Vom Genickbruch zum WM-Titel: Leben eines deutschen Kickboxers

Robin Ahlert, Jana Wosnitza

"Über Nacht wurde mir alles genommen."

Dieser Satz Pascal Schroths im Gespräch mit SPORT1 lässt erahnen, wie schwer die Verletzung des Kickboxers gewesen sein musste. (Kickboxen: Pascal Schroth - Giannis Boukis, Sonntag ab 20.45 Uhr LIVE im TV auf SPORT1 im Free-TV und Livestream)

In einem Kampf im Oktober 2018 in China hatte ihn sein Kontrahent mit einer verbotenen Technik kopfüber in den Ringboden gerammt. Was folgte war ein fürchterlicher Knacks - und die Diagnose Genickbruch.


Doch Schroth hatte Glück im Unglück. Es war "nur" der fünfte Halswirbel gebrochen, Nervenbahnen wurden glücklicherweise nicht verletzt.  

Einfach machte dies die Zeit der Reha nicht, denn die Gefahr einer bleibenden Lähmung bestand nur dann nicht, wenn der Bruch starr fixiert blieb. Für den 26-Jährigen, der zusammen mit seiner Familie seit 5 Jahren in Thailand lebt, hieß das wochenlang Korsett und Halskrause tragen. "Ich habe drei Monate im Gestell verbracht. Konnte mich überhaupt nicht bewegen.", blickt Schroth auf diese schwere Zeit zurück.

Genickbruch war "eine Art Identitätsverlust"

Viel schlimmer als die Unbeweglichkeit war für den Kickboxer aber der Verzicht auf seinen Sport, der Verzicht auf das tägliche Training. "Der Sport war immer das, womit ich mich identifiziert hatte. Es war immer das, was mir Halt gegeben hat. habe ich eine Art Identitätsverlust erlitten.".

Mit Hilfe seiner Familie, harten Reha-Trainings über endlose neun Monate sowie einem Besuch in einem Tempel, um sich und seine Identität wiederzufinden, schaffte es Schroth am 3. Oktober 2019 zurück in den Ring und gab ein beeindruckendes Comeback.

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Schon nach zwei Runden schickte er seinen Gegner, den Bulgaren Mariyan Asenov, zu Boden und verteidigte damit gleichzeitig seinen Weltmeister-Titel in der Klasse bis 72,5 Kilo.

Schroth: Keine Kämpfe - kein Einkommen

Körperlich und mental ist er wieder zu hundert Prozent hergestellt. Dennoch hat das Jahr Kampfpause Spuren hinterlassen. Vor allem auf dem Konto des gebürtigen Bremerhaveners: "Finanziell war das Jahr natürlich eine Katastrophe", so Schroth.

Zum einen hatte er ohne Kämpfe kein Einkommen. Wesentlich schlimmer war jedoch, dass er zum Zeitpunkt der Verletzung nicht krankenversichert war und damit die Arzt- und Behandlungskosten komplett selbst tragen musste.

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Nun kämpft Schroth, dessen Kampfname in Thailand "The German" lautet, in München bei der Steko’s Fight Night.

Für ihn bietet das vor allem die Chance "auch finanziell wieder auf einen grünen Zweig zu kommen". Doch nicht nur das, neben dem monetären Aspekt sieht Schroth auch die Möglichkeit, Werbung für den Kampfsport an sich zu betreiben. Irgendwann will er mit seiner Familie auch zurück nach Deutschland, vor allem um seiner Tochter, das bestmögliche Leben zu bieten.

"Kampfsport mehr als eine Randsportart"

"Ich möchte dazu beitragen, dass die Leute dem Kampfsport offener entgegentreten. Sie sollen verstehen, dass auch ganz normale Menschen Kampfsport betreiben können und nicht nur Kriminelle oder Asoziale."

Entsprechend wichtig ist es Schroth, das Bild des Kampfsports in ein positiveres Licht zu rücken. "Ich möchte den Leuten mit meiner Geschichte beweisen, dass der Kampfsport mehr sein kann als eine Randsportart"

Ob die Geschichte von Pascal Schroth das Kickboxen mehr in den Mainstream führen kann, bleibt abzuwarten. Inspirierend bleibt sie allemal.