Geplatzte Fusion bringt Softbank-Chef unter Druck


Softbank-Chef Masayoshi Son steht am Montag unter Rechtfertigungsdruck. Auf Softbanks Quartalsbilanzpressekonferenz wird er den Aktionären erklären müssen, wie es mit seinem US-Mobilfunk-Netzbetreiber Sprint weitergehen soll. Denn am am Sonnabend haben Softbank und die US-Tochter der deutschen Telekom T-Mobile offiziell eine Fusion abgesagt, die die Aktionäre bereits in Erwartung großer Synergien fest eingepreist hatten.


Der Druck auf Son ist groß: Nachdem Medien im September von einer Annäherung beider Seiten berichtet hatten, war Softbanks Aktienkurs um fast ein Viertel auf 10550 Yen gestiegen. Daher sackte der Aktienkurs auch prompt um fünf Prozent ab, als vorige japanische Medien berichteten, dass Softbank den sichergeglaubten Deal platzen lassen werde. Denn die Märkte befürchten, dass Softbank nun neues Geld in den hochverschuldeten viertgrößten US-Mobilnetzbetreiber stecken muss, damit dieser bestehen kann.


Zudem hatten Analysten Softbank und der Telekom Managementversagen vorgeworfen, weil sie den Deal kurz vor Abschluss platzen ließen. So hatten nach Informationen der japanischen Wirtschaftszeitung Nikkei mehrere Vorstände Softbanks Ende Oktober den Deal abgelehnt. Denn offenbar konnten sich beide Parteien letztlich nicht einigen, wieviel Einfluss die Unternehmen jeweils haben sollen.


In einer gemeinsamen Pressemitteilung hatten die beiden Telekommunikationsanbieter bekanntgegeben, die Fusionsgespräche würden nicht fortgeführt. Die Aussicht die beiden Unternehmen zusammenzuführen sei aus vielen Gründen verführerisch gewesen, erklärte T-Mobile- US-Chef John Legere in der Mitteilung. Experten hatten die Synergieeffekte bei einer Fusion bis zu 45 Milliarden Dollar geschätzt.




„Telekommunikationsnetzwerke werden die grundlegende Infrastruktur für Informationsrevolution bilden, mit den USA als den weltgrößten Markt“, hatte der risikobereiter Vordenker Son zuletzt immer wieder betont. Sein Ziel ist bekannt: Er will das weltweit führende Unternehmen im kommenden Zeitalter von Robotern und künstlicher Intelligenz werden. Dazu hat mit Partnern den Softbank Vision Fund gegründet, der mit fast 100 Milliarden US-Dollar der größte Technikinvestmentfonds der Welt ist. Alle zwei bis drei Jahre will er zudem Nachfolger auflegen.


Mit dem Geld kauft er sich in zig Unternehmen ein, denen Son revolutionäres Potenzial zutraut. Darunter sind Internetunternehmen wie OneWeb, das mit Satelliten ein weltumspannendes Internet aufbauen will. Softbank investiert mit anderen Firmen, darunter Facebook und Amazon, zudem in die Verlegung eines großen unterseeischen Datenkabels, dass die USA mit Japan und den Philippinen verbindet.


Darüber hinaus hat Softbank bereits 2016 für mehr als 30 Milliarden Euro den Chipdesigner Arm gekauft, dessen Designs die Mobilwelt bestimmen. Dieses Jahr wurde auch Milliarden in den Hersteller von Grafikprozessoren Nvidia gesteckt, dessen Chips inzwischen in vielen Anwendungen künstlicher Intelligenz dominieren.


Durch den Kauf von Googles Roboterfirmen Boston Dynamics und Schaft unterstrich Son überdies, dass auch Softbank sich selbst direkt an der Entwicklung künstlicher Intelligenz beteiligen will. So gibt es ein Projekt dem Autobauer Honda, dass die Kommunikation zwischen Fahrzeug und Fahrer ermöglichen soll.




