Es geht nicht um Geld: Was alle in der Debatte um Hartz IV falsch verstehen

Agatha Kremplewski

416 Euro für Essen, Kleidung und Co.: So viel Geld steht einem Hartz-IV-Empfänger monatlich zur Verfügung.

Und so viel Geld soll auch Jens Spahn laut einer Petition nur noch ausgeben dürfen, zumindest einen Monat lang. Auf diese Weise soll der neue Gesundheitsminister nach seiner umstrittenen Aussage lernen, was Armut wirklich bedeutet.

Dass der Plan aufgeht, Herr Spahn von seinem “Armutspraktikum” lernt und wir daraus nachhaltige Schlüsse für den Umgang mit Hartz IV ziehen, bezweifle ich allerdings.

Bei der aktuellen Debatte um Hartz IV, die Herr Spahn losgetreten hat, geht es größtenteils darum, ob 416 Euro pro Monat zum Leben ausreichen. Das hat mit den eigentlichen Problemen der Hartz-IV-Empfänger nichts zu tun.

Es geht nicht um Geld.

Die eigentlichen Probleme der Hartz-IV-Empfänger

Denn belastender als die Tatsache, am Existenzminimum zu leben, ist für viele Hartz-IV-Empfänger die Isolation und gesellschaftliche Ächtung.

Mehr zum Thema: Mehr Geld hilft keinem Hartz-IV-Empfänger – sie brauchen etwas ganz anderes

Vor allem als Kind von Hartz-IV-Empfängern finde es sehr lobenswert, dass Sandra S., selbst Hartz-IV-Empfängerin, sich stark gemacht und das Wort gegen Jens Spahn ergriffen hat.

Ich finde es beeindruckend, dass die Petition, die sie ins Leben rief, schon über 150.000 Befürworter gefunden hat und es anscheinend so viele Menschen gibt, die die Armutsproblematik von Hartz IV nachvollziehen können oder selbst erlebt haben.

Jedoch kann der Schuss auch ganz schön schnell nach hinten losgehen.

Die Lebensrealität von Hartz-IV-Empfängern wird er nicht kennenlernen 

Selbst wenn Herr Spahn sich nun tatsächlich dazu bereit erklärt, einen Monat lang vom Hartz-IV-Satz zu leben: Er wird trotzdem seiner normalen Tätigkeit nachgehen.

Er wird jeden Tag ins Büro fahren, seine Kollegen treffen und gratis Kaffee trinken. Er wird vielleicht nicht in schicken Vier-Sterne-Restaurants essen können – aber sein Leben wird...

Weiterlesen auf HuffPost