Geheimdienstexperte zu Gifteinsätzen

Mario Scaramella ist ein Zeuge des Litwinenko-Falls gewesen. Der italienische Geheimdienst-Experte zieht im euronews-Skype-Interview mögliche Parallelen zwischen dem alten und dem neuen Vergiftungsfall russischer Spione in London:

"Der Litwinenko-Fall ist wie eine Art Blaupause, denn die Verwendung einer Mischung aus Substanzen wie Polonium 210 und anderen ist sehr außergewöhnlich: Man braucht ein Atomkraftwerk, um es herzustellen, und der Einsatz dieser Art von Waffen ist so kompliziert, es ist so schwierig, fachgerecht mit dem Material umzugehen, dass es ziemlich einfach war, den russischen Staat dafür verantwortlich zu machen. Mit Sarin und anderen Nervengasen ist das etwas anderes, denn es ist nicht schwer, diese Gifte zu besorgen.

Das Besondere ist natürlich der Einsatz dieser Art von Waffen: Technisch gesehen sprechen wir über den Einsatz chemischer Massenvernichtungswaffen. Das bedeutet, dass jemand im Namen Russlands eine Massenvernichtungswaffe gegen terroristische Anschläge auf britischem Boden herstellt, das ist eine so hohe Bedrohung, dass die Entscheidung dazu wieder nur auf höchster Ebene möglich war.

Also: Ähnliches Niveau des politischen Signals, aber technisch gesehen etwas anders ausgeführt."