Genügen nur 1.000 Euro, um mit dem Investieren beginnen zu können?

Christof Welzel, Motley Fool beitragender Investmentanalyst
·Lesedauer: 3 Min.

Oft hören wir davon, dass Investieren nur etwas für reiche Menschen ist oder wir mindestens 100.000 Euro benötigen, um eine genügend breite Diversifizierung (Streuung) darstellen zu können.

Menschen, die wenig Geld besitzen, sind von der Hochfinanz ausgeschlossen oder können es nie zu einem Vermögen bringen, ist die schlimmste aller Einstellungen und Meinungen, denn sie ist negativ und schlichtweg falsch.

Selbst Warren Buffett hat klein angefangen

Sogar Warren Buffett, der heute etwa 85 Mrd. US-Dollar (21.12.2020) besitzt, begann mit nichts, trug anfangs Zeitungen aus und las nebenbei jedes Börsenbuch, dass er in seiner Bibliothek finden konnte. Wer also mit dem Investieren beginnen möchte, sollte sich nicht davon abbringen lassen.

Heute ist es mit kleinen Beträgen sogar einfacher möglich als jemals zuvor. Nur müssen wir bei einer sehr geringen Summe tatsächlich etwas anders vorgehen, als wenn wir bereits etwas mehr Geld angespart haben.

Zuerst Index-Fonds

Mit 1.000 Euro sind wir in der Investmentauswahl limitiert, denn wenn wir damit beispielsweise versuchen, zehn Aktien zu kaufen, würden wir aufgrund der verhältnismäßig hohen Orderkosten sofort sehr stark in den Verlustbereich geraten.

Deshalb kommen wir mit kleinen Summen um einen Index-ETF nicht herum. Hier können wir sofort in viele gute Firmen investieren, ohne dass wir mit hohen Kosten rechnen müssen. Tatsächlich empfiehlt sich mit nur 1.000 Euro die Konzentration auf einen ETF, weil sonst ebenfalls die gleiche Problematik wie mit mehreren Aktien entsteht. Einige Direktbanken bieten allerdings auch den weitgehend kostenlosen Kauf von ETFs an, dann allerdings nur in sehr begrenzter Auswahl.

Wir könnten natürlich den DAX- oder S&P-500-Index als ETF-Basis wählen, aber regional noch breiter aufgestellt ist der MSCI World-Index. Er führt über 1.600 Aktien aus aller Welt, sodass wir beispielsweise in deutsche, europäische, amerikanische und asiatische Aktien gleichzeitig investieren können.

In den Korrekturen kaufen

Dieser eine ETF würde übrigens ebenfalls genügen, um sehr große Summen anzulegen. Langfristig ist der MSCI World-Index im Durchschnitt jährlich um 6,6 % gestiegen. Wenn wir uns dann die Frage stellen: „Wann soll ich denn investieren?“, lautet die Antwort: Wenn der Markt (wie im März 2020) einmal deutlich vom Hoch gefallen ist. Zwar kann er dann eventuell noch weiter sinken, aber ein breit gestreuter Index steigt später immer wieder. Dies zeigen mehrere 100 Jahre Börsenhistorie. Sollte der Markt ein Jahr später noch tiefer stehen, können wir weiter nachkaufen.

Wichtig ist allerdings, dass wir uns möglichst langfristig binden, denn Rücksetzer, die sich über mehrere Jahre hinziehen, sind keine Seltenheit.

Wenn der Markt dann zu steigen beginnt, heißt es nichts tun, sparen und auf die nächste starke Korrektur zu warten. So macht es Warren Buffett im Grunde schon seit dem 1950er-Jahren mit Einzelaktien.

Einzelaktien, wenn wir über genügend Wissen verfügen

Wenn wir später über ein größeres Vermögen verfügen, mehr über Einzelaktien gelernt haben, einen genauen Plan besitzen, uns dies selber in einem Musterdepot bewiesen haben und damit besser als der breite Markt abschneiden, können wir in Einzelaktien investieren.

In allen anderen Fällen werden wir nur schmerzhafte Verluste erleiden oder schlechter als der breite Markt abschneiden, was beides keinen Vorteil gegenüber einem Index-ETF bedeuten würde.

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