Gericht in Südafrika berät über höhere Strafe für Ex-Sportler Pistorius

Das Justizdrama um den früheren südafrikanischen Sprintstar Oscar Pistorius geht in die nächste Runde: Das höchste Berufungsgericht beriet auf Antrag der Staatsanwaltschaft über eine härtere Strafe für den wegen Mordes verurteilten Paralympicssieger

Das Justizdrama um den früheren südafrikanischen Sprintstar Oscar Pistorius geht in die nächste Runde: Das höchste Berufungsgericht Südafrikas beriet am Freitag auf Antrag der Staatsanwaltschaft über eine härtere Strafe für den wegen Mordes verurteilten Paralympicssieger. Staatsanwältin Andrea Johnson bezeichnete die sechsjährige Haftstrafe als "schockierend milde". Pistorius habe seit den tödlichen Schüssen auf seine Freundin Reeva Steenkamp keine "wirkliche Reue" gezeigt.

Bis heute habe Pistorius zudem kein schlüssiges Motiv genannt, warum er insgesamt vier Schüsse abfeuerte, argumentierte Johnson. Die Strafe sei der Schwere des Vergehens nicht angemessen. Die Staatsanwältin erinnerte daran, dass auf Mord normalerweise eine Mindeststrafe von 15 Jahren stehe.

Pistorius hatte im Februar 2013 seine Freundin durch die geschlossene Toilettentür seines Hauses erschossen. Der unterschenkelamputierte Sportler beteuerte stets, das Model für einen Einbrecher gehalten und in Panik gehandelt zu haben. Im Oktober 2014 wurde er zunächst wegen fahrlässiger Tötung zu fünf Jahren Haft verurteilt und ein Jahr später in den Hausarrest entlassen.

Ein Berufungsgericht sprach ihn jedoch im Dezember 2015 des Mordes schuldig, da er mit seinen Schüssen den Tod eines Menschen billigend in Kauf genommen habe. Im Juli 2016 wurde Pistorius schließlich zu sechs Jahren Haft verurteilt. Gegen die Strafe legte die Staatsanwaltschaft Einspruch ein.

Pistorius' Anwalt Barry Roux forderte das Gericht auf, eine Berufung abzulehnen. Das Urteil im Juli des vergangenen Jahres habe neben der Tat auch die Umstände berücksichtigt, sagte Roux. Er wies den Vorwurf der Staatsanwaltschaft zurück, Pistorius habe keine wirkliche Reue gezeigt: Er sei seit dem Tod seiner Freundin "ein gebrochener Mann" und habe sich mehrfach bei Steenkamps Familie entschuldigt.

Die Anhörung in Bloemfontein war auf einen Tag angesetzt. Der bald 31-jährige inhaftierte Pistorius blieb der Verhandlung fern, Steenkamps Mutter June dagegen verfolgte sie von den Zuschauerbänken aus.

Ihre Anwältin Tania Koen sagte vor dem Gerichtsgebäude, Reeva Steenkamps Familie konzentriere sich auf das Gedenken an sie. "Die Familie glaubt an das Rechtssystem", sagte Koen und fügte hinzu, "das Recht muss seinen Lauf nehmen". Das Gericht will sein Urteil erst zu einem späteren Termin bekanntgeben.

ans/jpf

Die Strafe sei der Schwere des Vergehens nicht angemessen und könnte einen unwillkommenen Präzedenzfall für künftige Mordverfahren abgeben, argumentiert sie.

Die Anhörung in Bloemfontein ist auf einen Tag angesetzt. Ein Urteil wird für einen späteren Termin erwartet. Der unterschenkelamputierte Prothesensprinter Pistorius, der am Valentinstag 2013 seine Lebensgefährtin Reeva Steenkamp durch die geschlossene Toilettentür in seinem Wohnsitz erschossen hatte, war im Juli 2016 nach dreijähriger juristischer Auseinandersetzung verurteilt worden.