Südkoreas Präsidentschaft: Pjöngjang "sehr gewillt" zu Gesprächen mit Washington

Nordkorea ist nach Angaben der südkoreanischen Präsidentschaft "sehr gewillt" zu Gesprächen mit der US-Regierung. Das teilte das Büro des südkoreanischen Präsidenten Moon am Sonntag nach dessen Treffen mit einer ranghohen Delegation aus Pjöngjang mit

Nordkorea und Südkorea haben den Abschluss der Winterspiele in Pyeongchang für eine weitere Runde der Olympia-Diplomatie genutzt. Südkoreas Präsident Moon Jae In empfing am Sonntag eine hochrangige Delegation aus dem Norden, die sich bei dem Treffen "sehr gewillt" zu Gesprächen mit den USA zeigte, wie Moons Büro in Seoul mitteilte. Die Führung in Pjöngjang erklärte derweil, sie betrachte die jüngsten US-Sanktionen als "Kriegsakt".

Nach Angaben von Südkoreas Präsidialamt stimmten die nordkoreanischen Abgesandten bei dem Treffen mit Moon der Einschätzung zu, dass es sowohl bei den innerkoreanischen Gesprächen als auch bei den Beziehungen zwischen Nordkorea und den USA Verbesserungen geben müsse. Das Treffen fand vor der Abschlussfeier der Olympischen Winterspiele in Pyeongchang statt.

Nordkoreas Delegation stand unter Leitung von General Kim Yong Chol. Der General ist in Pjöngjang für die innerkoreanischen Beziehungen zuständig und steht in Südkorea auf einer Sanktionsliste. Sein Olympia-Besuch war im Süden stark umstritten. Südkoreanische Demonstranten forderten seine Hinrichtung.

Die Kritiker werfen dem General unter anderem vor, für einen Angriff auf die südkoreanische Korvette "Cheonan" im Jahr 2010 verantwortlich zu sein, bei deren Untergang 46 Seeleute ums Leben kamen. Nordkorea bestreitet eine Verwicklung in den Vorfall und spricht von einer ungeklärten Explosion an Bord des Kriegsschiffs, das Medienberichten zufolge Torpedos und andere Waffen sowie Munition geladen hatte.

Das Wiedervereinigungsministerium hatte Bedenken im Zusammenhang mit der Visite der von Kim geleiteten Delegation eingeräumt. Der Besuch biete aber die "Chance, die innerkoreanischen Beziehung zu verbessern" und einer friedlichen Lösung näherzukommen, hieß es.

Nordkorea nutzte die Olympischen Winterspiele in Pyeongchang für eine Charmeoffensive. Zur Eröffnungsfeier vor zwei Wochen schickte Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un seine Schwester Kim Yo Jong, die eine Einladung an den südkoreanischen Staatschef für ein Gipfeltreffen in Pjöngjang überbrachte. Doch zu einem Treffen zwischen den Regierungsdelegationen aus Nordkorea und den USA kam es weder zum Beginn noch zum Abschluss der Spiele.

Die Sprecherin von US-Präsident Donald Trump, Sarah Sanders, sagte am Samstag in Pyeongchang, Washington werde weiter "maximalen Druck" auf Nordkorea ausüben. Der US-Präsident werde nicht die gleichen Fehler wie sein Vorgänger machen und "weich oder schwach" gegenüber Pjöngjang auftreten. Ein Treffen von Trumps Tochter Ivanka, die am Sonntag bei der Olympia-Abschlusszeremonie die US-Delegation anführte, mit Vertretern Nordkoreas sei nicht geplant.

Nordkorea verurteilte unterdessen die jüngsten von den USA gegen Pjöngjang verhängten Strafmaßnahmen. "Jede Art von Blockade" gegen Nordkorea werde als "Kriegsakt" angesehen, hieß es in einer am Sonntag von der staatlichen Nachrichtenagentur KCNA verbreiteten Erklärung des nordkoreanischen Außenministeriums. Das Ministerium drohte zugleich mit Vergeltung, sollten "die USA es wirklich wagen", Nordkorea in "grober" Weise entgegenzutreten.

Im Streit um das nordkoreanische Atomprogramm hatte das US-Finanzministerium am Freitag neue Sanktionen gegen Schiffe und Unternehmen angekündigt, die illegale Geschäfte mit Nordkorea gemacht haben sollen. Neben nordkoreanischen Unternehmen sind auch Firmen aus anderen Ländern betroffen, darunter China.

Die US-Regierung forderte den UN-Sicherheitsrat auf, ein weltweites Hafenverbot für 33 Schiffe zu verhängen und 27 Schifffahrts- und Handelsunternehmen auf die Sanktionsliste zu setzen.

Die Regierung in Peking verurteilte die Sanktionen gegen chinesische Firmen. Ein Außenamtssprecher sagte am Samstag, Washington müsse sein Fehlverhalten "umgehend" stoppen, um der Zusammenarbeit beider Länder nicht zu schaden. China werde "niemals zulassen", dass sich chinesische Bürger oder Unternehmen an Verstößen gegen Resolutionen des UN-Sicherheitsrats beteiligten, versicherte der Sprecher.