GESAMT-ROUNDUP: Hurrikan 'Irma' wütet in Florida - Klimawandel bedroht Europa

dpa-AFX

MIAMI/TAMPA (dpa-AFX) - Der Hurrikan "Irma" hat sich über Florida abgeschwächt, aber bleibt gefährlich. Der Sturm riss Dächer von Häusern, überflutete Straßen und kappte Stromleitungen. Es gab Berichte über Plünderungen und Einbrüche. 5,7 Millionen Haushalte in Florida waren von der Stromversorgung abgeschnitten. Damit sind mehr als die Hälfte (58 Prozent) aller Haushalte in dem US-Bundesstaat ohne Elektrizität, wie der Katastrophenschutz am Montag in Tallahassee mitteilte. Es gab Berichte über Plünderungen und Einbrüche. Mindestens vier Menschen kamen bislang ums Leben.

Wie groß die Schäden am Ende sein werden, ist noch völlig unklar. In der Nacht zum Montag (Ortszeit) wurde der Hurrikan, der zuvor Kuba und andere Teile der Karibik heimgesucht hatte, auf die niedrigste Kategorie eins herabgestuft.

Amerikanische Medien schilderten aus mehreren Städten an der Ostküste des US-Bundesstaats Überfälle, viele der Täter seien bewaffnet. Die Polizei von Miami meldete 28 Festnahmen von mutmaßlichen Plünderern. Zudem verhängte der umliegende Landkreis eine Ausgangssperre bis 7.00 Uhr (Ortszeit, 13.00 Uhr MESZ). In der Stadt Weston wurde nach Angaben verschiedener lokaler Medien ein 17 Jahre alter Dieb von einem Sicherheitsbeamten angeschossen.

Durch die Altstadt und das Bankenviertel von Miami wälzten sich Wassermassen. Auf zahlreichen Bildern und Videos war zu sehen, dass heftige Stürme das Wasser in die Stadt drückten und große Straßen zu reißenden Flüssen machten. Auch in der zentral gelegenen Großstadt Orlando berichteten Augenzeugen auf Twitter von hüfthohem Wasser.

Der Wirbelsturm hat sich über dem Festland abgeschwächt, die Lage bleibt aber angespannt. Zuletzt wurden noch Windgeschwindigkeiten von bis zu 120 Stundenkilometer gemessen. Zuvor waren Böen von bis zu 229 Stundenkilometern gemessen worden. Am Montagmorgen (Ortszeit) änderte das US-Hurrikanzentrum einen Teil der Einstufungen von Hurrikan- in Tropensturm-Warnungen.

Während "Irma" an der Atlantikküste für Überschwemmungen sorgte, ging das Wasser an der Golfküste im Westen zunächst zurück. Die Meteorologen warnten aber, dass das Wasser zurückkommen werde, nachdem das Augen des Wirbelsturms durchgezogen sei. "Natürlich kommt das Wasser nicht langsam zurück, sondern als Welle", sagte der Klimaexperte Anders Levermann im ZDF.

Die verbliebenen Menschen am Golf bereiteten sich auf Sturmfluten von bis zu 4,5 Metern Höhe vor. "Jeder hat einen Plan, bis er einen Schlag ins Gesicht bekommt", sagte der Bürgermeister von Tampa, einem Zentrum der Golfküste, am Sonntag (Ortszeit) der "New York Times" zufolge. "Nun, wir kriegen demnächst einen Schlag ins Gesicht."

Der Sender ABC berichtete von fünf Toten, die bei Autounfällen starben oder tot in ihren Häusern gefunden wurden. Die "New York Times" schrieb von vier Toten. Die Zahlen könnten noch steigen. Zuvor waren mehr als 6,5 Millionen Menschen aufgefordert worden, ihre Häuser zu verlassen und sich vor dem Sturm in Sicherheit zu bringen. Es war eine der größten Evakuierungsaktionen in der Geschichte der USA. Weit über 100 000 Menschen harrten in Notunterkünften aus.

Auch mehr als 600 Kilometer vom Auge des Sturms entfernt sorgt "Irma" noch für tropensturmartige Winde, wie es vom Hurrikan-Warnzentrum hieß. In benachbarten Bundesstaaten Floridas wurde der Notstand ausgerufen. Im Süden von Georgia galten Sturmwarnungen, auch dort waren rund 10 000 Haushalte ohne Strom.

US-Präsident Donald Trump kündigte an, möglichst bald nach Florida reisen zu wollen, um sich ein Bild von den Schäden zu machen. Bereits bevor "Irma" aufs Festland getroffen war, hatte Trump eine Notfall-Deklaration erlassen, welche Florida finanzielle Hilfen der Bundesregierung ermöglicht.

"Irma" hält die Region bereits seit Tagen in Atem. Bei seinem Zug durch die Karibik hatte der Sturm nach inoffiziellen Schätzungen mehr als 20 Menschen das Leben gekostet, einige Gebiete gelten als unbewohnbar. Schwere Schäden gab es auf Kuba, den Jungferninseln, sowie auf Barbuda und Saint-Bartélémy.

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron kündigte an, die ebenfalls schwer betroffene Insel Saint-Martin am Dienstag zu besuchen. Bereits am Sonntag (Ortszeit) hatte der niederländische König Willem-Alexander auf der Insel Curacao mit Opfern gesprochen.

Der Direktor des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung, Hans Joachim Schellnhuber, warnte angesichts von "Irma" vor verheerenden Folgen auch für Europa. "Das Jahr 2017 zeigt uns auf bitterste Weise, warum die Wissenschaft seit Jahrzehnten vor dem Klima-Chaos warnt: Die Elemente Feuer, Wasser und Luft wenden sich nun gegen uns, weil wir den Planeten aus dem Gleichgewicht bringen", erklärte er am Montag in Potsdam.