„Die Vernunft zurückzugewinnen“

In Katalonien haben Gewerkschaften und Organisationen zu einem Generalstreik aufgerufen. Die Menschen demonstrieren gegen Polizeigewalt - und für die Unabhängigkeit.


In der spanischen Region Katalonien wollen Gegner der Unabhängigkeit an diesem Dienstag mit einer großen Demonstration gegen die Abspaltung protestieren. Es gehe darum, in dem ganzen Prozess wieder „die Vernunft zurückzugewinnen“, sagte Àlex Ramos, der Vizepräsident der zivilen Organisation Societat Civil Catalana (SCC), laut der Nachrichtenagentur Europa Press in einem TV-Interview.

Seit den Morgenstunden machte sich in der Region im Nordosten Spaniens der Generalstreik bemerkbar, zu dem mehrere kleinere Gewerkschaften aus Protest gegen die Polizeigewalt während des Unabhängigkeitsreferendum vom Sonntag aufgerufen hatten. Inoffiziell geht es aber auch um die Unabhängigkeit von Spanien.

Spanische Medien berichteten von geschlossenen Büros, Cafés und Geschäften, auch auf Barcelonas Flaniermeile Las Ramblas. Demonstrationen auf den Straßen sorgten an mehreren Orten für lange Autoschlangen, der öffentliche Transport war unter anderem in Barcelona stark eingeschränkt.




Um 12 Uhr sollten an mehreren Orten Kataloniens zentrale Kundgebungen stattfinden, darunter auch auf dem Universitätsplatz in Barcelona. Zur selben Zeit wollten auch die Gegner von SCC ihre Demonstration in der katalanischen Regionalhauptstadt starten. Ramos rief auch Parteien und Unternehmen auf, sich daran zu beteiligen.

Auch der Fußballclub FC Barcelona beteiligt sich. Die beiden größten Gewerkschaftsverbände Spaniens, CCOO und UGT, hatten sich ursprünglich dem Aufruf angeschlossen, zogen aber ihre Teilnahme am Montag zurück.

Auf einigen Straßen stauten sich bereits in den frühen Morgenstunden kilometerlang Autos, weil Demonstranten die Fahrbahnen blockierten. Einige Schulen blieben geschlossen, und die öffentlichen Verkehrsmittel funktionierten nur mit einem Minimalservice. Als Folge bildeten sich etwa in Barcelona lange Schlangen in der Metro.

Bei dem gerichtlich untersagten Referendum hatten am Sonntag den Angaben der Regionalregierung zufolge rund 90 Prozent der Teilnehmer für eine Unabhängigkeit von Spanien gestimmt, die Beteiligung lag demnach bei 42 Prozent. Die Zentralregierung hatte betont, das Referendum sei nach der Verfassung vollkommen illegal. Bei der Abstimmung war es zu brutalen Ausschreitungen gekommen. Nach Behördenangaben wurden mehr als 890 Zivilisten verletzt.




Der spanische Ministerpräsident Mariano Rajoy und seine Regierung betrachten das Referendum hingegen als illegal und ungültig. Die spanischen Behörden hatten versucht, die Abstimmung mit massiven Polizeieinsätzen zu verhindern.

UN-Generalsekretär António Guterres sagte, er vertraue darauf, dass die demokratischen Institutionen Spaniens eine Lösung für die Krise fänden. Weder die katalanische Regionalregierung noch die Zentralregierung in Madrid ließen jedoch am Montag ein Einlenken erkennen. Die EU-Kommission sowie Ratspräsident Donald Tusk riefen beide Seiten auf, rasch von einer Konfrontation zum Dialog überzugehen. Der katalanische Regionalpräsident Carles Puigdemont forderte seinerseit eine Vermittlung Brüssels.