Germany's Next Topmodel - Die Kerle vom letzten Monat kann ich an fünf Fingern abzählen

Anja Ernst
Freie Autorin
Die Juroren Thomas Hayo, Heidi Klum und Michael Michalsky luden die Models zum Nacktshooting ein. (Bild: ProSieben/Ehleben)

Die peinlichste Szene: Als Ivana verkündet, sie werde die Show freiwillig verlassen – einen Tag, nachdem sie Selma im Duell herausbefördert hat. Die wütende SMS, die Selma für diesen Fall angekündigt hat, würde man gerne lesen.
Werbung vs. Sendezeit: Knapp 50 Minuten Werbung auf 165 Minuten Sendezeit. Oder auch: viel zu viel.
Heul-Statistik: Sieben Models mussten weinen. Zwei, weil sie jemanden bei Skype nicht erreichen konnten, drei waren vom Nackt-Shooting überfordert, eine konnte nicht schwimmen – und eine war traurig, weil sie geschwitzt hat.
Welchen Namen kann man sich endlich merken? Gerda! Das ist die offenherzige Blondine, die ihren Bademantel gerne vor den versammelten Models und Fernsehkameras aufreißt, um die operierte Oberweite zu zeigen (“Ich mag meine Brüste, waren ja auch teuer”).

Wie laufen wohl Kreativmeetings bei “Germany’s Next Topmodel” ab? Wahrscheinlich so:

Produzent: “Puh, wir brauchen ein bisschen Stress, Drama, Tränen, so was. Jemand eine Idee?”
Praktikant: “Äh… warum machen wir nicht das Nackt-Shooting gleich in Folge 2 und fliegen den fiesesten Fotograf aus allen Staffeln dafür ein?”
Produzent: “Sehr gut, übernächste Staffel bekommst du eine Festanstellung!”

Sollte es denn wirklich so oder so ähnlich gewesen sein, dann kann man nur sagen: Hat funktioniert. Sehr viele Models sind sehr schockiert darüber, dass sie sich so früh ohne Klamotten zeigen sollen, fast die Hälfte sagt so was wie: “Damit hatten wir erst viel später gerechnet.” Warum sie sich überhaupt bei einer Show anmelden, bei der Nackt-Sein ein fester Programmpunkt ist? Vielleicht, weil sie gehofft haben, schon vorher rauszufliegen. Was gar nicht so blöd ist, wie es klingt: Als Model erfolgreich waren in den vergangenen Jahren oft auch Kandidatinnen, die nicht mal ins Finale kamen. Im Endeffekt gab es wie immer jede Menge Tränen, letztendlich nahmen dann doch alle Kandidatinnen am Nackt-Shooting teil.


Aber zurück zum Drama. Um das zu erzeugen, braucht es eigentlich nicht mal den fiesen Fotografen Rankin, der unbekleideten Models am Strand entgegenruft, sie hätten nicht das Zeug zum Model. Nein, da reichen auch einfach streitfreudige Kandidatinnen wie Zoe und Victoria aus Österreich: Die beiden kamen als “beste Freundinnen” in die Show, hassen sich inzwischen aber regelrecht und aus diversen Gründen. Die eine hat die andere nicht getröstet, als die weinen musste, die andere hatte Sex mit dem Freund der einen, solche Kleinigkeiten halt. Bester Moment: Als Victoria es mit ein bisschen “Slut Shaming” versucht und Zoe vorwirft, sie habe doch jede Woche einen Neuen. Nein, verteidigt sich Zoe daraufhin: “Die Kerle vom letzten Monat kann ich an fünf Fingern abzählen.” Solche Dialoge kann sich auch kein Super-Praktikant ausdenken.

Aber der hatte wohl auch genug mit der unangenehm-penetranten Werbeveranstaltung für Heidi Klums neue Lidl-Kollektion zu tun. Die ist nämlich nicht auf die Werbepausen begrenzt, sondern findet auch während der Sendung statt: Bei einem Duell der beiden Model-Teams tragen alle ein Stück Discounter-Mode. Das ist natürlich ein smarter Schachzug: An sehr schönen, sehr schlanken, sehr jungen Frauen sehen die Teile auf einmal gar nicht mehr so schlecht aus. Und wie die Kandidatinnen jubeln, als sie erfahren, dass sie die Klamotten behalten dürfen! So klingt wahre Freude.

 

Ach, und ein neues Gesicht/Sixpack gibt es auch noch!

Es gehört dem Laufsteg-Trainer von Team Thomas, hört auf den schönen Namen Papis Loveday und hat einfach sehr, sehr gute Ratschläge für die angehenden Models parat:

Also wenn’s jetzt nichts mit der Modelkarriere wird!