kein allzu großer Fan des intensiven Personenschutzes. Wann immer es möglich war – beispielsweise wenn er in Asien unterwegs war –, verzichtete er vollkommen auf Bodyguards.

Vielleicht auch, weil sich die Vorstände im Ausland sicherer fühlen. Hier sind sie nicht das bekannte Gesicht ihres Konzerns. Doch dieser Gedanke kann auch ein Trugschluss sein. Gerade bei Dienstreisen in fragilen Staaten wie Mexiko oder Brasilien raten die Sicherheitsabteilungen oftmals zu deutlich stärkerem Schutz als in der vergleichsweise friedlichen Bundesrepublik.

Riss in der Komfortzone

Sicherheit lasse sich wie eine mathematische Gleichung beschreiben. „Nur einen Wert wird sie nie erreichen: 100 Prozent“, sagt der Head of Corporate Security eines deutschen Industrieunternehmens mit rund 20.000 Mitarbeitern. Er bittet, seinen Namen und den seiner Firma nicht in der Zeitung zu nennen, um mögliche Angreifer nicht auf Ideen zu bringen. Deswegen soll er in diesem Text Michael Selke heißen.


Mehr Personenschützer, mehr gepanzerte Fahrzeuge, mehr Videokameras und bessere Antivirensoftware – wer bereit ist, viel Geld in Sicherheit zu investieren, kann sein Risiko minimieren. „Der Personenschützer kostet gut und gerne auch mal sechsstellig in eigener Anstellung“, sagt Selke.

Mit einem Bodyguard ist es jedoch nicht getan. Wenn ein Vorstand verreist, braucht er einen Kundschafter, der vorausfliegt, und zwei Personenschützer, die ihn begleiten. Wechselpersonal für den Schichtdienst ist da noch nicht eingerechnet. Schnell kommen fünf- bis sechsköpfige Teams zusammen. Aufklärung, Hintergrundrecherchen und Risikoeinschätzungen sollten im Vorfeld laufen. „Ohne die Vorarbeit ist ein Personenschützer auf einem Auge blind“, sagt Selke.

Das alles geht ins Geld. Die Konzernführung steckt so in einer Zwickmühle. Sie muss die geschäftsfernen Ausgaben vor Gesellschaftern und Aktionären rechtfertigen. „Der Batzen für den Personenschutz ist so groß, dass sich das Controlling dagegen sträubt“, sagt Selke. Zumal in der Regel auch die Sicherheit der Angehörigen vom Konzern mitbezahlt wird, die ja für Entführungen oder Racheakte ebenso als Zielscheibe infrage kommen wie der Manager selbst.

Die zweite wichtige Variable ist die Bequemlichkeit. „Sicherheit kann einschränkend sein“, sagt Selke. Im Härtefall sitzt beim Candle-Light-Dinner mit dem Ehepartner (oder noch heikler, dem oder der Geliebten) ein Bodyguard dabei. „Ein Vorstand hat aber auch ein Recht auf Privatsphäre“, sagt Selke.


Dabei lässt sich manche Gefahr mit gesundem Menschenverstand umgehen. Es gibt Chefs, die lassen sich vor einer Reise nach Südamerika umfassend zur Sicherheitslage beraten – und bitten dann den Chauffeur, in die Favelas zu fahren, weil sie sich spontan die Armenviertel anschauen wollen. „Alles schon vorgekommen“, sagt Selke, „es braucht ein gesundes Mittelmaß zwischen Paranoia und Laisser-faire.“

Der Angriff auf Innogy-CFO Günther habe viele Führungskräfte aufgeschreckt: „Nach Vorfällen, über die Medien berichten, erlebt das Thema Sicherheit eine deutlich höhere Wertschätzung.“ Selke zieht den Vergleich zur Alarmanlage: „Jeder weiß, sie wäre sinnvoll, trotzdem haben sie nur wenige. Nach einem Einbruch beim Nachbarn wird schon eher investiert.“

Furcht vor Kontrollverlust

Was solch ein Anschlag mit dem Charakter eines Menschen macht, ist schwer vorherzusagen. „Der eine geht unverändert oder sogar gestärkt aus solch einem Ereignis hervor, ein anderer zerbricht daran“, erklärt der Wirtschaftspsychologe Denis Mourlane. Führungskräfte verfügten im Schnitt über eine ausgeprägtere Resilienz – ihre psychische Widerstandskraft ist also größer als beim Durchschnitt. „Alle erdenkbaren Schicksalsschläge verbindet die Tatsache, dass bei den Menschen das Grundbedürfnis nach Kontrolle verletzt wird“, weiß Mourlane. Deshalb gehe es bei der Bewältigung vor allem darum, das Gefühl der Kontrolle über das eigene Leben zurückzuerlangen.


