Wie wird die Gehaltsobergrenze der Formel 1 für 2023 funktionieren?

Adam Cooper
·Lesedauer: 10 Min.

Eine Gehaltsobergrenze sowohl für Fahrer als auch für das Top-Team-Personal ab 2023 ist seit einer Sitzung der Formel-1-Kommission im Anschluss an den portugiesischen Grand Prix einen Schritt näher gerückt. Aber wie wird sie funktionieren? Und kann sie kontrolliert werden?

Noch müssen die Details dazu abgesegnet werden. Bisher hat man sich darauf geeinigt, dass eine Zügelung der Gehälter der logische nächste Schritt nach der Einführung der Budgetobergrenze ist, die in der kommenden Saison in Kraft tritt.

Zu Beginn dieses Jahres, als der Start der Saison 2020 verschoben wurde und die Formel-1-Organisation nur begrenzte Einnahmen zur Bezahlung der Teams erzielte, trafen die Interessenvertreter des Sports eine kluge Entscheidung, die künftigen Ausgaben zu reduzieren.

Deckelung der Fahrergehälter als logischer Schritt

Die ursprüngliche Budgetobergrenze war auf 175 Millionen Dollar festgelegt worden, aber nach Diskussionen wurde sie drastisch auf 145 Millionen Dollar für 2021, dann auf 140 Millionen Dollar für 2022 und 135 Millionen Dollar für 2023 reduziert.

Allerdings gibt es eine lange Liste von Posten, die nicht in der Budgetobergrenze enthalten sind. Sie deckt im Wesentlichen die Kosten für den Bau und Betrieb der Autos ab. Zu den Ausnahmen gehören die Gehälter der Fahrer sowie der drei bestbezahlten Mitarbeiter jedes Teams - in der Regel einschließlich des Teamchefs und des technischen Direktors.

Da sich alle Beteiligten bewusst sind, dass die finanziellen Auswirkungen von COVID-19 noch jahrelang spürbar sein könnten, haben sich die Teamchefs nun bereit erklärt, Fahrer und sich selbst in die Kostendecklung einzubeziehen.

Maximal 30 Millionen Dollar für Fahrerpaarung

Die Einschränkungen werden jedoch erst 2023 in Kraft treten. Bereits unterzeichnete Verträge, die sich auf diese betreffende Saison erstrecken - wie der Vertrag von Charles Leclerc bei Ferrari - sind davon nicht betroffen und unterliegen einer Übergangsfrist. Bis zur Veröffentlichung der Regeln gibt es zudem ein Fenster, in dem neue Verträge vereinbart werden können.

Die Grundidee besteht darin, dass die Teams ein Budget von maximal 30 Millionen Dollar zur Verfügung haben, das zwischen zwei Fahrern aufgeteilt werden kann. Die meisten werden wesentlich weniger als das ausgeben. Theoretisch könnte die Rechnung gleich Null sein, wenn es sich um zwei Paydriver handelt, die Sponsorengelder mitbringen und kein Gehalt vom Team erhalten.

Teams können auch mehr als 30 Millionen Dollar für Fahrer ausgeben, wenn sie dies wünschen. Aber es wurde vereinbart, dass jeder Überschuss von der Obergrenze des operativen Budgets eines Teams abgezogen wird. Andersherum funktioniert es nicht: Teams können also keine Gutschrift erhalten, wenn sie das Limit von 30 Millionen Dollar für Fahrer nicht ausschöpfen, um das Feld anderweitig auszugeben.

Investitionen in das Auto und die Fahrer abwägen

Ein Hauptthema der Diskussion in der Sitzung der Formel-1-Kommission war die Idee, dass die 30 Millionen Dollar einfach mit dem Rest der Budgetobergrenze in einen Topf geworfen werden könnten, sodass für 2023 der Gesamtbetrag 135 Dollar plus 30 Millionen Dollar oder 165 Millionen Dollar betragen würde.

In dem Fall könnten die Teams entscheiden, wie die Zuteilung erfolgen soll. Haas-Chef Günther Steiner, dessen Team niemals die Obergrenze von 30 Millionen Dollar für Fahrergehälter erreichen wird, sieht in diesem Konzept einen Weg in die Zukunft.

Günther Steiner sieht in der Gehaltsfrage keine schnelle Lösung

Günther Steiner sieht in der Gehaltsfrage keine schnelle Lösung<span class="copyright">Motorsport Images</span>
Günther Steiner sieht in der Gehaltsfrage keine schnelle LösungMotorsport Images

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"Ich denke, irgendwann wird es diesen Übergangspunkt geben", sagte er in Imola. "In dem Sinne, dass wenn man in Fahrer investiert, nicht in das Auto investieren kann. Aber man muss diese Dinge Schritt für Schritt angehen. Das letztendliche Ziel wäre: Wie viel investiert man in die Fahrer und wie viel investiert man in das Auto? Aber das können wir nicht sofort tun."

Als Teil der Budgetobergrenze? Das spricht dagegen

"Wir müssen zuerst diese finanziellen Regelungen stabilisieren, damit wir genau wissen, wie sie funktionieren, und dann vielleicht einen Schritt nach vorne machen können. Das habe ich immer gesagt: Wenn wir eine Finanzregelung haben, können wir jetzt mit ihr arbeiten, an ihr feilen, so wie wir es mit den technischen Vorschriften tun."

