Westliche Geheimdienste streiten über Corona-Ursprung

Unter fünf eng kooperierenden westlichen Geheimdiensten gibt es wohl einen Disput darüber, ob das Coronavirus aus einem chinesischen Labor stammen könnte.

Trump hatte Spekulationen über die Theorie angefacht, dass das Sars-CoV-2-Virus in einem chinesischen Labor gezüchtet wurde. Foto: dpa

Westliche Geheimdienste streiten offenbar über die These, dass das Sars-CoV-2-Virus in einem chinesischen Labor gezüchtet wurde. Die australische Zeitung „Saturday Telegraph” berichtet von einem Dossier, das auf riskante Forschungsarbeiten in einem Labor in der chinesischen Stadt Wuhan hinweise.

Es soll von einem der „Five Eyes“-Geheimdienste verfasst worden sein, also entweder von einem Dienst in den USA, Großbritannien, Australien, Kanada oder Neuseeland. Die Dienste dieser Länder tauschen sehr intensiv Informationen miteinander aus.

US-Präsident Donald Trump hatte Spekulationen über die Labor-Theorie angefacht. Wissenschaftler halten es allerdings für viel wahrscheinlicher, dass Sars-CoV-2 von Tieren auf Menschen übergesprungen ist. Fledermäuse, die auf Wildtiermärkten in Wuhan gehandelt wurden, könnten daran beteiligt gewesen sein. In China ist der Handel mit wilden Tieren deswegen seit März verboten.

Auch US-Geheimdienste gehen offiziell davon aus, dass das Virus natürlichen Ursprungs ist und nicht künstlich erzeugt wurde. In dem Papier ist dagegen von riskanter Forschung am Institut für Virologie in Wuhan die Rede.

Laut „Saturday Telegraph“ geht es in dem Papier auch um Vorwürfe gegen chinesische Behörden. Sie sollen demnach frühe Warnungen von Medizinern unterdrückt, das wahre Ausmaß des Ausbruchs heruntergespielt und Informationen zensiert haben. Diese Vorwürfe sind seit Längerem öffentlich bekannt. Der Geheimdienst, der das 15-seitige Dokument verfasst hat, spricht von einem „Anschlag auf die internationale Transparenz“.

Besonders kritisiert wird, dass China noch bis zum 20. Januar bestritten hatte, dass sich das Virus von Mensch zu Mensch übertrage. Dafür habe es schon seit Anfang Dezember Hinweise gegeben. Auch wird China vorgeworfen, Virusproben vernichtet zu haben und Veröffentlichungen von Wissenschaftlern über das Virus streng zu kontrollieren. Chinas Behörden hätten sich auch geweigert, Lebendproben internationalen Forschern zur Verfügung zu stellen.

Bundesaußenminister Heiko Maas forderte China auf, sich umfänglich an der Aufklärung des Coronavirus-Ursprungs zu beteiligen. „Die ganze Welt hat ein Interesse, dass der genaue Ursprung des Virus geklärt wird“, sagte der SPD-Politiker den Zeitungen der Funke Mediengruppe. „Fundierte Antworten darauf muss aber die Wissenschaft geben, nicht die Politik. China kann hier unter Beweis stellen, wie transparent es mit dem Virus tatsächlich umgehen will.“

China setzt EU unter Druck

Auch zwischen der EU und China gibt es diplomatische Auseinandersetzungen. Seit dem Brexit ist kein EU-Staat mehr beim Geheimdienstbündnis „Five Eyes“ dabei.

In einem am vergangenen Freitag veröffentlichten Bericht des Auswärtigen Dienstes der EU wird unter anderem Russland und China vorgeworfen, in der Coronakrise gezielt irreführende oder falsche Informationen zu verbreiten.

Vorwurf Vertuschung: China sieht Ablenkungsmanöver der USA

Einige Medien hatten schon vor der Veröffentlichung über eine andere Version des Berichts geschrieben. Daraufhin übte China diplomatischen Druck aus, den Bericht abzuschwächen, bestätigte der EU-Außenbeauftragte Josep Borrell. Details nannte er nicht.

Die „New York Times“ schrieb von internen E-Mails des Auswärtigen Dienstes, wonach der Fokus des Berichts weniger auf Russland und China gelegt werden sollte. Borrell wehrte sich gegen den Vorwurf, der Bericht sei abgeschwächt worden. Er habe auf die Intervention hin keine Änderungen angewiesen. Tatsächlich sind die Unterschiede zwischen den beiden Versionen des Berichts sehr gering.

„Wir haben uns niemandem gebeugt“, sagte Borrell am Donnerstag vor dem Auswärtigen Ausschuss des Europaparlaments. „Wir schrecken nicht davor zurück, Fälle eindeutiger Desinformation durch China zu benennen.“
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