Es geht um Öl, Macht und Oligarchen-Geld: Netflix bringt die Kultserie "Borgen" zurück

Fortsetzung der dänischen Polit-Kultserie "Borgen" neun Jahre nach ihrem vermuteten Ende. Unter dem Titel "Borgen - Macht und Ruhm" holen Netflix und die Original-Produzenten von DR die Erzählung zurück in den Serienkosmos von  heute. Auch die Hauptdarstellerinnen Sidse Babett Knudsen (rechts) und Birgitte Hjort Sørensen sind wieder dabei. (Bild: Mike Kollöffel / Netflix)
Fortsetzung der dänischen Polit-Kultserie "Borgen" neun Jahre nach ihrem vermuteten Ende. Unter dem Titel "Borgen - Macht und Ruhm" holen Netflix und die Original-Produzenten von DR die Erzählung zurück in den Serienkosmos von heute. Auch die Hauptdarstellerinnen Sidse Babett Knudsen (rechts) und Birgitte Hjort Sørensen sind wieder dabei. (Bild: Mike Kollöffel / Netflix)

Zwischen 2010 und 2013 erzählte die dänische Serie "Borgen" über die fiktive Ministerpräsientin Birgitte Nyborg (Sidse Babett Knudsen) auf faszinierende Weise vom Politbetrieb und dessen Folgen fürs persönliche Leben seiner Protagonisten. Nun wird die Kultserie fortgesetzt - bei Netflix ab 2. Juni.

Als 2010 die dänische Serie "Borgen" bei ARTE startete, war die Serienlandschaft noch eine andere. Erst Anfang 2014 begann Amazon mit seinem Video-Streamingdienst in Deutschland, Netflix kam im Herbst des gleichen Jahres hinzu. An Apple oder Disney als gewichtige Produzenten von Qualitätsserien war da noch gar nicht zu denken. Trotzdem oder gerade deshalb sprach es sich bald herum, dass "Borgen" - die Erzählung des Lebens der fiktiven dänischen Ministerpräsidentin Birgitte Nyborg (Sidse Babett Knudsen) - ein außergewöhnliches Programm war. Präzise, spannend und mit viel Insider-Wissen über den Politbetrieb und die ihn begleitenden Medien hatten das dänische Staatsfernsehen DR und Showrunner Adam Price eine grandiose Drama-Serie erschaffen.

"Borgen" erzählte von Strategien und Intrigen des Regierens, von persönlichen Abhängigkeiten und Verwerfungen, aber auch von persönlichen Krisen der Protagonistinnen und Protagonisten. Nach drei Staffeln, im Jahr 2013, war Schluss. Beim DR galt damals die gute Regel: Nach drei Staffeln sollte man etwas Neues machen, um nicht an erzählerischer Qualität zu verlieren. Schön, wenn man ein Pferd nicht tot reiten muss, weil ein "Franchise" bedient werden muss. Dennoch freuen sich nun die meisten, dass diese Entscheidung nicht endgültig war.

Im Frühjahr 2020 kam die überraschende Ankündigung, dass "Borgen" als Koproduktion von Netflix und DR fortgesetzt wird. Ab Donnerstag, 2. Juni, wird man die acht neuen Folgen in Deutschland beim Streaminganbieter abrufen können. In Dänemark liefen sie als TV-Ereignis im Wochenrhythmus bereits seit Februar. In der neuen vierten Staffel, die im Dänischen den Beinamen "Riget, Magten og Æren" ("Das Reich, die Macht und die Ehre") erhalten hat, geht es um einen großen Ölfund auf Grönland und um das Verhältnis der teilautonomen ehemaligen Kolonie vom kleinen dänischen "Mutterland".

Apropos Mutter: Natürlich sind auch die Protagonistinnen und Protagonisten der Serie älter geworden. Birgitte Nyborg ist nun 53 und Single, ihre beiden Kinder sind erwachsen. Sie hat eine Brustkrebserkrankung überstanden und ist mit ihrer Partei als kleinerer Regierungspartner der neuen Ministerpräsidentin Signe Kragh (Johanne Louise Schmidt) wieder im politischen Amt.

