Gelato-Künstler: Wer macht das beste Eis?

Ein Klassiker: das Spaghetti-Eis. Foto: Uwe Anspach

Die Deutschen sind große Eisesser - fast so leidenschaftlich wie die Italiener. Die würden allerdings keinen Eisbecher zum Mittag bestellen oder gar Spaghetti-Eis. Das ist beides typisch deutsch.

Als Erfinder des Spaghetti-Eises gilt der Mannheimer Einwanderersohn Dario Fontanella (65), der auf die Idee kam, Vanille-Eis durch eine Spätzlepresse zu drücken. Das war 1969. Heute ist Deutschland beim Eis immer noch kreativ. Das will ab Freitag eine Eismeisterschaft in Berlin zeigen.

Es gibt gut 9000 Eisdielen zwischen Flensburg und Passau. Ein Drittel davon stellt das Eis selbst her. Nach dem kalten April und den Regengüssen vergangene Woche hat die Saison dieses Jahr noch Luft nach oben.

Die Kugel kostet zwischen 80 Cent und 1,60 Euro. Alle Sommer wieder hört Branchenkennerin Annalisa Carnio die gleiche Frage: Warum ist das Eis so teuer? Dabei habe die Kugel doch früher nur 30 Pfennig gekostet. Das pariert die Sprecherin der Union italienischer Speiseeishersteller eiskalt: «Wie groß war die Eiskugel? Das war wie ein Eidotter.» Früher wog die Kugel laut Carnio 30 Gramm, heute bis zu 120 Gramm.

Und die Sorten: Früher gab es den Fürst-Pückler-Dreiklang Schoko-Vanille-Erdbeere. Im Schnitt hatten die Eisdielen 15 bis 20 Sorten, heute sind es laut Carnio doppelt so viele. Jede Saison kommt etwas Neues, ob Rote Beete oder Lakritz, vegan oder lactosefrei.

Die Spanne reicht von «Cranberry Hanf» über die «Königin des Sommers» bis zu «Green Smoothie» - so heißen Kreationen, die bei der «Gelato World Tour» auf dem Potsdamer Platz antreten. 16 Finalisten messen sich vor Fachleuten und Publikum bei einer Art deutschen Meisterschaft. Die besten Drei reisen im September ins italienische Rimini. Dort geht es um den Weltmeister-Titel «World's Best Gelato».

Bis eine neue Eissorte fertig ist, kann es Monate dauern, wie Angelika Kaswalder (32) von der Berliner Eisdiele «Cuore Di Vetro» erzählt. «Eis ist eine echte Wissenschaft», sagt die Italienerin. Sie mag das Kreative an ihrem Job und schaut genau, wie die Zutaten miteinander reagieren. Bei der Gelato-Meisterschaft ist Kaswalder mit «Black Star» dabei - benannt nach dem letzten Album von David Bowie. Es ist eine Kombination aus Maronen, dunkler Schokolade und einer durch Tabak aromatisierten Sahne.

Aus dem bayerischen Holzkirchen kommt «Bombay Dream». Eismeister Herbert Franz (55) hatte die Idee durch einen Nachtisch im Thai-Restaurant. Auf der Zutatenliste: Basmati-Reis, Kokosmilch, Mango, bunter Pfeffer, Anis, Zimtblüte und Rosenwasser. Franz ist gelernter Konditor. Aprikose mit Thymian, Eis aus Veilchenblüten oder Zwetschgenknödeln: Das «Franzetti» denkt sich gerne etwas Neues aus. «Wir sind Handwerker», sagt Franz. Gescheitert ist er bei einer Zutat: «Tomate pur - kriege ich nicht hin.»

Die Expertin Annalisa Carnio hat einen Trend beobachtet: «Die Kunden wollen immer mehr Fruchteissorten.» Früher war alles Zitrone oder Erdbeere, heute kommen Mango, Papaya, Waldfrüchte oder Birne ins Hörnchen. «Die Leute haben das Gefühl, sie essen etwas Frisches, und das stimmt auch», sagt Carnio. Und Klassiker wie Malaga? «Gibt es noch, aber ist nicht so gefragt wie Mangolassi.»

World Gelato Tour

Teilnehmer Berlin