Der US-Autobauer General Motors fordert staatliche Hilfen für die Produktion in Südkorea. Doch Trump könnte die Pläne des Konzerns durchkreuzen.


Für US-Autohersteller General Motors ist das Auslandsgeschäft ein ständiges Problem. In Europa hat sich der US-Konzern im vergangenen Jahr wegen anhaltender Verluste von seiner Tochtermarke Opel getrennt. Nun droht neuer Ärger in Asien: In Südkorea feilscht der Autobauer mit der dortigen Regierung um das Überleben eines seiner wichtigsten Produktionsstandorte.

Bereits vergangene Woche hatte der Konzern angekündigt, eine seiner vier koreanischen Werke zu schließen. Nun verhandelt Barry Engle, GM-Vizechef für das internationale Geschäft, mit der Regierung von Präsident Moon Jae-in, wie der Staat GM helfen kann, die anderen drei Werke am Leben zu halten. Die Amerikaner hoffen auf finanzielle Hilfe des Staates.

Als Gegenleistung für Geldspritzen oder Steuernachlässe von mehr als einer Milliarde US-Dollar habe der Konzern angeboten, Schulden seiner kriselnden koreanischen Einheit in Aktienanteile umzuwandeln, berichtet die Nachrichtenagentur Reuters. Dabei ist die staatliche Korea Development Bank heute schon zu 17 Prozent an GM Korea beteiligt. GM hält 77 Prozent der Anteile, die übrigen 6 Prozent hält der chinesische Joint-Venture-Partner SAIC. Südkoreas Nachrichtenagentur Yonhap meldet, dass GM darüber hinaus deutliche Lohnsenkungen fordert.


Engle drängt die Regierung zur Eile. Die schlechte Lage der südkoreanischen Landesgesellschaft müsse schnell angegangen werden, mahnte der GM-Manager zuletzt. Der US-Konzern stehe vor der kritischen Entscheidung, welche Modelle in welchen Werken gefertigt würde. Daher „müssen die Diskussionen bis Ende Februar deutliche Fortschritte zeigen“, wird Engle zitiert.

Tatsächlich ist die Lage von GM in Korea miserabel. Auf der asiatischen Halbinsel haben die Amerikaner zwischen 2014 und 2016 rund 1,8 Milliarden Dollar Reinverlust gemacht – vor allem wegen der schlechten Auslastung der vier lokalen Werke. Lange war Südkorea eine wichtige Exportbasis für GM. Zu Spitzenzeiten liefen hier ein Viertel der globalen Produktion der Amerikaner vom Band, darunter Chevrolets für den europäischen Markt. Die Amerikaner konnten in Korea 910 000 Autos pro Jahr produzieren. Im vergangenen Jahr waren es nur noch 520.000.


Gegenspieler im Handelskrieg

Über den Grund für die Krise gehen die Meinungen auseinander. Die Gewerkschaften ist Missmanagement schuld an der Misere, für GM sind es die hohen Lohnkosten. Ungeachtet der gegenseitigen Schuldzuweisungen macht die Krise die Werksschließung wenigstens betriebswirtschaftlich verständlich. Über mögliche Staatshilfe wird auch in Korea gestritten.

GM lockt die Regierung mit dem Versprechen, zwei weitere Modellen in Südkorea zu bauen. Die südkoreanische Regierung erklärte allerdings, dass es noch zu früh für endgültige Entscheidungen sei. Zudem will die Regierung die Pläne von GM genau untersuchen.

Dabei ist Präsident Moon allerdings in einer schwierigen Lage. Denn GM pokert in einer handelspolitisch hochbrisanten Lage um staatliche Hilfe. Immerhin hat US-Präsident Donald Trump in seiner globalen Handelskriegserklärung seinen ostasiatischen Verbündeten ins Lager der Feinde eingruppiert.


Südkoreas Firmen sorgen sich vor Trumps Forderung, die bilaterale Freihandelszone neu auszuhandeln. Einige Vorzeigekonzerne wie LG litten schon unter der Einführung von Schutzzöllen auf Waschmaschinen und Solaranlagen massiv. Mit den am Wochenende angekündigten Einfuhrzöllen von bis zu 53 Prozent auf Stahl und Aluminium aus zwölf Nationen droht sich Südkoreas wirtschaftlicher Schaden durch Trumps „America first“ nun noch weiter auszudehnen. Denn Südkoreas sehr wettbewerbsfähige Stahlkonzerne sind ein Standbein der Korea AG.

Südkoreas Präsident Moon kündigte daher bereits am Montag an, dass seine Regierung „selbstbewusst und resolut“ gegen die „unfairen protektionistischen Maßnahmen“ vorgehen wolle. Mitglieder der Regierungspartei schlagen bereits eine Reihe von Gegenmaßnahmen vor – von einer Klage bei der Welthandelsorganisation bis zu langwierigeren Quarantäneinspektionen bei Fleisch- und Lebensmittelimporten aus den USA. GMs Krisenpoker könnte da die Verhandlungen noch erschweren.