"Nicht gemeinsam am Ballermann am Strohhalm nuckeln": Bodo Ramelow fordert bei "dunya hayali" mehr Eigenverantwortung

teleschau
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"Nicht gemeinsam am Ballermann am Strohhalm nuckeln": Bodo Ramelow fordert bei "dunya hayali" mehr Eigenverantwortung

Eine mögliche zweite Corona-Welle bestimmt aktuell die mediale Berichterstattung. Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow von der Linkspartei wünscht sich im Talk bei "dunja hayali" mehr Normalität und Eigenverantwortung - Angst sei kein guter Berater.

Die Corona-Zahlen in Deutschland steigen wieder, eine mögliche zweite Welle ist die große Sorge im Land. Mitverantwortlich sind wohl auch Urlaubsrückkehrer aus Risiko-Gebieten, die ab kommender Woche verpflichtend einen Corona-Test an Flughäfen durchführen müssen. Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow von der Linkspartei gehörte zu den Befürwortern der Lockerungen, hatte am Donnerstagabend bei "dunja hayali" aber eine ganz klare Meinung zu vermeintlich sorglosen Urlaubern: "Ich nenne das Verursacher-Prinzip". Dennoch plädierte Ramelow für Eigenverantwortung, um Freiheitsrechte nicht über das Infektionsschutzgesetz hinaus zu gefährden. "Die Frage ist, ob der Mensch für sich auch Sorge getragen hat, wenn er im Ausland war. Wenn er zum Beispiel nicht gemeinsam am Ballermann an irgendeinem Strohhalm genuckelt hat."

Der Linken-Politiker stellt klar, dass ein Urlauber, der wissentlich in ein Risiko-Gebiet fahre, auch die Vorsorge treffen müsse, zwei Tests zu absolvieren. "Nämlich, wenn er zurückkehrt den ersten Test am Flughafen, den zweiten Test nach mindestens einer Woche". Er empfiehlt zudem eine Meldepflicht von Deutschen, die aus Risikogebieten und sogenannten Hotspots zurückkehren.

Auf die Frage, ob er besorgt sei, äußerte sich Ramelow umsichtig: "Ich bin erst einmal alarmiert. Wir haben vor kurzem einen Vorfall in Weimar, der zeigt, dass es eben noch nicht vorüber ist." Ein Infizierter steckte dort neun weitere Menschen an, 120 mussten in Quarantäne. "Aber unsere Gesundheitsämter sind in der Lage, damit umzugehen", äußerte der thüringische Ministerpräsident vollstes Vertrauen in die zuständigen Behörden. "Wir machen Nachverfolgung, wir testen sofort. Und sobald die Testrunden gelaufen sind, können wir wieder zum Normalitätsfaktor zurückkehren - wenn die Tests negativ gelaufen sind", sagte Ramelow. Immer wieder ließ er durchklingen, dass Angst und Sorge keine guten Berater wären. Das Virus sei "ein Lebensrisiko, das wir auch haben, wenn wir Auto fahren."

Unterscheidung mit Grippe "wird ein großes Problem"

Die ebenfalls zum Thema "Corona-Angst" eingeladene Medizinerin Prof. Ulrike Protzer äußerte sich da schon zurückhaltender. Auf Hayalis Frage, ob sie angesichts des nahenden Herbsts Angst vor einer zweiten Welle habe, antwortete die Virologin von der TU München: "Ja, ein bisschen schon. Ob man das jetzt als zweite Welle bezeichnet oder als ein Anstieg an Infektionen - Wir wissen, jeden Herbst haben wir vermehrt Atemwegsinfekte." Und auf den Herbst folge der Winter - und damit auch die klassische Grippewelle im Januar. "Es wird ein großes Problem sein, das auseinanderzuhalten", erwartet die Virologin eine angespannte Lage. "Da müssen wir uns einfach vorbereiten", stellte Protzer klar. Auch sie hält jedoch nichts von Hysterie bezüglich des Virus: "Es nützt weder etwas, es zu ignorieren, noch ständig in Panik zu verfallen."

Diesbezüglich war sie mit Ramelow einer Meinung, der mit Zahlen aus Thüringen seinen Standpunkt unterstreichen wollte: "Ich will darauf hinweisen, dass wir heute 47 Menschen haben, die in den letzten 14 Tagen in Thüringen infiziert worden sind." Insgesamt seien aktuell 52 von 1,26 Millionen Einwohnern des Bundeslandes mit dem Corona-Virus infiziert. "Wir müssen das Thema mal einordnen, damit wir nicht ständig über Angstbilder reden."