GESAMT-ROUNDUP: Mehr Länder lassen Hotels und Restaurants wieder an Start gehen

BERLIN (dpa-AFX) - An der Nord- und Ostseeküste stehen die Strandkörbe schon bereit - und nun ist klar, dass Urlaubmachen dort in Kürze trotz Corona-Pandemie möglich sein wird. Erst preschten am Montag Niedersachsen und Mecklenburg-Vorpommern vor, dann zog am Dienstag Schleswig-Holstein nach. Und auch Bergurlaub kann es geben, denn Bayern will seine Hotels, Campingplätze und Restaurants ebenfalls schrittweise öffnen. An diesem Mittwoch wollen sich Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und die Länder-Regierungschefs erneut zusammenschalten, um über weitere Erleichterungen zu beraten.

TOURISMUS ZWISCHEN KÜSTE UND BERGEN WIRD LANGSAM HOCHGEFAHREN

Immer mehr Bundesländer lockern noch im Mai die strengen Verbote für Gastronomie und Hotelgewerbe und lassen vorsichtig wieder Tourismus zu. Zunächst hatten die Küstenländer Niedersachsen und Mecklenburg-Vorpommern ein schrittweises Hochfahren in Aussicht gestellt. Am Dienstag kündigte erst Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) an, dass in seinem Land vom Pfingstsamstag an Hotels unter strengen Hygieneauflagen wieder öffnen dürfen. Restaurants dürfen bereits fünf Tage vorher aufmachen. Dann kündigte auch Schleswig-Holsteins Regierungschef Daniel Günther (CDU) in seinem Land Lockerungen der Corona-Beschränkungen in Gastronomie und Tourismus ab Mitte Mai an.

VIROLOGEN RECHNEN MIT ZWEITER UND DRITTER CORONA-WELLE

In der Corona-Pandemie ist nach Darstellung des Robert Koch-Instituts (RKI) mit weiteren Ansteckungswellen zu rechnen. "Das ist eine Pandemie. Und bei einer Pandemie wird dieses Virus so lange Krankheiten hervorrufen, bis 60 bis 70 Prozent der Bevölkerung infiziert sind", bekräftigte RKI-Präsident Lothar Wieler am Dienstag in Berlin. Es werde "mit großer Sicherheit" eine zweite Welle geben, dessen sei sich die Mehrheit der Wissenschaftler sicher. Viele gingen auch von einer dritten Welle aus. Deshalb werde auch die geplante App zur Kontaktnachverfolgung von Infizierten zu einem späteren Zeitpunkt noch gebraucht werden.

MERKEL MIT KAMPF GEGEN CORONA-PANDEMIE BISLANG ZUFRIEDEN

Der Kampf gegen die Corona-Pandemie hat sich nach den Worten von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sehr gut entwickelt. Deshalb könne man nun über weitere Lockerungen sprechen, sagte Merkel am Dienstag in der Sitzung der Unionsfraktion, wie die Deutsche Presse-Agentur aus Teilnehmerkreisen erfuhr. Merkel machte demnach deutlich: Wenn sich in einer Region ein Infektionsgeschehen zeige, seien dort lokal Maßnahmen zu ergreifen, damit nicht wieder das ganze Bundesgebiet in Mitleidenschaft gezogen werde. Gesundheitsminister Jens Spahn plädierte ebenfalls dafür, regional angepasst zu agieren. "Was wir entwickeln müssen, sind gar nicht Regelungen an den Landesgrenzen, sondern regionale Unterschiede", sagte der CDU-Politiker im Deutschlandfunk.

MEHR ALS 164 000 NACHGEWIESENE FÄLLE UND 6800 TOTE IN DEUTSCHLAND

In Deutschland sind bis Dienstagnachmittag mehr als 164 600 Infektionen (Vortag: 163 900) mit dem Coronavirus registriert worden. Mindestens 6907 (Vortag: 6767) mit dem Erreger Sars-CoV-2 Infizierte starben bislang bundesweit. Das geht aus einer Auswertung der Deutschen Presse-Agentur hervor, die die neuesten Zahlen der Bundesländer berücksichtigt. Nach Schätzungen des Robert Koch-Instituts haben rund 135 100 Menschen die Infektion überstanden. Experten rechen aber mit einer hohen Dunkelziffer nicht erfasster Fälle. Die höchsten Zahlen aller Bundesländer weist Bayern auf - mit mehr als 43 500 nachgewiesenen Fällen und mindestens 1974 Toten.

ENTSCHEIDUNG ÜBER KAUFANREIZE FÜR AUTOS BIS ANFANG JUNI

Die Bundesregierung will bis Anfang Juni über Kaufanreize für Autos aus Steuergeldern entscheiden. Das ist das Ergebnis eines "Autogipfels" mit der Autobranche am Dienstag. Die Nachfrage ist in der Corona-Krise eingebrochen. Um sie wieder anzukurbeln, hatten sich Hersteller und Länder für Kaufprämien starkgemacht. Diese könnten nun Teil eines umfassenden Konjunkturprogramms der Bundesregierung werden. In einer Arbeitsgruppe solle bis Anfang Juni weiter beraten werden, wie Regierungssprecher Steffen Seibert mitteilte. Kanzlerin Angela Merkel (CDU) habe auf die große Bedeutung der Autoindustrie für Wertschöpfung und Beschäftigung in Deutschland verwiesen.

