Vier Tipps, um zu verhindern, dass Geld eure Freundschaft kaputt macht

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Auch in Freundschaften ist das Thema Geld oft ein heikles. Es muss aber nicht zu unangenehmen Situationen kommen – wenn ihr einiges beachtet.

"Bei Geld hört die Freundschaft auf" - Muss sie aber nicht, wenn man einige Tipps beachtet.
"Bei Geld hört die Freundschaft auf" - Muss sie aber nicht, wenn man einige Tipps beachtet.

Freundinnen und Freunde gehören zu den wichtigsten Dingen im Leben. Die meisten Menschen wenden sich mit allerhand vertraulichen Themen an ihre Freunde: Sie besprechen ihr Sexleben mit ihnen, lassen sich bei Liebeskummer trösten oder holen sich Rat, wenn sie psychische Probleme haben. Nur eine Sache ist in vielen Freundschaften auch 2021 noch weitgehend ein Tabuthema: Geld. 

Ob es nun darum geht, dass ihr einer Freundin einen bestimmten Betrag geliehen habt, auf dessen Rückzahlung ihr schon länger wartet, als euch das lieb ist; ob ihr im Restaurant gefühlt jedes Mal diejenige seid, die zahlt; oder ob ihr das Gefühl habt, dass eure Geburtstagsgeschenke stets viel kostspieliger sind als das, was euer Kumpel euch schenkt: Geld und Freundschaft, das verträgt sich oft nicht – meinen viele zumindest. 

Geld muss die Freundschaft nicht gefährden

Claudia Hammond kennt das Problem. Sie betrachtet es allerdings etwas gelassener. Denn Hammond, studierte Psychologin, Journalistin und Gastprofessorin an der britischen University of Sussex, kennt einige Tipps, die euch helfen, wenn ihr Angst habt, dass Geldthemen eure Freundschaften bedrohen könnten. Im Interview mit dem „Sydney Morning Herald“ hat sie ihre vier wichtigsten Ratschläge näher erklärt:

1. Seid vorsichtig beim Geldverleih an Freunde

Selbst eine Einladung zum Mittagessen könne in manchen Freundschaften zum Problem werden, sagt Claudia Hammond. Denn was für den einen etwas absolut Alltägliches sei, könne für die andere ein Luxusgut darstellen. Wenn ihr einem Freund oder einer Freundin also einen Zehner fürs Restaurant um die Ecke vom Büro leiht und dann tage- oder wochenlang darauf wartet, dass er oder sie ihn euch zurückgibt, ist das unangenehm. Vielleicht sprecht ihr ihn oder sie trotzdem darauf an und habt dann ein schlechtes Gewissen. Oder ihr tut es nicht – und entwickelt möglicherweise Wut im Bauch, dass ihr euer Geld nicht zurück bekommt. Langfristig kann das euer Verhältnis zu eurem Freund oder eurer Freundin belasten.

Potenziell unangenehme Situationen wie diese gibt es viele. Claudia Hammonds Tipp: Nutzt Apps wie Credi, mit deren Hilfe ihr kleine Schuldenbeträge innerhalb eures Freundes- oder Familienkreises ganz sachlich und schwarz auf weiß sehen und einfordern könnt. Es ist immer etwas anderes, wenn beide Seiten schriftlich einsehen können, was die eine der anderen schuldet. So erspart ihr euch peinliche Nachfragen und könnt einfach auf die App verweisen.

2. Zahlt Freunden kein Geld dafür, wenn sie euch einen Gefallen tun

Wenn ein Freund oder eine Freundin euch bei etwas hilft – beispielsweise beim Reifenwechsel an eurem Auto – dann zeigt euch am besten durch ein Dankeschön-Geschenk erkenntlich und nicht durch Geld. Zahlt ihr aber doch, „verwandelt sich ein freundschaftlicher Gefallen (...) in eine finanzielle Transaktion“, sagt Psychologin Claudia Hammond. 

Auch eure Freundin werde dann so auf den Gefallen blicken – und sich fragen: „Ist das wirklich eine angemessene Summe dafür, was ich geleistet habe?“ Ganz besonders brisant werde es, wenn eure Freunde Experten auf dem Gebiet sind, auf dem sie euch geholfen haben. In obigem Beispiel etwa dann, wenn er oder sie ein Automechaniker wäre. In dem Fall, sagt Hammond, könnte die Person schnell denken: „Mein Stundensatz liegt eigentlich viel höher!“

Ihr Rat: Bedankt euch nicht mit Geld, sondern lieber mit einem Präsent, von dem ihr wisst, dass es eurem Freund oder eurer Freundin gefallen wird. 

3. Achtet auf die finanziellen Umstände eurer Freunde

Wer etwas mit seinen Freundinnen und Freunden zusammen unternimmt, wird dadurch glücklicher – davon ist Claudia Hammond überzeugt. Seid ruhig großzügig, wenn es darum geht. Aber behaltet im Gedächtnis, aus welchen finanziellen Verhältnissen euer Kumpel oder eure Freundin kommt. 

„Wir müssen sensibel mit der Frage umgehen, wie viel wir anderen abverlangen“, sagt sie. Als Beispiel für dieses Problem nennt sie Junggesellenabschiede, die seit einigen Jahren oft nicht mehr nur aus einem Abendevent bestünden, sondern zu ganzen Wochenendreisen ausgedehnt würden. Nicht jedes Mitglied eures Freundeskreises kann oder will sich das leisten. Bietet jenen Menschen Alternativen an. Und seid ihnen nicht böse, wenn sie auf euer Event verzichten (müssen).

4. Teilt die Rechnung

Das Thema „Rechnung teilen“ ist ein altes – und doch hat niemand die perfekte Lösung dafür. Auch Claudia Hammond nicht. Ein paar Hinweise hat sie aber doch. 

Wenn ihr zum Beispiel nach der Arbeit noch mit Kolleginnen und Kollegen in eine Bar geht, empfiehlt sich das Prinzip der „Runde“. Wenn jeder einmal für eine Runde Getränke zahlt, fühlt sich niemand ausgenutzt. Diese Bezahlart ist nur dann nicht besonders geeignet, wenn ihr wisst, dass ihr sowieso nur auf ein Getränk bleiben wollt und nicht länger. 

Ein anderer Tipp der Psychologin: „Wenn ihr mit Freunden in ein Restaurant geht, stimmt nicht zu, dass ihr die Rechnung gleichmäßig teilt, bis jeder auch bestellt hat.“ Oft bestellten Menschen nämlich teurere Gerichte, wenn sie von vornherein wüssten, dass am Ende jeder die gleiche Summe für den gemeinsamen Abend bezahlen werde. Außerdem, sagt Hammond, neigten viele dazu, bei solchen Vereinbarungen ihren eigenen Anteil abzurunden.

Insgesamt gilt: Seid transparent und ehrlich beim Thema Geld, auch und besonders euren Freundinnen und Freunden gegenüber. Scheut euch nicht, anzusprechen, wenn ihr das Gefühl habt, dass etwas im Argen liegt oder dass ihr regelmäßig draufzahlt. Je eher ihr euch das traut, umso wahrscheinlicher ist es, dass ihr bei eurem Gegenüber auf Verständnis stoßt – und die Freundschaft intakt bleibt.

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