Doch ungeachtet dieser langfristigen Visionen des Chefs stellt sich für Softbank nun kurzfristig die Frage, wie es mit Sprint weitergehen soll. Für die Telekom ist Lage relativ einfach. Analysten sehen das Unternehmen in einer besseren Lage als Sprint, die notwendigen Investitionen in die neuen schnellen Netze der fünften Generation zu stemmen. Aber Sprint ist kleiner und hoch verschuldet. Das Unternehmen gewann zwar Kunden hinzu, aber erkaufte sie sich durch Rabatte. In Japan wird daher spekuliert, dass Sprint im vergangenen Quartal wieder in die Verlustzone gerutscht ist.


Analysten befürchten daher, dass Son sich nun höher verschulden muss. Im ersten Quartal betrug die Nettoverschuldung seines Imperiums mit 3,5 Billionen Yen bereits das 2,9-fache des Betriebsgewinns. Son sieht sich zwar bis zum 3,5-fachen in einem gesunden Bereich. Aber die Suche nach einem neuen Weg für Sprint könnte teuer werden.


Claure erklärte bereits am Sonnabend, man könne sich Partnerschaften mit Unternehmen aus verschiedenen Branchen vorstellen. Die New York Post hatte bereits vorige Woche berichtet, dass Softbank dem Kabel-TV-Anbieter Charter Communications bereits wieder die Möglichkeit einer Fusion zwischen Sprint und Fernsehkanal auslote.


Schon im Sommer hat Softbank einen Zusammenschluss lanciert. Als Charter ablehnte, brachte er sogar einen Kauf des US-Unternehmens ins Spiel. Allerdings hatten Analysten eine Ehe der beiden hochverschuldeten Firmen damals bereits geringe Chancen eingeräumt.


Selbst für Son, der große Wetten liebt, wäre der Kaufpreis damals wie heute kaum zu stemmen. Charters Marktwert betrug damals fast 100 Milliarden US-Dollar und jetzt immer noch 92,9 Milliarden US-Dollar. Außerdem hatten Analysten die Möglichkeit ins Spiel gebracht, das Son Sprints Reichweite regional durch den Kauf eines südamerikanischen Mobilnetzbetreibers vergrößert. Nur kostet auch das Geld.




Doch Son ist immer für eine Überraschung gut, zumal sich kaum ein Unternehmen so gut auf finanzielle Tricks versteht wie Japans größter Investor. Am Freitag gab Softbank einen Kredit von 2,65 Billionen Yen bekannt, mit dem es frühere, höherverzinste Kredite für den Kauf von Sprint und Arm ausbezahlt und laut der Wirtschaftszeitung Nikkei noch immer 1,1 Billionen Yen fürs neue Abenteuer übrig behält. Knapp über ein Prozent Zinsen wird Softbank für den siebenjährigen Kredit, so die Nikkei.


Darüber hinaus polsterte Softbank seine Kapitalbasis mit einem hybriden Kredit in Höhe von 84 Billionen Yen aus. Die Hälfte des Kredits werde als Eigenkapital bewertet, erklärte die Ratingagentur Standard & Poor‘s daraufhin. Doch die Summe ist zu gering, um die Agentur über eine Neubewertung von Softbanks BB-Rating nachdenken zu lassen.


Die Märkte scheinen derweil in Lauerstellung zu verharren. Einige Analysten wie Kirk Boodry sehen zwar für die Aktie auch ohne die Sprint-Fusion noch viel Raum nach oben. Aber Softbanks Kurs hat sich nach dem ersten Schrecken nur knapp über die 10000-Yen-Marke erholt. Umso größere Wirkung könnte Softbank-Chef Son am Montag auf der Quartalspressekonferenz entfalten.

KONTEXT

Der Einstieg in den US-Markt

Im Jahr 2000 kaufte die Deutsche Telekom mit Ron Sommer an der Spitze den US-Telekommunikationsanbieter Voicestream für rund 50 Milliarden Dollar - umgerechnet knapp 40 Milliarden Euro.

