Germany's Next Topmodel - Ja, man kann diese Show ohne schlechtes Gewissen am Frauentag schauen!

Anja Ernst
Freie Autorin
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Germany's Next Topmodel - Ja, man kann diese Show ohne schlechtes Gewissen am Frauentag schauen!

Germany's Next Topmodel - Ja, man kann diese Show ohne schlechtes Gewissen am Frauentag schauen!

Peinlichste Szene: Die Tee-Zeremonie. Mehr dazu unten.
Werbung vs. Sendezeit: Nur vier Werbepausen à etwa acht Minuten. 32 Minuten, das ist im Vergleich mit den ersten vier Sendungen wirklich wenig. Wenn da nicht die Tee-Zeremonie gewesen wäre. Noch mehr dazu noch weiter unten.
Überflüssigste Tränen: Hat Bruna vergossen, die sich in dieser Episode außerdem theatralisch in der Toilette eingeschlossen hat. Alles nur aus Angst vor dem sehr langsamen Einhorn-Rodeo.
Wo war Zoe? Jedenfalls kaum im Bild. ProSieben, das geht so nicht!
Das beste Outfit: Nein, es war nicht Klaudia mit Ks Zusammenstellung aus Fell-Sandaletten und Spitzen-BH, sondern der sehr stark glänzende, babyblaue Aufzug von Catwalk-Trainer Papis. Wo gibt es so etwas zu kaufen?! Und warum?!

Sich am Weltfrauentag “Germany’s Next Topmodel” anzusehen, erfordert ganz viel Kraft. Könnte man meinen. Dabei ist die Show inzwischen viel feministischer, als so mancher denkt! Sieht man schon am Foto-Shooting, für das die Kandidatinnen als Zuckerwatte-Glitzer-Feen verkleidet werden, die dann auf einem Einhorn Rodeo reiten sollen. Ja ja, das ist ein riesengroßer Haufen Klischees über Frauen: Die mögen doch Glitzer! Und sich als Fee verkleiden! Und Pferde mit einem Horn! Aber andererseits: Wieso sollen Frauen nicht auch mal Zuckerwatte-Glitzer-Feen sein? Immer nur Mutter/Bundeskanzlerin/Astronautin wird ja auch irgendwann langweilig.

Was an der Sache dann aber doch ein bisschen problematisch ist, sind Heidi Klums Kommentare. “Jetzt hab doch mal Spaß!” – “Schrei mal ein bisschen!” – “Wo ist unsere heiße Brasilianerin denn heute?” Das klingt zuweilen mehr nach Regieanweisungen beim Pornodreh als nach einem harmlosen Einhorn-Fototermin mit Anfang-20-Jährigen. Und als dann auch noch Gerdas Oberweite nicht so wie Gerda will (Klum: “Der Busen ist schon wieder rausgefallen”), schrammt die Sendung wirklich mal kurz an der Grenze zu nicht-mehr-ganz-so-jugendfrei.

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Aber dann, ganz plötzlich, zoomt die Kamera weg von Gerdas Dekolleté und hin zu einer kleinen Teestunde im Backstage-Bereich. Man sieht: Trixi und Anne, die sich über irgendeine Belanglosigkeit unterhalten. Man sieht außerdem: ein grünes Tee-Getränk und das Logo des Herstellers dieses grünen Tee-Getränks in Nahaufnahme. Man muss ProSieben an der Stelle mal für seine Geschäftstüchtigkeit loben. Nicht nur in den Werbepausen Werbung zu bringen, sondern auch während der Show – also das ist wirklich smart! Aber eben leider auch höchst nervig für alle Zuschauer, die nun eines garantiert nicht tun werden: sich morgen ebenjenes grüne Teegetränk im Supermarkt besorgen.

Stattdessen bucht der eine oder andere jetzt aber vielleicht einen Urlaub in Mexiko. Dort kann man sich nämlich mit einer “Bungee-Schaukel von einer Holzplattform in die Tiefe swingen” – so erklärt es die Chefredakteurin des Modemagazins, für das dort ein Model gesucht wird. Sally, die mit dem gelben Bob und dem zu kurzen Pony, bekommt den Job. Weil sie so gut swingt? Wohl eher, weil sie sehr gut in die geplante Fotostrecke passt, bei der Jacken nur mit einem Ärmel angezogen werden und man Tennis-Kniestrümpfe in Cowboy-Stiefeln trägt. Mutet ein bisschen schräg, aber insgesamt ganz cool an – wie Sallys Haare eben.

Die anderen müssen sich derweil bei einer, wie Michael Michalsky findet, “wichtigen Challenge” beweisen. Die Aufgabe: im Fahrstuhl umziehen. Caro Daur, die einen Job daraus gemacht hat, Bilder für Instagram zu filtern, ist auch da und bewertet die Outfits. Und haut dabei jede Menge Weisheiten raus, zum Beispiel “Ich muss sagen: Manchmal ist weniger mehr”. Also Heidi Klum würde das bestimmt unterschreiben! Bei der Entscheidung dürfen sich die Kandidatinnen aber ausnahmsweise sogar in vergleichsweise viel Stoff hüllen, meist lange Kleider mit Pop-Art-Drucken, um genau zu sein. Dazu gibt es Farbe ins Gesicht, bunte Malereien, hier ein paar Tupfen, da ein paar abstrakte Formen. Wie zur Hölle weiß Heidi Klum selbst da noch, wie die Models alle heißen? Der normale Zuschauer kann sich das nicht mal merken, wenn gerade mal nicht das halbe Gesicht von Farbe bedeckt ist.

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Aber zurück zum Thema Emanzipation, ist ja schließlich immer noch Weltfrauentag. Wie feministisch ist “Germany’s Next Topmodel” denn nun, jetzt mal ganz im Ernst? Natürlich ist das schwierig, wenn sich Sally nach dem Job fürs Modemagazin vor allem darüber freut, dass sie “übel gut die Erwartungen” erfüllen konnte. Und dass eine Kandidatin Caro Daur als ihr großes Vorbild bezeichnet, weil die ja so hart arbeite, stärkt auch nicht unbedingt das Vertrauen in die junge Frauengeneration. Aber dann schaut man sich wieder Heidi Klum an, wie sie da ganz selbstverständlich in ihrem Casting-Chefsessel sitzt, neben sich zwei Männer, die mal so gar nichts zu sagen haben (hier zumindest nicht) – und schon ist man wieder ein kleines Bisschen versöhnt.

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