Das Milliarden-Geheimnis der NFL-Fabrik

Eric Böhm
·Lesedauer: 4 Min.
Das Milliarden-Geheimnis der NFL-Fabrik
Das Milliarden-Geheimnis der NFL-Fabrik

1,28 Milliarden Dollar - diese unglaubliche Summe haben seit 2008 jene 96 Profis verdient, die Alabama in die NFL gebracht hat.

Ein Ende ist dabei nicht in Sicht, denn auch in der ersten Runde des Drafts 2021 wurden gleich sechs neue Stars der Crimson Tide ausgewählt. Damit stellte Alabama den Rekord der University von Miami aus dem Jahre 2004 ein.

Diese unerreichte Erfolgsgeschichte hat vor allem ein Gesicht: Nick Saban. In der NFL als Trainer gescheitert, zog er seine Schlüsse und errichtete eine Dynastie, die wohl nie wieder erreicht wird. Zu seinen Spielern gehören Julio Jones, Clavin Ridley, Jon Allen, Daron Payne, Tua Tagovailoa, Kenyan Drake, Derrick Henry, Alvin Kamara, Ryan Kelly, Minkah Fitzpatrick, O.J. Howard, Jerry Jeudy und so weiter und so weiter.

Saban holte bereits sechs Meistertitel mit Alabama

Der inzwischen 69-Jährige holte nicht nur sechs Meistertitel - darunter drei der vergangenen sechs und fünf Teilnahmen am College Football Playoff. (Alles Wichtige zur NFL)

Ganz nebenbei baute er auch die ergiebigste Football-Fabrik der USA auf und versorgt Jahr für Jahr die NFL mit neuen Superstars, die auch fast ausnahmslos an ihre College-Leistungen anknüpfen.

Seit 2017 sind es immer mindestens zehn seiner Spieler, die im Draft ausgewählt werden, inklusive 2021 sind es unglaubliche 39 allein in der ersten Runde.

NFL-Erfahrung und ein Kontrahent

Aber was ist Sabans Geheimnis?

Noch vor seinem gefloppten Ausflug in die NFL zu den Miami Dolphins (2005-2006) hatte er mit LSU eine College-Meisterschaft gewonnen, aber bei seiner Rückkehr fand er 2007 eine veränderte Situation vor.

Die SEC war - nicht zuletzt dank ihres eigenen TV-Deals - zur besten Conference im College Football gewachsen. Urban Meyer, der neue Coach der Jacksonville Jaguars, hatte in Florida eine NFL-Talentschmiede geschaffen, die 2006 und 2008 den Titel gewann.

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Saban musste sich neu erfinden und nutzte dabei seine NFL-Erfahrung. Einst hatte er in Cleveland unter der späteren Patriots-Legende Bill Belichick gearbeitet und entwickelte einen einfach genialen Plan.

"Er führt praktisch ein NFL-Team"

Was wollen die besten High-School-Spieler? Natürlich in die NFL! Also installierte er ein Profisystem in Alabama. Dazu gehören Spielsystem, perfekte Trainingsbedingungen, harter, aber sachlicher Führungsstil, Co-Trainer mit NFL-Erfahrung - hier werden talentierte Jungs systematisch zu Profis aufgebaut.

"Wenn du nach Alabama gehst, bekommst du die volle NFL-Packung. Wie sie mit Ernährung, Gewichtestemmen, Aufwärmprogramm, Flüssigkeitszufuhr umgehen - er führt praktisch ein NFL-Team in Tuscaloosa", sagt der langjährige NFL-General-Manager Mike Tannenbaum über Saban.

Kreislauf an Talent und "Faulheit" der NFL

Das Kalkül ist klar: Alabama rekrutiert fast exklusiv Spieler, die das Potenzial haben, in der ersten Draftrunde ausgewählt zu werden. Bei manchen dauert es länger, manche schaffen es schneller, aber das ist die Prämisse.

Dadurch ist das Team so talentiert, jedes Jahr um den College-Titel mitzuspielen - und macht sich damit automatisch bei den größten High-School-Talenten immer attraktiver, denn die wollen natürlich auch das große Geld verdienen. So ist ein Kreislauf entstanden.

Zudem nutzt Saban die "Faulheit" der NFL-Verantwortlichen. Dort gibt es die Tendenz, College-Spieler aus Teams zu bevorzugen, die schon erfolgreiche NFL-Profis herausgebracht haben.

Ein Beispiel aus dem Jahr 2013, damals gehörten folgende Running Backs zum Alabama-Team: Kenyan Drake, Derrick Henry, Alvin Kamara und T.J. Yeldon - fast alle wurden später Topstars. (Wissensdatenbank zur NFL: Regeln, Modus, Hintergründe)

Saban-Spieler sind bereit für die Profis

Bei Saban-Spielern wissen NFL-Coaches und -Manager, dass sie körperlich und mental für die NFL bereit sind. Sie verstehen die komplizierten Spielzüge und Konzepte, weil sie sie zum Großteil von Alabama kennen und haben Sabans Wettkampfgeist in sich aufgesogen.

"Ich denke, eine Sache, die NFL-Leute über unsere Spieler sagen, ist, dass sie einen ziemlich hohen Football-IQ haben. Denn wir versuchen, ihnen beizubringen, was sie tun müssen, aber auch, warum es wichtig ist, dass sie es tun. Das machen vielleicht andere nicht", sagte Saban schon 2018 in einem Interview mit der Website der Atlanta Falcons.

Die Alabama-Spieler kennen somit bereits Konzepte und Terminologie aus der NFL und sind so sofort anderen Rookies einen Schritt voraus.

Zu aktuellen oder ehemaligen NFL-Trainern, die bereits unter Saban arbeiteten, gehören Josh McDaniels (Patriots), Jason Garrett (Dallas Cowboys), Joe Judge (New York Giants), Dan Quinn (Atlanta Falcons) und viele mehr.

Zudem bindet Saban auch gezielt seine ehemaligen Spieler und heutigen NFL-Superstars ein - zum Beispiel bei Alabama-Spielen an der Seitenlinie als Gäste. Das macht natürlich viel Eindruck auf junge Spieler, die die Universität besuchen, bevor sie sich für ein College entscheiden.

Andere College-Teams kopieren Saban

Meyer brachte dieses Konzept später zu Ohio State, die es bis heute umsetzen. Auch viele ehemalige Saban-Assistenten kopieren ihren Chef heute - beispielsweise Clemson, Oregon oder Georgia, aber das Original bleibt unerreicht.

"Wenn du in die NFL, musst du nach Alabama" - dieses Mantra führt zu einem Strom, der wie ein Perpetuum Mobile hochklassige Talente über Saban in die NFL führt. Ein einfach geniales Erfolgsgeheimnis.