BUNDESREGIERUNG WILL STAATSHILFEN AN STRENGE AUFLAGEN KNÜPFEN

Die Bundesregierung will in der Corona-Krise Staatshilfen für Unternehmen über einen Stabilisierungsfonds an strenge Vorgaben knüpfen. So sollen Gewinn- und Dividendenausschüttungen grundsätzlich verboten sein. Das geht aus einem Bericht der Regierung an den Wirtschaftsausschuss des Bundestags hervor, welcher der Deutschen Presse-Agentur vorliegt. Der Entwurf einer noch zu erlassenden Rechtsverordnung sehe vor, dass Gewinn- und Dividendenausschüttungen bei Rekapitalisierungsmaßnahmen sowie umfangreichen Garantien grundsätzlich verboten seien, heißt es. Auch Boni oder Gratifikationen für sogenannte Organmitglieder und Geschäftsleiter dürften nicht gewährt werden.

NORMALISIERUNG DES FLUGVERKEHRS ERST IN JAHREN ERWARTET

Der Flugverkehr wird aus Sicht der Luft- und Raumfahrtindustrie in Deutschland erst in zwei bis drei Jahren wieder das hohe Vorkrisen-Niveau erreichen. "Wir rechnen für Ende 2022 oder Anfang 2023 mit einem Niveau des Flugaufkommens wie wir es 2019 hatten", sagte der Präsident des Branchenverbands BDLI, Dirk Hoke, am Dienstag in einer Telefonkonferenz mit Journalisten. Es sei zu früh, um abzusehen, wann man mit dem Flugzeug wieder über Ländergrenzen hinweg reisen könne. Derzeit stecke die Branche aufgrund des neuartigen Coronavirus in der größten Krise ihrer Geschichte.

WENIGER WOHNUNGSEINBRÜCHE IN CORONA-ZEITEN

In der Corona-Pandemie wird vorläufigen Zahlen zufolge weniger in Wohnungen und Wohnhäuser eingebrochen. Dieser Trend zeichnet sich nahezu bundesweit ab, wie eine Umfrage der Deutschen Presse-Agentur zeigt. So ging etwa in Nordrhein-Westfalen die Zahl der Einbrüche im März und April im Vergleich zu den Vorjahresmonaten um fast 40 Prozent zurück. Auch in Bayern gab es weniger Einbrüche - und auch weniger Kriminalität insgesamt. Dies betraf nach Polizeiangaben Ladendiebstähle und Körperverletzungen ebenso wie Betrugsdelikte und Sexualstraftaten. Die Zahlen der Länder sind jedoch vorläufig und können sich noch ändern.

OPERNFESTSPIELE VON VERONA FALLEN AUS

Die diesjährigen Opernfestspiele von Verona sind wegen der Corona-Pandemie abgesagt worden. Die Entscheidung sei unvermeidlich, und man bedauere sie sehr, teilte der Veranstalter Fondazione Arena di Verona am Dienstag mit. Das für 2020 vorgesehene Programm soll demnach nun zusammen mit weiteren Produktionen 2021 gezeigt werden. Das alljährlich stattfindende Festival in Veronas antikem römischem Amphitheater sollte am 13. Juni starten und bis 5. September dauern. 80 000 Menschen hätten bereits Tickets gekauft, schrieb der Veranstalter auf seiner Webseite weiter. Diese würden in Karten für die Festspiele 2021 umgetauscht, in Gutscheine umgewandelt oder könnten auf Wunsch auch als Spende an die Fondazione Arena gehen.

SPAHN ZWEIFELT TROTZ KALOU-VIDEO NICHT AM HYGIENE-KONZEPT DER DFL

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn hat trotz des Skandalvideos von Hertha-Profi Salomon Kalou keinen Zweifel am Hygiene-Konzept der Deutschen Fußball Liga (DFL). Das grundsätzliche Konzept mache Sinn und könne auch Vorbild sein für andere Profisportbereiche. "Aber dann muss es auch gelebt werden", sagte der CDU-Politiker am Dienstag im Deutschlandfunk. Kalou hatte via Facebook <US30303M1027> ein Video veröffentlicht, das unter anderem Verstöße gegen die Corona-Abstandsregeln zeigt. Er wurde daraufhin von Hertha BSC suspendiert. Der FDP-Vorsitzende Christian Lindner, der eine Fortsetzung der Saison befürwortet, sagte der dpa: "Solches individuelle Fehlverhalten muss daher so streng geahndet werden, dass es selbst Fußballmillionären richtig weh tut."