Gericht: Motorradfahrer schleuderte seinen Helm auf einen Schüler

Zwei Cousins schlugen einen 25-Jährigen zusammen.

„Sie sind kein Schläger. Aber Sie waren es. Welche Laus Ihnen an diesem Tag über die Leber gelaufen ist – wir wissen es nicht.“ Mit diesen Worten ließ ein Amtsrichter nicht „den geringsten Zweifel“ an der Täterschaft eines 51-Jährigen, der sich im August vergangenen Jahres auf dem Weg zur Arbeit an einer Bushaltestelle am Ollenhauerring mehr als daneben benommen hatte.

Provoziert gefühlt von flapsiger Bemerkung

Weil er sich von einer flapsigen Bemerkung eines 16-Jährigen offensichtlich provoziert fühlte, schleuderte der Mopedfahrer seinen Helm gegen den Kopf des Schülers, der eine Platzwunde und eine Jochbeinprellung davontrug. Der Schüler und seine Freundin, die neben ihm saß, hatten sich das Kennzeichen des Fahrers gemerkt und ihn bei der Polizei im Rahmen einer Lichtbildvorlage eindeutig wiedererkannt.

Das Gericht verhängte eine elfmonatige Haftstrafe, setzte diese trotz zweier Vorstrafen, die allerdings nicht einschlägig waren, zur Bewährung aus. Zum selben Ergebnis war zuvor die Staatsanwältin in ihrem Plädoyer gekommen und hatte sich angesichts einer „günstigen Sozialprognose“ des Angeklagten ebenfalls für eine Bewährung ausgesprochen. Immerhin lebe der Angeklagte in gefestigten Verhältnissen, habe eine Familie, eine Arbeit und sei sozial integriert, hieß es zur Begründung.

Der Angeklagte leugnete, der Täter zu sein

Die Beweisführung gestaltete sich aufwendig, denn der als Reinigungskraft tätige Angeklagte behauptete, der Falsche säße auf der Anklagebank: „Ich war das nicht.“

Er hatte den Roller zum Tatzeitpunkt angeblich seinem Neffen verkauft, der allerdings weniger als halb so alt wie er ist und auch sonst keine Ähnlichkeit aufweist. Der Neffe wiederum hatte erklärt, der Roller habe zum Tatzeitpunkt defekt im Keller gestanden, sei also gar nicht fahrbereit gewesen.

Alles Schutzbehauptungen, wie sich Staatsanwältin und Gericht einig waren. Die Aussagen des Opfers, die „ohnehin ohne jegliche Belastungstendenz waren“, ließen nicht den „leisesten Zweifel“, dass die Anklage in vollem Umfang durch die Zeugen bestätigt wurden.

Fall geht wohl in die nächste Instanz

„Es wäre schon ein teuflischer Zufall, wenn am Tattag ein Doppelgänger von Ihnen unterwegs gewesen wäre“, sagte der Richter im Urteil. Die Verteidigung hatte auf Freispruch plädiert, so dass der Fall wahrscheinlich noch einmal in der nächsten Instanz verhandelt werden wird....Lesen Sie den ganzen Artikel bei ksta