Borgen, die überraschende Staffel vier: Birgitte Nyborg (Sidse Babett Knudsen) ist jetzt Außenministerin - und ein weiblicher Single von 53 Jahren. In Dänemark gilt sie als Polit-Legende. Doch sie hat auch viele Gegner ... (Bild: Mike Kollöffel / Netflix)
Borgen, die überraschende Staffel vier: Birgitte Nyborg (Sidse Babett Knudsen) ist jetzt Außenministerin - und ein weiblicher Single von 53 Jahren. In Dänemark gilt sie als Polit-Legende. Doch sie hat auch viele Gegner ... (Bild: Mike Kollöffel / Netflix)

Russland, Ukraine: Die neue Weltordnung schon Teil der Erzählung

Eigentlich, so die Storyline der neuen Folgen, sind Nyborg und ihre Partei für Klimaschutz und gegen die Ausbeutung neuer fossiler Brennstoffe. Doch die Lage ist kompliziert. In Grönland erhofft man sich von den Ölfunden mehr Unabhängigkeit und Geld für die die marginalisierte Bevölkerung des Inuit-Teilstaates. Gleichzeitig existiert das Problem, dass der Ölkonzern vor Ort mit russischem Oligarchen-Geld arbeitet. Sogar der Angriff Russlands auf die Ukraine inklusive neuer Weltordnung floss bereits in die Drehbücher der vierten "Borgen"-Staffel ein. Auch wenn man nicht weiß, wie das auf die Schnelle überhaupt klappen konnte. Inhaltlich und künstlerisch knüpft das Programm dort an, wo es vor neun Jahren aufhörte: "Borgen - Macht und Ruhm" ist herausragendes Serienfernsehen, grandios geschrieben und gespielt. In Dänemark zeigte sich die Kritik nach der langen Pause zu Recht sehr angetan vom Ergebnis.

Mit dabei sind eigentlich fast alle Figuren, die schon damals relevant waren. Birgitte Hjort Sørensen als Journalistin Katrine Fønsmark oder auch Søren Malling, der wieder den Journalisten Torben Friis spielt. Nicht mehr an Bord ist dagegen Pilou Asbæk als Nyborgs Berater Kasper Juul. Dafür sind einige neue Figuren hinzugekommen, die dem toll fotografierten Handlungsort Grönland oder auch der Weiterentwicklung der Story in Kopenhagen geschuldet sind. Vielleicht der wichtigste Neue: Mikkel Boe Følsgaard verkörpert Asger Holm Kirkegaard, den neuen Assistenten von Birgitte Nyborg, der für sie in Grönland Verhandlungen führen soll. Im Gegensatz zum Beginn der Serie, als Sidse Babett Knudsen eine Idealistin spielte, die überraschend im höchsten Staatsamt gelandet war, eine noch junge Frau mit zwei Kindern, sieht man nun eine privat eher einsame Frau in der Midlife-Crisis. Und man merkt Birgitte Nyborg die Härte der Politik äußerlich, aber auch innerlich an. Vielleicht ist das neue "Borgen" - zumindest zum Staffelbeginn - deshalb noch etwas kühler als das alte. Aber keinesfalls weniger faszinierend. Schön, dass eine der besten Serien, die das europäische Fernsehen in diesem Jahrtausend erfand, wieder zurück ist.

Mein Gott, ist der Sohn groß geworden. In Staffel vier lebt Birgitte Nyborg (Sidse Babett Knudsen) alleine in ihrem Haus. Doch dann zieht ihr mittlerweile erwachsener Sohn Magnus (Lucas Lynggaard Tønnesen) wieder bei ihr ein. (Bild: Mike Kollöffel / Netflix)
Mein Gott, ist der Sohn groß geworden. In Staffel vier lebt Birgitte Nyborg (Sidse Babett Knudsen) alleine in ihrem Haus. Doch dann zieht ihr mittlerweile erwachsener Sohn Magnus (Lucas Lynggaard Tønnesen) wieder bei ihr ein. (Bild: Mike Kollöffel / Netflix)
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