Über Manager nach einem Attentat sagt er: „Idealerweise verändern sich diese Menschen also gar nicht, sondern verstehen, dass dies eine der Schattenseiten ihres großen Gestaltungsspielraums ist.“ Ebenso belastend wie die seelische Bewältigung eines Angriffs kann es für die menschliche Psyche sein, mit einer ständigen Bedrohung zu leben.

Die Polizei unterscheidet bei der Gefährdung nach einem dreistufigen Modell: In Stufe 3 ist eine Gefährdung „nicht auszuschließen“, Schutz wird aber „nur bei besonderen Anlässen“ gewährt. In Stufe 2 lässt sich ein Anschlag nicht mehr ausschließen. Wer in diese Kategorie fällt, wird bei „wiederkehrenden Fahrten“ und Veranstaltungen mit besonderem „Angriffsreizwert“ begleitet. Wer in die Stufe 1 fällt, gilt als „erheblich gefährdet“. Die Folge: ständiger Personenschutz. Wie viele Personen in Deutschland in welche Schutzkategorie fallen, hält das Bundeskriminalamt aus Sicherheitsgründen geheim.

Grundsätzlich muss man von der Polizei in eine der drei Stufen eingruppiert sein, um überhaupt im öffentlichen Raum einen bewaffneten Leibwächter an seiner Seite haben zu dürfen. Für den Schutz ist dann zunächst die Polizei zuständig, einen gefährdeten Manager muss sie ebenso bewachen wie einen Politiker oder einen bedrohten Zeugen.

Doch oft wollen Konzerne ihren Topmanagern einen stärkeren Schutz zukommen lassen, als er in den Gefährdungsstufen 2 und 3 vorgesehen ist – dann kommen private Anbieter ins Spiel. Zumal, wie Insider berichten, die Polizei aus Personalmangel eher knausrig beim Stellen von Bewachungspersonal ist. Im Unternehmen oder auf dem Privatgrundstück kann sich ein Manager auch ohne Gefährdungseinstufung von bewaffneten Sicherheitsleuten schützen lassen, aber natürlich muss das Personal in jedem Fall einen gültigen Waffenschein besitzen.


Doch auch unterhalb des eigenen Bodyguards gibt es viele Möglichkeiten, die Sicherheit von Managern zu verbessern: In vielen Konzernen fliegen Vorstände nicht im gleichen Flugzeug, Chauffeure bekommen Fahrsicherheitstrainings, Privathäuser werden videoüberwacht. Vereinzelt werden GPS-Tracker eingesetzt, die sich modisch in Armbändern verstecken lassen. So kann der Standort von Managern und ihren Familien jederzeit überwacht werden.

Auch mobile Alarmlösungen gibt es, vergleichbar mit dem Notrufknopf bei Senioren. Nur, dass das Gerät nicht mit dem Notarzt gekoppelt ist – sondern mit dem Sicherheitsdienst. Rein rechtlich ist es sogar möglich, bei besonderer Gefährdung eine eigene Waffe zu führen. Dieser Gesetzespassus trifft aber wohl eher auf Juweliere zu – über deutsche Vorstandschefs mit Colt im Hosenbund ist nichts bekannt.

Zielscheibe Manager

Dabei ist die Wirtschaftsgeschichte der Bundesrepublik voll von Entführungen und Anschlägen. Präsent sind vor allem die Attentate der RAF. Neben Deutschbanker Herrhausen fielen der Mordserie der Terroristen 33 weitere Menschen zum Opfer, die meisten von ihnen Polizisten und Beamte. Unter den Toten sind aber auch Unternehmenslenker und Manager. Jürgen Ponto, Vorstandssprecher der Dresdner Bank, und Arbeitgeberpräsident Hanns Martin Schleyer werden beide 1977 umgebracht.


Ernst Zimmermann, Chef des Maschinenbauers MTU, wird 1983 in seinem Schlafzimmer erschossen. 1986 sterben der Siemens-Manager Karl-Heinz Beckurts und sein Fahrer, als eine Sprengladung am Straßenrand explodiert. Das letzte RAF-Opfer aus der Wirtschaft ist Detlev Karsten Rohwedder. Der damalige Vorstandsvorsitzende der Treuhandanstalt wird im April 1991 in seinem Haus in Düsseldorf erschossen – von einem Scharfschützen.

Doch auch abseits des linken Terrors gab es immer wieder Entführungen und Anschläge auf Manager und ihre Familien. 1976 wird der Industriellensohn Richard Oetker vom Parkplatz seiner Uni entführt. Er kann nach 47 Stunden befreit werden. Durch Stromschläge seines Entführers wird er damals fast getötet, ist bis heute schwer gehbehindert. 1987 entführen drei Maskierte die Schlecker-Kinder Lars und Meike – und lassen sie erst frei, als Vater und Drogeriekönig Anton Lösegeld zahlt.

