Gene Haas exklusiv: Zukunft des F1-Teams nicht gesichert

Maria Reyer

"Wenn wir nur hinterherfahren, werde ich kein Teil mehr davon sein." So deutlich stellt Haas-Teamgründer Gene Haas in der neuen Staffel der Netflix-Serie "Drive to Survive" klar, dass er kein zweites Katastrophenjahr duldet. Die Leistung seines Teams zu Saisonbeginn wird darüber entscheiden, ob er sich weiterhin verpflichten wird oder zu Saisonende aus der Formel 1 aussteigt.

Der US-Amerikaner hat von der Teamgründung 2015 an klargemacht, dass er nur an einem Formel-1-Verbleib interessiert sei, wenn sein Rennstall konkurrenzfähig ist. Haas ist besorgt ob der enormen Kosten, die auf sein kleines Team aufgrund des 2021er-Reglements zukommen.

Der Teamgründer weiß, dass, wenn er sich für einen Verbleib entscheidet, er sich für mindestens weitere fünf Jahre binden muss - wie auch alle anderen Teams. In einem exklusiven Interview mit 'Motorsport.com' hat der Geschäftsmann über sein Investment gesprochen.

Haas: "Sage nicht, dass wir nicht zurück sein werden"

"Ich warte darauf, wie der Saisonstart verläuft", entgegnet er auf die Zukunft seines Teams angesprochen. Die Saison 2019 hat ihre Narben hinterlassen. Haas musste zusehen, wie seine Mannschaft von Rang fünf auf Platz neun in der Konstrukteurs-WM zurückfiel.

Diese "Achterbahnfahrt", wie Teamchef Günther Steiner das Jahr bezeichnete, will Haas kein zweites Mal miterleben. "Wenn wir stark in die Saison starten, dann gibt es vielleicht die Möglichkeit, dass wir weiterfahren. Aber wenn wir noch ein schlechtes Jahr haben, wäre das nicht förderlich."

"Wir sind fünf Jahre gefahren. Das war die Probephase - wir schauen uns die ersten fünf Jahre an, evaluieren und entscheiden dann, ob wir weitermachen", erklärt Haas. Läuft die Formel 1 tatsächlich Gefahr, ihr jüngstes Team bald wieder zu verlieren?

Zak Mauger / Motorsport Images

Zak Mauger / Motorsport Images

Zusätzlich zu den ausbleibenden sportlichen Erfolgen musste sich Haas mit dem zwielichtigen Sponsor Rich Energy herumschlagen. Laut Gene Haas hätte der Deal mit dem Energytrink-Hersteller 60 Millionen Dollar in die Teamkassen spülen sollen, doch nur die erste Rate wurde auch tatsächlich bezahlt. Nach einer Twitter-Posse wurde der Deal vorzeitig beendet.

Ohne neuen Hauptsponsor tritt das Team in der Saison 2020 auf. Das bedeutet auch, dass der Teamgründer neben Sponsoren und Preisgeld den Löwenanteil der Einnahmen stemmen muss. "Wir haben ein gutes Team. Alle geben alles, aber wenn wir das Auto nicht dazu bringen, gute Leistungen abzuliefern, dann stellt sich die Frage: 'Was ist los? Was passiert hier? Wofür machen wir das?'"

Haas ergänzt: "Wir sind hier, um Rennen zu fahren, mit Fahrern, Rennstrategien, aber das machen wir nicht. Wo soll das in Zukunft hinführen? Das ist ein sehr, sehr teurer Sport. Wenn wir nur hinterherfahren, werde ich kein Teil mehr davon sein."

Regeln 2021: "Die Änderungen sind verdammt teuer!"

Bislang hatte sein Formel-1-Engagement positive Auswirkungen auf seine anderen Geschäftsaktivitäten. "Das hat ziemlich geholfen. Das hat uns viel Anerkennung im europäischen aber auch im asiatischen Markt gebracht." Viele Kunden von Haas Automation seien zu den Rennen eingeladen gewesen.

