Darum geht Gomez zurück nach Stuttgart

Sebastian Mittag, Reinhard Franke

Es war die große Überraschung auf dem Transfermarkt: Mario Gomez kehrt zurück zum VfB Stuttgart.

Der Nationalstürmer erhält einen Vertrag bis 2020, die Schwaben überweisen etwas mehr als drei Millionen an den VfL Wolfsburg. Dass die Schwaben zuvor Simon Terodde zum 1. FC Köln ziehen ließen, erscheint nun in einem neuen Licht. Offenbar war der Gomez-Deal zu diesem Zeitpunkt bereits eingetütet.

SPORT1 erklärt, warum Gomez zurück zum VfB geht.

- Heimat

Gomez spielte insgesamt acht Jahre lang für den VfB. Erst in der Jugend, dann bei den Amateuren und von 2004 bis 2009 bei den Profis, mit denen er 2007 Deutscher Meister wurde. Gomez ist gebürtiger Schwabe, der VfB seine sportliche Heimat.

Das machte auch sein Berater Uli Ferber bei SPORT1 deutlich: "Der Wunsch von Mario war es, wieder in seine Heimat zurückzukehren und der VfB Stuttgart wollte ihn unbedingt verpflichten. Als sich dann eine Möglichkeit abzeichnete, dass dies schon im Winter funktionieren kann, habe ich mich mit allen Parteien offen darüber ausgetauscht und besprochen."

Bedeutet: Wäre der Transfer im Winter gescheitert, wäre Gomez sicher im Sommer zum VfB gewechselt.


Wegen einer Klausel hätte er dann ohnehin aus seinem bis 2019 laufenden Vertrag aussteigen können, wenn der VfL das internationale Geschäft verpasst.

Mit 32 Jahren wollte der Angreifer nach Stationen beim FC Bayern, AC Florenz, Besiktas Istanbul und dem VfL Wolfsburg unbedingt zurück nach Hause.

Das stellte Gomez auch selbst klar: "Ich bin sehr glücklich, wieder zu Hause zu sein, dort, wo alles für mich begonnen hat. Gerade in den letzten Tagen und in der heißen Phase habe ich immer mehr gespürt, wie sehr ich das will, wie sehr ich zurück nach Stuttgart möchte."

- Familie

Für Gomez beginnt auch familiär ein neues Kapitel: 2018 wird der Nationalspieler Vater. Vergangene Woche bestätigte Gomez, dass seine Frau Carina schwanger ist.

"Ja, es stimmt, wir bekommen Nachwuchs. Wir freuen uns sehr", sagte er der Bild.

Die anstehenden Vaterfreuden werden ein Grund für die Entscheidung für Stuttgart gewesen sein. Die Jahre der Wanderschaft sind vorbei. Gomez will, dass sein Kind in der Nähe der Großeltern und der restlichen Famile in Schwaben aufwächst. Sein Elternhaus in Unlingen ist nur eineinhalb Autostunden von Stuttgart entfernt.

Es sieht sehr danach aus, als wäre der VfB Gomez' letzte Karrierestation. Auch nach der aktiven Laufbahn wird Familienmensch Gomez wohl im Stuttgarter Raum bleiben. Dort hat er übrigens schon zu Bayern-Zeiten als Investment für die Jahre nach der Profikarriere ein Hotel gekauft.

- Stammplatz

Sportlich macht der Wechsel nach Stuttgart ebenfalls Sinn für Gomez. In Wolfsburg spielte er nach einer Verletzungspause zwar regelmäßig, seine Ausbeute ließ allerdings zu wünschen übrig: Nur ein Tor und drei Vorlagen schaffte er in der Hinrunde. 

Auch weil ihm seit dieser Saison Liverpool-Leihgabe Divock Origi zur Seite gestellt wurde. Gomez war im Zweiersturm nicht mehr die zentrale Anspielstation, Wolfsburg scheint sich nun auch mit Origi alleine gut aufgestellt zu fühlen.


In Stuttgart wird Gomez zunächst einmal unumstritten sein. Das machte Sportchef Michael Reschke klar: "Das Wichtigste ist, dass wir mit Mario nicht nur einen Klassetyp und eine Identifikationsfigur verpflichten konnten, sondern dass wir einen Torjäger der Extraklasse bekommen. Dies ist das alles Entscheidende!"

Die VfB-Bosse sehen Gomez als neuen Stürmer Nummer eins, das Angriffsspiel der Mannschaft wird auf den Mittelstürmer ausgerichtet werden.

- Ziel: WM

Gomez hat ein großes Ziel vor Augen: Die WM im Sommer in Russland.

Das stellte er gleich nach dem Wechsel unmissverständlich klar: "Es heißt ab jetzt, alles für den Klassenerhalt zu geben, eine gute Rückrunde zu spielen und zusätzlich für mich, mein Ziel die Weltmeisterschaft zu erreichen."

Gomez weiß: Will er noch auf den WM-Zug aufspringen, muss er Bundestrainer Joachim Löw in der Rückrunde überzeugen. Das geht nur mit regelmäßigen Einsätzen und Toren.

Hierfür schätzt Gomez die Chancen beim VfB offensichtlich deutlich besser ein als in Wolfsburg.