Gerd Müller zu G20: Krawalle in Hamburg schaden dem Ansehen Deutschlands in der Welt

Der Entwicklungsminister spricht über die Proteste und die Ausbeutung Afrikas.

Der Entwicklungsminister ist in Eile. Aus Zeitgründen empfängt Gerd Müller kurz vor Beginn des G20-Gipfels zum Gespräch nicht im Ministerium, sondern in seinem Bundestagsbüro. Dort hängt eine Reihe von Fotos: Müller als schlaksiger junger Mann mit Lockenkopf neben Franz-Josef Strauß. Und: Gerd Müller neben Gerd Müller. Mit dem früheren Fußballprofi, dem „Bomber der Nation“, wurde der CSU-Politiker zu Beginn seiner Amtszeit von einer türkischen Zeitung verwechselt.

Herr Müller, wenn man Ihr gerade erschienenes Buch mit dem Titel „Unfair! Für eine gerechte Globalisierung“ liest, hat man den Eindruck, Sie würden sich beim G20-Gipfel in Hamburg lieber den Demonstranten anschließen. Oder haben wir etwas falsch verstanden?

Globalisierung schafft Gewinner, aber auch Verlierer. Wir im Norden profitieren, aber auch Länder wie China oder Vietnam, die Nutznießer des weltweiten Handels sind. Auf der Verliererseite steht vor allem Afrika. Die Ressourcen des Kontinents werden von Industriekonzernen gnadenlos ausgebeutet. Ohne Coltan aus dem Kongo funktioniert kein Smartphone, ohne Kakao aus der Elfenbeinküste gäbe es keine Schokolade. Aber wir zahlen keine angemessenen Preise dafür und lassen Arbeitsbedingungen zu, die wir zu Hause niemals akzeptieren würden. Die globalisierten Märkte dürfen nicht aus dem Ruder laufen. Soziale und ökologische Mindeststandards müssen weltweit gelten. Sonst lassen wir Millionen von Menschen in Armut zurück und zerstören die natürlichen Grundlagen unseres Planeten.

Also fühlen Sie sich doch im Protestcamp wohler?

Nein, die Gewaltbilder aus Hamburg sind entsetzlich. Ich verurteile diese schlimmen Gewaltexzesse zutiefst und stehe hinter der Polizei, die unseren Rechtsstaat verteidigt. Diese Proteste schaden dem Ansehen Deutschlands in der Welt und schaden der Sache. Ich stehe in der Verantwortung und will, dass Globalisierung so gestaltet wird, dass sie allen nutzt. Das heißt fairer Handel, existenzsichernde Löhne und eine umweltfreundliche Produktion.

Das klingt alles sehr wohlfeil. Werden Sie konkret!

Mit dem Textilbündnis zeigen wir, dass es möglich ist, in allen Produktionsschritten der Kleidung vom Baumwollfeld bis hin zum Bügel hohe soziale und ökologische Standards zu setzen und sie dann auch anschließend zu kontrollieren. Dabei hat uns die Industrie erst gesagt, das ginge alles gar nicht.

Nun ja, das Bündnis ist lediglich freiwillig, die Firmen können die Schritte weitgehend selbst bestimmen und die bisherigen Teilnehmer repräsentieren auch nur die Hälfte des Marktes.

Es ist ein Anfang und ein Beispiel für andere Wertschöpfungsketten, sei es bei Kakao oder Kaffee. Die, die nicht mitmachen, werden sich vor den Konsumenten dafür rechtfertigen müssen, dass Näherinnen weiter Hungerlöhne bekommen oder die Jeans sogar von Kindern hergestellt werden.

Selbstverpflichtungen der Industrie sind allerdings nie sonderlich wirksam. Es gibt ja schon effektivere Wege: Die EU schreibt neuerdings vor, dass Importeure von Zinn, Wolfram, Tantal oder Gold die saubere Herkunft der Rohstoffe entlang der...Lesen Sie den ganzen Artikel bei berliner-zeitung