Doch vor der großen Revolution 2021 fragt sich der US-Manager, wie sehr sich die neuen Regeln auf die Kosten auswirken werden. "Es gibt so viele Veränderungen in der Formel 1, dass man sich wirklich fragen muss, ob sich der Aufwand wirklich lohnt, um all diese Veränderungen umzusetzen? Ich weiß, dass jeder die Änderungen für gut hält, aber - Junge - sie sind teuer!"

Laut 'RaceFans.net' operierte Haas im Vorjahr mit einem Budget von rund 150 Millionen US-Dollar, damit liegt die US-Truppe auch in der Finanz-Skala auf dem vorletzten Rang. "Diese Veränderungen, die sie umsetzen, tun sie meiner Meinung nach mit den besten Absichten."

Haas will sich 2020 wieder zurückkämpfen an die Spitze des Mittelfeldes

Haas will sich 2020 wieder zurückkämpfen an die Spitze des Mittelfeldes LAT

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Haas wirft jedoch ein: "Aber wenn man auf der anderen Seite der Gleichung steht und versucht, sie umzusetzen, ist es wirtschaftlich äußerst schwierig." Und das trotz der Einführung der Budgetobergrenze, die ab 2021 bei 175 Millionen US-Dollar greifen wird.

Auf die Frage, ob der sportliche Ertrag die finanzielle Investition wert sei, sagt Haas: "Finanziell ist es definitiv nicht wert, das kann ich Ihnen sagen." Er ist der Ansicht, dass das Geschäftsmodell der Formel 1 kleine Teams benachteiligt.

"Jeder weiß, dass 70 Prozent des Preisgeldes an die Top-3-Teams gehen und 30 Prozent an die anderen sieben Teams. Das ist kein gutes Geschäftsmodell." Zumindest hat Liberty Media signalisiert, die Preisgeldverteilung in den neuen Verträgen gerechter gestalten zu wollen.

Haas prangert "Ungleichheit" des Preisgeldes an

Bei Haas werde nur ein Drittel der Kosten des Formel-1-Teams durch das Preisgeld abgedeckt, verrät Haas. "Offensichtlich hat jedes Team einen anderen Antrieb, warum sie in der Formel 1 sind. Ein Teil davon ist primär Sponsoring."

"Ferrari ist seit 60 Jahren mit dabei. Aber sie nehmen genug Geld mit nach Hause, um tatsächlich die 175 Millionen-Dollar-Marke zu erreichen, aber viele andere Teams arbeiten mit einem Viertel davon. Wie kann man also wirklich ein Rennteam mit dieser Art von Ungleichheit führen?"

Andrew Hone / Motorsport Images

Andrew Hone / Motorsport Images

Das Jahr 2019 will Haas vergessen, auch Günther Steiner will lieber an der Saison 2018 anknüpfen. Jedoch steht dem Team ein schwieriges Jahr bevor, das Mittelfeld könnte noch enger zusammenrücken. "Vor ein paar Jahren war das Mittelfeld noch durch fünf Sekunden getrennt."

"In diesem Jahr liegt das gesamte Feld innerhalb von zwei Sekunden, oder sogar noch näher. Die einzig gute Nachricht war [bei den Wintertests in Barcelona], dass wir nicht viel langsamer waren als die Ferraris, aber die waren auch nicht jeden Tag an der Spitze zu finden", weiß Haas.

Er weiß, dass auch die bevorstehende Saison eine Herausforderung in einem sehr "schwierigen" Sport sein wird. "Formel 1 ist extrem teuer. Es ist zeitaufwendig und stellt eine enorme Belastung für die Mannschaften dar. Es ist für die Teams, die nicht unter den Top 4 oder Top 5 sind, nicht wirklich von Vorteil."

Mit Bildmaterial von LAT.