GESAMT-ROUNDUP: Steinmeier telefoniert mit Selenskyj - Irritationen ausgeräumt

KIEW (dpa-AFX) - Deutschland und die Ukraine sind nach der Ausladung von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier bemüht, die Wogen wieder zu glätten. Das deutsche Staatsoberhaupt habe am Donnerstag mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj telefoniert, teilte das Bundespräsidialamt mit. Dabei seien Irritationen ausgeräumt worden. Darüber hinaus will Bundestagspräsidentin Bärbel Bas als bislang höchste Repräsentantin Deutschlands nach Kiew reisen. Offizieller Anlass ist das Weltkriegsgedenken in der Ukraine am Sonntag. Ihr Besuch scheint geeignet, in der Auseinandersetzung zwischen Kiew und Berlin zu vermitteln.

Bas habe "den Wunsch zu einer Reise in die Ukraine, um auf Einladung ihres ukrainischen Amtskollegen Ruslan Stefantschuk gemeinsam mit ihm aller Opfer des Zweiten Weltkriegs zu gedenken und politische Gespräche zu führen", sagte eine Bundestagssprecherin der Deutschen Presse-Agentur am Donnerstag auf Anfrage. Es kommt weiter zu Kampfhandlungen in dem seit mehr als zwei Monaten andauernden Angriffskrieg Russlands gegen die Ukraine.

Internationale Geberkonferenz sammelt Milliarden für Ukraine

Eine internationale Geberkonferenz für die Ukraine-Flüchtlingshilfe in Warschau brachte Zusagen in Milliardenhöhe ein. Insgesamt seien mehr als 6,5 Milliarden Dollar bei der von Polen und Schweden organisierten Konferenz zusammengekommen, sagte Polens Regierungschef Mateusz Morawiecki am Donnerstag in seiner Abschlussrede. Umgerechnet sind dies mehr als 6,17 Milliarden Euro. "Der heutige Tag hat gezeigt, dass unsere Unterstützung für die Ukraine weitergeht und es keinen Egoismus unter uns gibt", so Morawiecki.

Die Europäische Union kündigte ein neues Hilfspaket im Umfang von 200 Millionen Euro an. Es soll den mehreren Millionen vertriebenen Menschen in dem Land zugute kommen, wie EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen bei der Konferenz sagte. Nach Schätzungen der Vereinten Nationen benötigen in der Ukraine mehr als zwölf Millionen Menschen dringend humanitäre Hilfe, darunter Nahrung, medizinische Versorgung und Unterkünfte.

Stahlwerk Azovstal weiter umkämpft - Unklarheit über Fluchtkorridore

Der Kampf um das Stahlwerk Azovstal in der ukrainischen Hafenstadt Mariupol hält an. "Mit Unterstützung der Luftwaffe hat der Gegner seinen Angriff mit dem Ziel erneuert, das Fabrikgelände unter seine Kontrolle zu bringen", teilte der ukrainische Generalstab am Donnerstag in seinem Lagebericht mit. Der Kreml dementierte am Donnerstag einen Sturm auf das Gelände. In dem Stahlwerk haben neben den ukrainischen Kämpfern Schätzungen zufolge auch noch bis zu 200 Zivilisten Zuflucht gesucht.

Russischen Angaben zufolge haben Zivilisten in Mariupol seit Donnerstagmorgen die Möglichkeit zur Flucht aus dem Stahlwerk. Es gebe Fluchtkorridore, die heute und in diesen Tagen funktionierten, sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow. Sowohl die russische als auch die ukrainische Seite haben bis Samstag täglich Feuerpausen zugesichert. Ob tatsächlich weitere Menschen fliehen konnten, war zunächst unklar.