1996 wird der Tabakerbe Jan Philipp Reemtsma verschleppt und wieder befreit. 2002 ermordet ein Erpresser den elf Jahre alten Sohn des Bankiers Jakob von Metzler. 2015 entführt ein Mann den Sohn von Schraubenkönig Reinhold Würth – einen Tag später wird er nach einer gescheiterten Lösegeldübergabe gerettet.

Jeder Entführungsfall, jeder Anschlag steigert den Wunsch nach Sicherheit und verhilft der intransparenten Branche der Personenschützer zu neuen Aufträgen. Große Player gibt es in diesem Segment nicht. Dafür sehr viele Einzelunternehmer, der Markt ist zersplittert. Für die meisten Unternehmen ist Personenschutz nur Zubrot, im Kerngeschäft sind sie im Objekt- oder Veranstaltungsschutz tätig.

Eine der wenigen Ausnahmen ist die Firma RH Security GmbH aus Neustadt/Wied. Geschäftsführer Ivo Schendel, 42, bietet bundesweit bewaffneten Personenschutz an – explizit auch für Privatfamilien. Schendel ist ehemaliger Oberkommissar, diente zehn Jahre lang bei den Spezialkräften der Polizei in NRW. Im Jahr 2016 stieg er aus und wechselte in die Privatwirtschaft.

Sein Vorgänger bei RH war ein ehemaliger Personenschützer von Helmut Kohl. Das Unternehmen hat elf Mitarbeiter, im Zwei-Wochen-Turnus ist der Chef selbst in einem Bewachungsteam mit dabei dabei. „Wir sind Bestandteil des Familienalltags“, sagt er über seine Kunden.

Es gehe um passgenaue Sicherheitskonzepte, sagt Schendel. So sei bei einer Familie etwa ein Schutz rund um die Uhr in Schichten vorgesehen. Nachts komme ein Hundeführer. Bei einer anderen Familie schlafen die Personenschützer in einer nahen Dienstwohnung. Die Alarmanlage ist direkt mit dem Handy der Männer verbunden: „Wenn etwas passiert, sind wir in kürzester Zeit vor Ort.“

Bei der Rekrutierung seines Personals bemüht sich Schendel gezielt um ehemalige Polizisten. Viele Personenschützer kommen auch von der Bundeswehr oder aus Antiterroreinheiten wie beispielsweise der GSG 9. Die Sicherheitsbranche ist eben auch eine des Vertrauens, der Kameradschaft. Man kennt sich noch vom gemeinsamen Dienst bei Polizei oder Militär. Das hat für die Auftraggeber aus den Unternehmen einen entscheidenden Vorteil: Zu den Behörden gibt es oftmals den kleinen Dienstweg. „Bei konkreten Bedrohungslagen gibt es eine sehr enge Zusammenarbeit“, sagt Konzern-Sicherheitschef Michael Selke.

Unis entdecken das Feld

Die Sicherheitsfirmen bekommen derzeit immer mehr Bewerbungen von Studenten geschickt. Denn Unis und Fachhochschulen haben „Corporate Security“ für sich entdeckt. „Risikomanager, Kommunikationsexperte, Waffenexperte, IT-Sicherheitsexperte“, zählt Selke die Schwerpunkte auf.

Sicherheitsakademiker oder Ex-Polizisten – wer ist besser geeignet? Selke sieht Vor- und Nachteile bei beiden Gruppen. Die ehemaligen Beamten haben Berufserfahrung und Kontakte, seien jedoch oft so stark vorgeprägt, dass sie in Konzernen lange ein Fremdkörper blieben. Die Studenten seien flexibel, anpassungsfähig und hätten eine gute theoretische Ausbildung. Allerdings fehlten Berufspraxis und Kontakte. Die Mischung scheint die ideale Lösung zu sein – so, wie bei Selke selbst: Nach Jahren im Polizeidienst absolvierte er einen berufsbegleitenden Master für Security und Compliance.

Hinzugekommen sind viele Akademien, die Personenschützer ausbilden. Einige davon bieten das entsprechende IHK-Zertifikat als Abschluss, andere sind gar nicht behördlich überprüft. Ohnehin landet nicht jeder Ausgebildete in seinem Traumjob. Viele ausgebildete Bodyguards verdingen sich etwa bei der Bewachung von Flüchtlings-Notunterkünften – seit 2015 ein boomendes Geschäftsfeld.