Kritik der Aktionäre

Dabei schrieb der Mobilfunker zu diesem Zeitpunkt Verluste. Doch die Bonner erhoffen sich, dass der Mobilfunkmarkt in den USA stark wachsen werde. Die Aktionäre teilten diese Hoffnung nicht, sie hielten den Preis für zu hoch. Der Wert der Aktie fiel um zwölf Prozent.

Schwierige Jahre

Die Sorgen der Aktionäre sollte sich als richtig erweisen: Die Deutsche Telekom korrigierte zwei Jahre später den Wert der neuen Tochter um fast 20 Milliarden Euro nach unten. Lange versuchte die Telekom, die Tochter loszuwerden.

Glück im Unglück

2011 wollte der größte amerikanische Wettbewerber AT & T die glücklose Tochter der Telekom für angeblich fast 40 Milliarden Euro übernehmen. Die Wettbewerbsbehörden klagten jedoch dagegen, woraufhin sich AT & T zurückzog. Der Konzern zahlte der Telekom daraufhin drei Milliarden Dollar Ausfallgebühr und überschrieb T-Mobile US einen Teil seiner Mobilfunkfrequenzen.

Mit neuer Kraft

Mit Hilfe der drei Milliarden Dollar Ausfallgebühr verbesserte die Telekom-Tochter unter anderem ihre Infrastruktur und übernahm 2012 den Mobilfunkanbieter mit MetroPCS. 2013 ging das Unternehmen an die Börse. Weil sich die Tochter nun alleine an frisches Geld kommt, kann sich die Telekom aus der Finanzierung teilweise zurückziehen. Dafür lässt sie ihren Anteil verwässern.

Neuer Chef, neue Strategie

Nach der missglückten Übernahme wurde fast die gesamte Führungsspitze von T-Mobile US ausgetauscht. Neuer Chef wird John Legere, ein bis dahin mehrheitlich unbekannter CEO aus der Telekommunikationsindustrie. Er entwickelt mit seinem neuen Führungsteam die "Un-Carrier"-Strategie: Er will alles das anders machen, was die Kunden an ihrem Telekommunikationsanbieter (Carrier) stört. Der Plan zieht.

Erfolg macht sexy

2014 wurde bekannt, dass die Telekom offenbar bereit sei ihre Anteile an den japanischen Konzern Softbank zu verkaufen. Der ist mit seiner Tochter Sprint der nächste Wettbewerber von T-Mobile US. Berichten wollte der Konzern 24 Milliarden Dollar dafür zahlen. Wenige Monate später wurde das Vorhaben eingestellt, weil die Unternehmen davon ausgingen, dass sie keine Genehmigung für den Zusammenschluss

Wachstum, Wachstum, Wachstum

Unter Führung von John Legere wandelte sich das Unternehmen, wächst stark und ist mit mehr als 70 Millionen Kunden die Nummer 3 im Markt. Damit hat es den Wettbewerber Sprint überholt. Das Unternehmen ist profitabel und steigert bisher kontinuierlich Umsatz und Marge. T-Mobile US ist der einzige Bereich innerhalb der Telekom, der stark wächst.

Neuer Versuch

Schon länger verhandeln Softbank und Telekom wieder über einen Zusammenschluss. Nur sollen nach Informationen des Handelsblatts die Bonner danach die Mehrheit halten. Beide Konzerne wollten die Gespräche bisher nicht bestätigen, erklärten aber, eine Fusion könnte Synergien von mehr als 30 Milliarden Dollar schaffen. Allerdings müssen sie auch die Kartellbehörden von dem Zusammenschluss überzeugen

Macht Erfolg einsam?

Das Argument von Wettbewerbsbehörden gegen die Konsolidierung des Marktes ist Verbraucherschutz: Je mehr Unternehmen miteinander konkurrieren, desto eher werden sie versuchen sich mit Innovationen voneinander abzugrenzen oder die Preise senken. Gerade weil sich T-Mobile US als Innovationsführer und Preisbrecher aufstellt, sorgen sich die Behörden, weil es den Interessen der Kunden schaden könnte