Russen melden militärische Erfolge - Beschuss in russischer Grenzregion

Das russische Militär hat nach eigenen Angaben strategische Ziele in ukrainischen Großstädten beschossen. "Mit Hochpräzisionsraketen wurde auf dem Militärflughafen Kanatowo nahe Kirowohrad Flugzeugtechnik und in der Stadt Mykolajiw ein riesiges Munitionsdepot vernichtet", sagte der Sprecher des russischen Verteidigungsministeriums in seinem Lagebericht am Donnerstag. Zudem sei ein Treibstofflager zerstört worden. Russlands taktische Luftwaffe und Heeresflieger hätten in der Nacht 93 Militärobjekte beschossen, die Artillerie mehr als 500 Ziele. Durch den Artilleriebeschuss seien mehr als 600 gegnerische Soldaten und 61 Kampffahrzeuge vernichtet worden, hieß es.

In der an die Ukraine grenzenden westrussischen Region Belgorod wurden beim Beschuss von zwei Ortschaften nach Behördenangaben fünf Häuser und eine Stromleitung beschädigt. "Von ukrainischer Seite aus stehen Schurawljowka und Nechotejewka unter Beschuss", teilte der Gouverneur der Region am Donnerstag mit. Seinen Angaben nach gab es keine Opfer. Das Gebiet Belgorod hat seit dem am 24. Februar von Russland begonnenen Krieg sechs Angriffe gemeldet, darunter auch die Zerstörung großer Treibstofflager in der Stadt Belgorod selbst. Die Ukraine hat die Meldungen in der Vergangenheit nicht bestätigt.

US-Informationen tragen wohl zum Tod russischer Generäle bei

Die ukrainische Armee stützt sich bei ihren erfolgreichen Angriffen auf russische Generäle einem Bericht der "New York Times" zufolge teils auf Informationen aus den USA. Die Zeitung berief sich dabei auf Angaben nicht genannter ranghoher US-Militärs. Die ukrainische Armee will seit Beginn des Kriegs im Februar zwölf russische Generäle durch gezielten Beschuss getötet haben. Demnach versorgten die USA die Ukrainer mit Angaben über Bewegungen russischer Stäbe. Moskau hat sich zum angeblichen Verlust der Generäle nicht geäußert. Der Tod solch ranghoher Offiziere gilt als ungewöhnlich.

Weitere Unterstützung für Moldau

Die EU unterstützt die Republik Moldau mit weiteren 52 Millionen Euro für Reformen und Wiederaufbau. "Die letzten Jahre waren mit der Covid-19-Pandemie, der Gaskrise und jetzt den Folgen von Russlands Krieg gegen die Ukraine äußerst schwierig", sagte der für Nachbarschaft und Erweiterung zuständige EU-Kommissar Olivér Várhelyi am Donnerstag. UN-Angaben zufolge sind in das kleine Land mit gut 2,5 Millionen Einwohnern bereits 450 000 Menschen aus der Ukraine geflohen. Die EU unterstützt Moldau bereits mit Krisenhilfen in Höhe von knapp 250 Millionen Euro. Es gibt Befürchtungen, dass der Krieg sich auf die von Moldau abtrünnige Region Transnistrien an der ukrainischen Grenze ausweiten könnte, die seit Jahrzehnten von prorussischen Separatisten beherscht wird.

Allianz Opec+ dreht Ölhahn weiter nur moderat auf

Unbeeindruckt von den Plänen für ein EU-Embargo gegen russisches Öl hält die Allianz Opec+ an ihrer Strategie einer nur vorsichtigen Ausweitung der Produktion fest. Die von Saudi-Arabien und Russland dominierte Gruppe will nach eigenen Angaben vom Donnerstag im Juni 432 000 Barrel (je 159 Liter) am Tag zusätzlich aus der Erde holen. Dieser eher moderate Schritt sei schon deshalb geboten, weil die Probleme mit der Pandemie anhielten, spielte das Kartell auf die Situation in China an. Damit kann die EU zunächst nicht damit rechnen, dass die Opec-Mitglieder etwaige Lieferausfälle von russischem Öl kompensieren.

Nach wie vor demonstriert die Gruppe trotz des Ukraine-Kriegs große Einigkeit und lässt sich nicht von Forderungen beeindrucken, die Produktion stärker auszuweiten. Der Benzinpreis dürfte jedenfalls eher steigen als sinken.

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