Gericht erklärt zwei Wirecard-Jahresabschlüsse für nichtig - und damit Dividendenzahlung

Logo von Wirecard (AFP/Christof STACHE) (Christof STACHE)

Knapp zwei Jahre nach der spektakulären Wirecard-Insolvenz hat das Landgericht München I zwei Jahresabschlüsse des Unternehmens für nichtig erklärt. Der Wirecard-Insolvenzverwalter kann damit die damals an die Aktionäre ausgezahlten Dividenden zurückfordern - will sich aber wegen der geringen Summen nicht an Klein- und Privatanleger wenden, wie er am Donnerstag mitteilte. (Az. 5 HK O 15710/20)

Das Gericht erklärte die Jahresabschlüsse für 2017 und 2018 für nichtig und stellte damit auch die Nichtigkeit der "darauf aufbauenden Gewinnverwendungsbeschlüsse der Hauptversammlungen" fest. Darin war die Ausschüttung einer Dividende an Anteilseigner des Zahlungsdienstleisters beschlossen worden.

Ausgezahlt habe Wirecard für 2017 lediglich 18 Cent je Stückaktie und je 20 Cent für 2018, wie Insolvenzverwalter Michael Jaffé mitteilte. Diese Dividenden seien vor allem an Großaktionäre wie etwa die MB Beteiligungs GmbH ausgeschüttet worden - das ist die Beteiligungsgesellschaft des ehemaligen Wirecard-Chefs Markus Braun.

"Klein- und Privatanleger werden insoweit nicht maßgeblich berührt sein", erklärte Jaffé. Ein Anleger mit Papieren mit einem damaligen - wie sich herausstellte fiktiven - Börsenwert von 10.000 Euro müsste bei einer Dividende von gesamt 38 Cent pro Aktie 2017 und 2018 "wenn überhaupt eine Rückzahlung für die beiden Jahre von allenfalls 25 Euro gewärtigen", rechnete der Insolvenzverwalter vor. Die meisten Privatanleger hätten eine weit geringere Zahl von Aktien in ihren Depots gehalten.

Wirecard zahlte Jaffé zufolge 2017 insgesamt Dividenden in Höhe von rund 22 Millionen Euro und für das Jahr 2018 von rund 25 Millionen Euro aus. Der Insolvenzverwalter hatte die sogenannte Nichtigkeitsklage im November 2020 eingereicht. Seine Aufgabe ist es, für die Gläubiger möglichst viel Geld zu retten. Das Urteil des Landgerichts ist noch nicht rechtskräftig.

Die Wirecard-Insolvenz ist einer der größten Wirtschaftsskandale der Bundesrepublik. Die Chefetage des Unternehmens soll über Jahre Scheingeschäfte in Milliardenhöhe verbucht haben. Wirecard musste Ende Juni 2020 Insolvenz anmelden. Ex-Chef Braun sitzt in Untersuchungshaft. Im Herbst steht die Hauptverhandlung gegen Braun vor dem Landgericht an, auch zwei weitere ehemalige Wirecard-Manager sitzen auf der Anklagebank.

Nach dem ehemaligen Wirecard-Vorstand Jan Marsalek wird seit dem 22. Juni 2020 gefahndet. Er ist seitdem untergetaucht und wird mit internationalem Haftbefehl gesucht. Laut "Bild"-Zeitung hält er sich in Moskau auf.

ilo/jm

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