Gekonnt kontern: Eine Verhandlungsexpertin verrät, wie ihr eure Schlagfertigkeit trainieren könnt

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Ein blöder Spruch auf der Straße, eine gehässige Bemerkung vom Kollegen, die schnell abgeblockte Frage nach mehr Gehalt: Es gibt viele Situationen, in denen es wunderbar wäre, eine schlagfertige Antwort parat zu haben. Im entscheidenden Moment kommt diese aber oft nicht. Wenn überhaupt, dann erst, wenn es viel zu spät ist - zwei Stunden später unter der Dusche oder beim Spaziergang mit dem Hund. Warum ist einem das nicht früher eingefallen? Jetzt braucht den passenden Spruch doch keiner mehr.

Falsch, findet Verhandlungstrainierin und Karrierecoachin Claudia Kimich. "Ärgern bringt gar nix", sagt sie. Es ist sogar eher kontraproduktiv. Denn dann, so Kimich, speichere unser Unterbewusstsein den Gedanken als negativ ab. Die Folge: Beim nächsten Mal fällt einem wahrscheinlich wieder keine schlagfertige Reaktion ein. Anstatt euch zu ärgern, solltet ihr euch deshalb lieber über den guten Gedanken freuen, rät Kimich – auch wenn dieser zu spät kommt. Denn nur so lasse sich Schlagfertigkeit antrainieren.

Legt euch dafür ein kleines Notizbuch an, in dem ihr jede Situation notiert, in der ihr gerne mit einer einfallsreichen Antwort gekontert hättet. Fällt euch diese zu einem späteren Zeitpunkt ein, schreibt ihr sie in auf die Seite daneben. Spielt den Vorfall in Gedanken noch einmal durch, nur dieses Mal mit der passenden Antwort. Versucht dabei, ein echtes Gefühl zu produzieren – egal ob Triumph, Zufriedenheit oder Genugtuung. Statt Unmut merkt sich euer Gehirn dann nämlich eine positive Emotion. "Aufschreiben, einsetzen, feiern", sagt Kimich. Den Gedanken laut aussprechen und üben. "Dann klappt es auch mit der Schlagfertigkeit."

Schlagfertigkeit verleiht Souveränität

Ein positiver Nebeneffekt: Wer sich sicher fühlt, der strahlt auch Sicherheit aus. "Und dann greift einen auch niemand mehr an", sagt Kimich. Das Wissen, eine gute Antwort in der Hinterhand zu haben, macht euch automatisch souveräner. Schlagfertigkeit setzt Grenzen und verschafft Respekt. Es kann also passieren, dass – sobald euch einmal ein guter Konter eingefallen ist – ihr diesen gar nicht mehr so oft einsetzen müsst.

Voraussetzung für Schlagfertigkeit ist allerdings immer eine gewisse Portion Mut. Wer sich aus Angst, etwas Peinliches oder Falsches zu sagen, immer zurückhält, wird wahrscheinlich nie besonders schlagfertig. "Einfach trauen und raushauen", lautet deshalb Kimichs Devise. Es muss nicht immer jedem gefallen, was ihr sagt. Was zudem wichtig ist: Steht zu euren Aussagen und redet sie nicht im Nachhinein klein. Denn das nimmt euch eure Souveränität wieder.

Lasst euch nicht provozieren

Wer jemand anderen allerdings wirklich verletzt, der sollte sich entschuldigen. Generell gilt: Schlagfertigkeit basiert auf humorvollen, klugen Antworten – nicht auf aggressiven Kommentaren, die unter die Gürtellinie gehen. Ähnlich sieht das der deutsche Journalist und Betreiber von "Karrierebibel", Jochen Mai. Statt einen blöden Spruch persönlich zu nehmen, rät er in einem Beitrag, einfach darüber zu lachen. Nichts, schreibt Mai, wirke so schlagfertig, wie zu zeigen, dass man über sich selbst lachen kann. Vor allem im Job sei Humor von großer Bedeutung. Will man etwa den herablassenden Kommentar eines Kollegen kontern, lockere Humor nicht nur auf, er sorge auch für das nötige Taktgefühl.

Hilfreich sind auch ein großer Wortschatz und gutes Allgemeinwissen. Nicht umsonst wird als Synonym für Schlagfertigkeit der Begriff "Wortgewandtheit" verwendet. Mais Tipp: Viel lesen, viel reden und üben, mit Worten zu spielen. Je mehr jemand über verschiedene Themen Bescheid wisse, desto leichter sei es für denjenigen in einer unangenehmen Lage wortgewandt zu kontern.

Bei alldem solltet ihr euch nicht zu sehr unter Druck setzen. Es ist auch völlig in Ordnung in einer Stresssituation nicht zu wissen, was man antworten soll. Wichtig ist, euch nicht provozieren zu lassen, sondern gelassen und entspannt zu reagieren. Ein Konter muss laut Mai auch nicht immer total geistreich sein. Oft würde ein einfaches "Ist das wirklich das Beste, was Ihnen eingefallen ist", schon reichen. Denn in den meisten Fällen war der Kommentar eures Gegenübers auch nicht besonders originell. "Keiner ist auf einen Schnipps auf einmal total schlagfertig", sagt auch Kimich. Gebt euch Zeit zum Üben - dann fallen euch beim nächsten dummen Spruch vielleicht schon die passenden Worte ein.

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