George Russell erklärt nach Imola: "Es war kein Entschuldigungsbrief ..."

Maria Reyer
·Lesedauer: 3 Min.

Williams-Pilot George Russell hat nach seinem Fahrfehler in Imola Größe bewiesen. Der Brite hat seinem Team einen Brief geschrieben, nachdem er den Boliden auf Punktekurs liegend in die Mauer versenkt hatte. "Es war nicht unbedingt ein Entschuldigungsbrief", stellt er zwei Wochen später in der Türkei allerdings klar.

"Es war einfach ein Brief ans Team. Ich sende ihnen oft meine Gedanken und Ansichten. Natürlich habe ich mich zunächst für meinen Fehler entschuldigt, da dieser inakzeptabel war. Aber nach dem Fehler hatte ich die Zeit, darüber nachzudenken, über meine Herangehensweise ans Rennfahren", schildert Russell.

Manchmal, so der 22-Jährige, würden jene Fahrer belohnt werden, die mehr Risiko eingehen. Manchmal eher jene, die vorsichtiger sind. "Ich hätte wohl ein gutes Ergebnis geholt, wenn ich es ein wenig vorsichtiger angegangen wäre. Das hat mich zum Nachdenken gebracht und ich dachte, wo zieht man die Grenze?"

<span class="copyright">Mark Sutton / Motorsport Images</span>
Mark Sutton / Motorsport Images

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Er philosophierte darüber, wann sich Risiko bezahlt machen würde, wann eher die Vorsicht. "Wir alle sind Racer und wir alle gehen ans Limit und darüber hinaus. Da ist es ganz normal, dass Fehler passieren. Ich dachte auch darüber nach, ob ich mich vor Fehlern fürchten sollte? Aber das denke ich nicht."

Diese Überlegungen seien schließlich auch in den Brief an seine Mannschaft eingeflossen. "Bereue ich, was passiert ist? Absolut. Aber wird es meine Herangehensweise an dieses Wochenende ändern? Nein", kommt er zu einem Fazit.

Trotz dieser Einsicht sitzt der Schmerz weiterhin tief, schließlich hätte Russell mit Platz zehn seinen allerersten WM-Punkt in der Formel 1 sammeln können. "Es tut immer noch weh, aber im Leben muss man weitermachen und nach vorn schauen, von Fehlern und der Vergangenheit lernen."

Russell gibt zu: Von Zuspruch überrascht gewesen

Mittlerweile kann der Mercedes-Schützling dem Abflug gar etwas Positives abgewinnen: "Es wird mir helfen, ein vollkommener, starker Fahrer zu werden", glaubt er. Dieser Fehler sei Teil des Lernprozesses meinte bereits Mercedes-Teamchef Toto Wolff kurz nach dem Imola-Rennen.

Die tröstenden Worte des Österreichers und auch einiger Kollegen im Fahrerlager, etwa Romain Grosjean oder Lewis Hamilton, hätten ihm geholfen, darüber hinwegzukommen. "Absolut, ich habe so viel Unterstützung erfahren, was mir sehr viel bedeutet. Das hat mich sehr überrascht", gesteht Russell.

Vor allem der Zuspruch von Rennsiegern, ehemaligen Fahrern und Weltmeistern hat den Briten wieder aufgebaut. "Das nimmt zwar nicht den Fehler, den ich gemacht habe. Aber es hilft mir, nach vorne zu schauen." In seinem Fall auf den Grand Prix der Türkei in Istanbul - eine Strecke, auf der Russell noch nie gefahren ist.

Er wird sich am Ende des Feldes wohl auch diesmal wieder gegen die Konkurrenz von Haas und Alfa Romeo behaupten müssen. Wo liegt der Williams besser? "Unserem Auto liegen kürzere Strecken, auf denen viel Abtrieb gefragt ist, besser, etwa Budapest", erklärt er.

Da Williams ein Paket mit sehr viel Luftwiderstand fährt, ist der Brite auf den Geraden meist im Nachteil - "obwohl wir ein Monster in Form des Mercedes-Motors im Heck haben", merkt Russell an. Mit der Pace im Qualifying auf einer Runde zeigt er sich dennoch zufrieden.

"Alfa ist eher an den Sonntagen im Rennen stärker. Wir versuchen, das Auto immer besser zu verstehen. Das hat uns geholfen, Potenzial auszuschöpfen auf allen möglichen Streckenarten. Wir sind an den Samstagen ein wenig vorn."

Trotz dieser positiven Entwicklung relativiert Russell: "Wir müssen dennoch weiterarbeiten. Schließlich sind wir drei Teams immer noch ein Stück weit vom Mittelfeld entfernt."

Mit Bildmaterial von Motorsport Images.