Wird General Motors Waymos selbstfahrendes Taxi auf den Markt bringen?

Motley Fool Investmentanalyst

Die Zukunft rückt näher: Das Unternehmen, das früher unter dem Namen Google Self-Driving Car Project bekannt war, sagte, dass es sich darauf vorbereitet, Ende des Jahres in Phoenix den weltweit ersten fahrerlosen Fahrdienst auf den Markt zu bringen.

Dieses Unternehmen, das jetzt als Alphabets (WKN:A14Y6H) Tochterfirma Waymo bekannt ist, und Fiat Chrysler Automobiles (WKN:A12CBU) gaben am Dienstag bekannt, dass FCA bald mit dem Bau von „Tausenden“ selbstfahrenden Chrysler Minivans für Waymos neuen Service beginnen wird.

Viele Unternehmen haben über die Idee eines fahrerlosen Fahrdienstes gesprochen. Aber bis heute hatte nur einer, nämlich General Motors (WKN:A1C9CM), konkrete Pläne angekündigt, um eine ganze Reihe von fahrerlosen Taxis zu bauen.

GM strebt die Einführung seiner selbstfahrenden Flotte im Jahr 2019 an. Wenn Waymo in diesem Jahr wirklich in der Lage ist, selbstfahrende Taxis in großem Maßstab einzusetzen, könnte sich die Alphabet-Tochtergesellschaft als der erste Schritt in einer Branche erweisen, die zu einer riesigen neuen Industrie werden soll.

Das hat große Auswirkungen. Hier ist, was wir wissen.

Was Waymo und FCA gesagt haben

Waymo und FCA arbeiten seit 2016 gemeinsam an einem fahrerlosen Taxi. Ingenieure beider Unternehmen arbeiteten an einer Version des Chrysler Pacifica Hybrid Minivans von FCA, der an Waymos Selbstfahrsystem angepasst wurde. FCA hat seit Ende 2016 600 der Minivans an Waymo ausgeliefert.

Diese Vans werden in den Waymo-Testflotten an einigen Orten in den Vereinigten Staaten eingesetzt, und seit November 2017 werden einige — ohne menschliche Fahrer an Bord — in einem gekennzeichneten Bereich nahe Phoenix in Arizona getestet. Das war ein historischer Moment: Nach der Definition der Society of Automotive Engineers waren diese Waymo-Vans die ersten selbstfahrenden Fahrzeuge der Stufe 4. (Erfahre mehr über die „Stufen“ der selbstfahrenden Technologie hier.)

Nach Ansicht von Waymo-CEO John Krafcik waren die ersten fahrerlosen Pacificas auch der Beginn einer Kommerzialisierung:

Mit der weltweit ersten Flotte von selbstfahrenden Fahrzeugen auf der Straße sind wir von Forschung und Entwicklung zu Betrieb und Einsatz übergegangen. Die Pacifica Hybrid Minivans bieten ein vielseitiges Interieur und ein komfortables Fahrerlebnis, und diese zusätzlichen Fahrzeuge werden uns dabei helfen, uns zu vergrößern.

In einer Erklärung bestätigten Waymo und FCA, dass Waymo beabsichtigt, seinen Service im Laufe der Zeit auf weitere US-Städte auszudehnen, wenn die Fahrzeuge ausgeliefert werden. Im Moment ist der Zeitplan für diese Lieferungen aber noch nicht klar.

Das bedeutet, dass das Rennen um den ersten Platz läuft.

Der Wettbewerb: GM liegt dicht dahinter

GM-Präsident Dan Ammann argumentierte im vergangenen Herbst, dass das erste Unternehmen, das selbstfahrende Taxis in größerem Maßstab, d.h. zu Tausenden, einsetzt, einen signifikanten „First Mover“-Vorteil genießen werde.

Das ist der Grund: Fahrerlose Fahrzeugsysteme nutzen die Technologie des maschinellen Lernens – d.h. sie verbessern sich, indem sie aus Erfahrung „lernen“. Weil alle Fahrzeuge, die sich ein bestimmtes System teilen, auch die selben Lektionen teilen, wird das erste Unternehmen, das selbstfahrende Taxis zu Tausenden einsetzt, einen Vorsprung aufgrund einer steilen Lernkurve haben.

Für Ammann und GM ist das ein kommerzieller Vorteil: Die Systeme werden beim Start (vermutlich) sicher sein, aber anfangs fahren sie vielleicht nicht so reibungslos wie ein Auto, das von einem geübten menschlichen Fahrer gefahren wird, und sie werden nicht die schnellsten Wege zu ihrem Ziel nehmen. Das sind die Dinge, die sich verbessern werden, wenn das System Erfahrungen auf der Straße sammelt. Und das sind auch die Dinge, die dazu führen könnten, dass die Kunden, die in einer bestimmten Stadt leben, ein (oder zwei) Unternehmen gegenüber anderen Unternehmen stark bevorzugen.

Das Rennen ist eröffnet

Wer wird diesen Vorteil nutzen? Es wird das erste Unternehmen (oder die ersten Unternehmen) sein, das alle Teile zusammenbringen kann: Ein sicheres System, die Sensor-Hardware und — das große Hindernis für die meisten — ein Fahrzeug, das zu Tausenden in hoher Qualität in Serie produziert werden kann.

GM verfügt über diese Dinge und erwartet, dass sein System 2019 einsatzbereit ist. Waymo und FCA, die zusammen arbeiten, haben ebenfalls diese Dinge und sagen jetzt, dass sie den Einsatz im Laufe des Jahres 2018 beginnen werden.

Bedeutet das, dass Waymo schon der große Sieger ist? Vielleicht, aber es kommt auf die Details an: Wie viele Fahrzeuge werden wann und wo zum Einsatz kommen? Und es gibt ein gutes Argument, dass wenn GM ein paar Monate nach Waymoauf den Markt — aber ein oder mehrere Jahre vor irgendjemand anderem — sowohl GM als auch Waymo im Wesentlichen die „First Movers“ mit dem Potential sein werden, im Laufe der Zeit ähnliche Vorteile zu teilen.

Unterm Strich: Ab sofort ist es, zumindest in den Vereinigten Staaten, ein Kopf-an-Kopf-Rennen um einen Preis, der sehr profitabel sein könnte.

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Suzanne Frey ist Führungskraft bei Alphabet und Mitglied des Vorstands von The Motley Fool.

The Motley Fool besitzt und empfiehlt Alphabet (A und C).

Dieser Artikel wurde von John Rosevear auf Englisch verfasst und am 30.01.2018 auf Fool.com veröffentlicht. Er wurde übersetzt, damit unsere deutschen Leser an der Diskussion teilnehmen können.

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