Gehaltsunterschied: Erst in 217 Jahren verdienen Frauen das Gleiche wie Männer

Frauen verdienen nach wie vor deutlich weniger als ihre männlichen Kollegen. (Bild: ddp images)

Noch immer bekommen Männer mehr Gehalt als Frauen. Wie Studien zeigen, liegt die Differenz zwischen der Bezahlung durchschnittlich bei 21 Prozent, in manchen Branchen ist der Unterschied sogar noch höher. Laut dem „Gender Gap Report 2017“ des WEF sind wir von einer wirtschaftlichen Gleichstellung von Männern und Frauen noch immer Jahre weit entfernt. Genauer gesagt: 217 Jahre.

Der seit 2006 jährlich erscheinende WEF-Bericht bewertet die Gleichheit der Geschlechter in 144 Ländern in vier Kategorien: Neben Gesundheit, dem Bildungsweg und politischer Teilhabe werden auch die wirtschaftlichen Chancen in Bezug auf Löhne, Management und dem Arbeitsmarkt untersucht.

Die Gründe für den noch immer viel zu großen Gehaltsunterschied sind laut Bericht vielschichtig: Einerseits sind „typische Frauenberufe“ wie Verkäuferin, Reinigungskraft oder Erzieherin oft grundsätzlich schlechter bezahlt. Wie eine Vorgänger-Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) zeigt, bekommen aber auch Männer in solchen Berufen häufig mehr Gehalt als ihre weiblichen Kolleginnen.

So verdienen beispielsweise männliche Sprechstundenhilfen 43 Prozent mehr Bruttolohn als ihre Kolleginnen. Dabei liegt der Frauenanteil in diesem Job bei mehr als 90 Prozent. Die Studie des DIW fußt auf Daten des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) aus dem Jahr 2014.

Laut der beiden Wirtschaftsstudien wird es also noch eine ganze Weile dauern, bis die geschlechtsspezifische Diskrepanz am Arbeitsplatz geschlossen wird. Laut der Schätzung des WEF-Berichts ganze 217 Jahre bis zum Jahr 2234. Doch es gibt auch Gutes zu berichten: Immer mehr Länder versuchen, die wirtschaftliche Gleichstellung von Frauen mit einer besseren Wirtschaftsleistung in Verbindung zu bringen. Das verdeutlicht einen langsamen Bruch mit dem globalen Trend der Ungleichstellung: Mehr als die Hälfte aller 144 Länder, die in diesem Jahr berücksichtigt wurden, haben sich in den letzten 12 Monaten verbessert, so der WEF-Report.

Island hat es geschafft, fast 88 Prozent des Gehaltsgefälles zu schließen. (Bild: Global Gender Gap Report 2017, World Economic Forum)

Die Top-10 der Länder, in denen der geringste Gehaltsunterschied existiert wird von Island angeführt. Deutschland befindet sich auf Platz 12. Unter den G20-Staaten rangiert die Bundesrepublik allerdings auf Platz zwei, nach Frankreich.

Klaus Schwab, Gründer und Vorstandsvorsitzender des Weltwirtschaftsforums, erklärt den positiven Trend: „Wir bewegen uns von der Ära des Kapitalismus in die Zeit des Talentismus. Die Wettbewerbsfähigkeit auf nationaler und betrieblicher Ebene wird mehr denn je durch die Innovationskraft eines Landes oder eines Unternehmens bestimmt. Diejenigen Unternehmen, die es am besten verstehen, Frauen als eine wichtige Kraft in ihren Talentpool zu integrieren, werden dabei am erfolgreichsten sein.”