Gericht in Ecuador erlässt Haftbefehl gegen Ex-Staatschef Correa

Ecuadors Ex-Präsident Rafael Correa

Ein Gericht in Ecuador hat Haftbefehl gegen den im belgischen Exil lebenden Ex-Präsidenten Rafael Correa erlassen. Richterin Daniella Camacho ordnete am Dienstag (Ortszeit) in Quito an, den 55-Jährigen vorsorglich zu inhaftieren, und schaltete dazu die internationale Polizeibehörde Interpol ein. Correa, der von 2007 bis 2017 Staatschef von Ecuador war, wird vorgeworfen, 2012 an der Entführung eines politischen Gegners in Kolumbien beteiligt gewesen zu sein.

Bei dem Entführungsopfer handelte es sich um den Abgeordneten Fernando Balda, der nach eigenen Angaben unter Correas Herrschaft politisch verfolgt worden war. Mittlerweile wird Ecuador von Correas früherem Verbündeten und heutigem Widersacher Lenín Moreno geführt. Seit seinem Sieg bei der Präsidentschaftswahl im vergangenen Jahr macht Moreno schrittweise Correas linksgerichteten politischen Kurs rückgängig.

Correa lebt mittlerweile in Belgien, dem Geburtsland seiner Frau. Im Juni hatte ein Richter in Ecuador angeordnet, dass er alle zwei Wochen vor Gericht erscheinen solle, um sich an der Aufklärung des Falls Balda zu beteiligen. Die erste Gerichtsanhörung sollte am vergangenen Montag stattfinden.

Correa meldete sich an diesem Tag im ecuadorianischen Konsulat in Brüssel, prangerte im Kurzbotschaftendienst Twitter aber "die widerrechtliche und unzulässige Verbindung zum sogenannten Balda-Fall" an. Er habe keinerlei Erkenntnis über den Fall, schrieb der Ex-Präsident. "Vielleicht können sie irgendwelche falschen Zeugenaussagen bekommen. Aber sie werden nie etwas beweisen, weil da nichts ist", schmähte Correa die Justiz seines Landes.

Zugleich deutete er an, dass er sich um Asyl in Belgien bemühen könnte. Auch wenn die Behörden in Ecuador ihm "das Leben schwer machen" wollten, werde "solch eine Ungeheuerlichkeit niemals in einem Rechtsstaat wie Belgien Erfolg haben", schrieb Correa auf Twitter.

Im Fall Balda wurde bereits die Festnahme von drei Geheimpolizisten, einem früheren Polizeikommandeur und einem früheren hochrangigen Geheimdienstvertreter angeordnet. Letzterer wurde im Juni in Spanien gefasst.