Gekommen, um die Welt zu erobern

Das Roboter-Geschäft boomt: Bis 2020 soll sich der weltweite Bestand an Industrierobotern laut dem Branchenverband IFR auf drei Millionen verdoppeln. Deutsche Hersteller hoffen schon 2017 auf einen Umsatzrekord.


Was Arbeitnehmer zittern lässt, bringt die Hersteller zum Jubeln: Bis 2020 soll der Bestand der in Fabriken eingesetzten Roboter auf mehr als drei Millionen Stück wachsen, schätzt der Branchenverband International Federation of Robotics (IFR) in seinem aktuellen Jahresbericht. Derzeit werden weltweit etwa 1,3 Millionen Industrieroboter eingesetzt. Der IFR geht also von einer deutlichen Verdopplung aus – in weniger als drei Jahren.

IFR-Präsident Joe Gemma zeigte sich bei der Präsentation des „World Robotics Report 2017“ in Frankfurt optimistisch: „Roboter, die präzise und vernetzt arbeiten, werden künftig eine Schlüsselrolle in der industriellen Fertigung einnehmen.“ Das rasant wachsende Modellangebot erweitere die Einsatzmöglichkeiten und erlaube es bald auch kleineren Unternehmen, ihren Betrieb ohne großen Aufwand zu automatisieren.


Allein im vergangenen Jahr stieg der Absatz von Robotern weltweit um 16 Prozent auf rund 295.000 verkaufte Einheiten, so die Jahresbilanz. 74 Prozent der Nachfrage kam dabei aus nur fünf Ländern: China, Südkorea, Japan, die USA und Deutschland. Auch für die kommenden Jahre rechnet der Verband wieder mit merklichen Zuwächsen. „Wir gehen derzeit von zweistelligen Wachstumsraten bis 2020 aus“, so Gemma, der neben dem IFR auch das US-Geschäft des Augsburger Herstellers Kuka leitet.

Treiber dieser Entwicklung sei vor allem der Markt in Asien und Australien: Wurden 2016 noch rund 191.000 Geräte dorthin verkauft, werden es 2020 etwa 354.000 sein, schätzt der Verband – ebenfalls eine Verdopplung. In den USA dürfte die Zahl der Roboter demnach pro Jahr immerhin noch um 15 Prozent wachsen. Derzeit seien dort rund 31.000 Geräte im Einsatz.


In Deutschland dagegen, dem fünftgrößten Robotermarkt, dürfte das Wachstum der Nachfrage etwas geringer ausfallen. Hier rechnet der IFR mit einer Zunahme von rund fünf Prozent pro Jahr. Allerdings sind die Geräte hier schon in vielen Fabriken verbreitet: Pro 10.000 Angestellte gab es in Fertigungsbetrieben der Bundesrepublik 2016 etwa 309 Roboter. Nur in Südkorea war die Roboterdichte höher – dort wurden zuletzt 631 Roboter pro 10.000 Angestellte verzeichnet. In China, wo die Branche die meisten Roboter verkauft, lag die Zahl lediglich bei 68 Robotern.

Beliebt sind die automatischen Helfer derzeit vor allem in der Autoindustrie, die weltweit für rund 35 Prozent der gesamten Nachfrage verantwortlich ist. Dicht darauf folgen Elektronikkonzerne mit 31 Prozent sowie der Metall- und Maschinenbau mit neun Prozent. Die Gummi- und Plastikindustrie und die Lebensmittel- und Getränkeindustrie liegen mit einem Anteil von fünf beziehungsweise drei Prozent an der Gesamtnachfrage deutlich dahinter. Auf andere Branchen entfallen rund 17 Prozent.


Unterstützt werden die Zahlen der IFR durch eine Branchenprognose, die der Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) am Mittwoch parallel veröffentlichte und die sich mit der Angebotsseite des Roboter-Geschäfts beschäftigt: Der Verband erhöhte das erwartete Umsatzwachstum der Branche in Deutschland für 2017 von sieben auf elf Prozent. Allein der Umsatz mit Robotern steige hierzulande demnach um 15 Prozent – ursprünglich war der Verband von acht Prozent ausgegangen.

Norbert Stein, Vorsitzender des Vorstands der VDMA-Sparte Robotik und Innovation, sagte: „Sowohl die Auftragseingänge als auch die Umsatzentwicklung des laufenden Jahres haben unsere Erwartungen deutlich übertroffen.“ In diesem Jahr würden die deutschen Hersteller erstmals die Rekordmarke von 14 Milliarden Euro Branchenumsatz knacken.