Wer mit Bundespolitikern unterwegs ist, kann die von der Landes- oder Bundespolizei abgestellten Bodyguards kaum übersehen: Sie haben meist die breitesten Schultern im Raum und heften einen Pin, gern den ihres Bundeslandes, ans Revers ihrer Zivilanzüge, damit sie einander im Gemenge erkennen können.

Bei Konzernbossen ist das anders. Im Gegensatz zu Politikern sind Topmanager einer breiteren Öffentlichkeit meist nicht bekannt – und das ist ihr bester Schutz. Im Zweifel kann auffälliges Schutzpersonal einen Manager gar erst in Gefahr bringen. Denn die Bewachung zeigt: Hier gibt es etwas zu holen, hier ist jemand wichtig. Ein Personenschützer von Daimler-Chef Dieter Zetsche, Typ Vorstandsassistent mit Aktentasche, erwiderte einmal auf die Bemerkung, dass er gar nicht aussehe wie ein Bodyguard: „Und genau dafür werde ich bezahlt.“

„In der Wirtschaft gibt es sehr viel verdeckten Schutz“, sagt Robert Ahrlé. Seine Firma R.A.D. aus Köln, 70 feste Mitarbeiter, bis zu 500 freie, hat sich auf die Sicherung von Großveranstaltungen spezialisiert. 2012 begleiteten sie für die Uefa Ausrichter und Veranstalter bei der Fußball-EM in Polen und der Ukraine. Seit drei Jahren arbeitet R.A.D. auch für die Formel 1.

„Wir begleiten viele Musiker, Sportler und andere Stars“, sagt der 51-Jährige. Aber auch in der Wirtschaft habe er einige Kunden. Wenn er ohnehin die Hauptversammlung eines Konzerns sichert, dazu auch noch Fahrer abstellt, wird gern auch der Personenschutz noch dazugebucht.

„Der Markt ist in Deutschland sehr unübersichtlich“, sagt Ahrlé. Allein im Kölner Raum gebe es 400 Einträge im Überwachungsgewerbe, viele davon würden auch Personenschutz anbieten. „Das Geschäft ist eben sehr lukrativ“, sagt Ahrlé. Für einen Personenschützer ließen sich Tagessätze von bis zu 900 Euro abrechnen. Dabei ist der Job selbst kräftezehrend und ungesund. „Mit Kinofilmen, in denen die Bodyguards den ganzen Tag mit ihren Schutzobjekten am Pool rumliegen, hat die Realität nichts zu tun“, sagt Ahrlé. Man sitze und warte viel, werde eingepfercht in kleine Räume, sei viel auf Stand-by. Auch die Vorarbeit sei enorm.

Auch Aufspüren von Wanzen gehört zum Job

Die „Close Protection“, das eigentliche Beschützen, bilde dabei nur einen kleinen Aspekt der Arbeit. „Man muss im Vorfeld die Wege begehen und befahren, Gefährdungspotenziale erkennen, etwaige Hindernisse bedenken.“ Sicherheitskonzepte werden erstellt, die Schutzpersonen ausgiebig befragt. „Eine Baustelle, der Briefkasten, der Weg zur Garage – das sind alles Möglichkeiten eines Anschlags oder Überfalls.“

Firmen beordern Ahrlés Leute auch oft ins Ausland, wenn Dienstreisen anstehen. Selbst wenn Ahrlé dann mit lokalen Partnern vor Ort zusammenarbeitet, ist immer einer seiner Kollegen aus Deutschland mit dabei. Hotelzimmer werden überprüft, Restaurants ausgecheckt. Auch das Aufspüren von Wanzen – Stichwort Wirtschaftsspionage – gehört zum Jobprofil dazu.


Käuflich ist im Sicherheitsbusiness fast alles. Nach oben, weiß Ahrlé nur zu gut, gibt es kaum ein Limit: „In der Ukraine rannten während der EM lauter Oligarchen herum, alle geschützt von bewaffneten Bodyguards, unterwegs in gepanzerten Konvois und mit Blaulicht auf dem Dach.“

Einen großen Boom an Personenschützern sieht Ahrlé in der Wirtschaft derzeit aber nicht. „Die Zahl der schutzbedürftigen Konzerne hat sich in den vergangenen Jahren nicht verändert“, sagt Ahrlé. „Entweder haben die Firmen eine eigene Konzernsicherheit oder die Jobs sind in festen Händen einer Sicherheitsfirma.“ Die Vertrauensverhältnisse bauten sich oftmals über Jahre auf. Wer wirklich sicher sein will, muss sich seinen Beschützern gegenüber weit öffnen. Sicherheit kostet nicht nur viel Geld – sie braucht auch viel Vertrauen.