Die Idee, die 30 Millionen Dollar zum Rest der Budgetobergrenze hinzuzufügen, stieß jedoch auf Widerstand, und zwar aus logischen Gründen, denn theoretisch könnte ein Team von Jahr zu Jahr von einer billigen zu einer teuren Fahrerpaarung wechseln oder umgekehrt.

Damit geht die Sorge einher, dass man, wenn man von billigen zu teuren Fahrern wechselt, möglicherweise andere Teammitglieder entlassen muss, um das Geld zu haben. Und das würde wiederum keine sehr gute Botschaft aussenden.

Üppige Sponsorengelder verzerren das Gesamtbild

Dieses Szenario führte zu der Vereinbarung, dass die Zahlungen aus einem separaten Topf kommen sollten. Nur wenn ein Team sich entscheidet, über die 30 Millionen Dollar hinauszugehen, würde sich dies auf die Gesamtbudgetobergrenze auswirken.

Die Grauzone, die noch weiter untersucht und verfeinert werden muss, ist die Frage, wie man verhindern kann, dass Teams eine Gehaltsobergrenze umgehen, indem sie Gelder aus anderen Quellen kanalisieren.

Zwischen Lewis Hamilton und Toto Wolff laufen die Vertragsverhandlungen noch

Zwischen Lewis Hamilton und Toto Wolff laufen die Vertragsverhandlungen noch<span class="copyright">Motorsport Images</span>
Zwischen Lewis Hamilton und Toto Wolff laufen die Vertragsverhandlungen nochMotorsport Images

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"Ich denke, deshalb wäre es interessant, mit Vertretern der Fahrer und den Fahrern selbst an einem Tisch zu sitzen und zu fragen, wie wir uns langfristig so ausrichten können, dass alle von einem Wachstum in der Formel 1 profitieren. Und zwar so, wie es der amerikanische Sport getan hat, ohne den zukünftigen Einnahmen der Fahrer wirklich zu schaden."

Und was ist mit den Teamchefs? Sie haben erkannt, dass es nicht gut aussehen würde, die Gehälter der Fahrer zu begrenzen, und nicht ihre eigenen. Die Komplikation bei der Beschränkung der Zahlungen auf die drei besten Mitarbeiter besteht jedoch darin, dass das System zwischen den zehn Teams gerecht ausbalanciert sein muss, und doch ist jedes Team anders aufgestellt.

Bei einigen sind der Teamchef und der CEO ein und dieselbe Person. Bei anderen sind sie es nicht. Bei McLaren zum Beispiel verbringt Zak Brown einen Großteil seiner Zeit mit Nicht-Formel-1-Projekten, wie würde also sein Gehalt aufgeteilt werden?

Und wo würde jemand wie Helmut Marko, technisch gesehen ein Angestellter der Hauptfirma Red Bull, aber in zwei Teams involviert, hineinpassen? Die meisten Teamchefs sind reine Angestellte, während andere - insbesondere Toto Wolff bei Mercedes - auch Aktionäre sind, was die Sache noch komplizierter macht.

Darüber hinaus sind die Zahlungen für Spitzenkräfte in der Regel an den Erfolg gekoppelt, wobei für Rennsiege und Titel beträchtliche Boni gezahlt werden. Offizielle Aufzeichnungen zeigen, dass der höchstbezahlte Direktor des Mercedes-Teams, von dem wir mit Sicherheit annehmen können, dass es sich um Wolff handelt, im Jahr 2019 6,9 Millionen Pfund erhalten hat, was einen weiteren Doppeltitel widerspiegelt.

Gehälter der Teammitglieder im großen Topf?

Die Größe des Topfes für die drei bestbezahlten Teammitglieder steht noch nicht fest. Eine Option, die zur Diskussion steht, ist, dass - im Gegensatz zu den Fahrern - diese Zahl zur Gesamtbudgetobergrenze hinzugerechnet werden könnte.

Das würde für die Spitzenkräfte funktionieren, da die Zahlungen und vertraglichen Vereinbarungen im Laufe der Zeit tendenziell stabiler sind, ohne das bei den Fahrern zu beobachtende Potenzial für ein Auf und Ab.

So bestünde die Möglichkeit, anstatt das Gesamtbudget von 135 Millionen Dollar für 2023 um sagen wir mal 5 Millionen Dollar aufzustocken, die Gehälter der Chefs einfach in diese ursprüngliche Zahl von 135 Millionen Dollar einzubeziehen, um die Obergrenze zu drücken und die Gesamtausgaben weiter zu senken.

Seidl sieht "nicht wirklich viele Negativbeispiele"

Die Teamchefs haben die Gehaltsobergrenze mit unterschiedlichem Enthusiasmus begrüßt. "Wir unterstützen die Diskussion über die Einführung einer Gehaltsobergrenze für die Fahrer", sagte Andreas Seidl von McLaren. "Ich sehe nicht wirklich viele Negativbeispiele, und ich denke, es gibt genug Beispiele in anderen Sportarten, dass die Einführung tatsächlich machbar ist."

Für Andreas Seidl steht die Notwendigkeit von Kürzungen außer Frage

Für Andreas Seidl steht die Notwendigkeit von Kürzungen außer Frage<span class="copyright">Motorsport Images</span>
Für Andreas Seidl steht die Notwendigkeit von Kürzungen außer FrageMotorsport Images

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"Ich halte es nur für wichtig, dass wir parallel dazu eine Obergrenze für die drei höchsten Gehälter jedes Teams einführen. Für uns ist es einfach der nächste logische Schritt, nachdem wir im nächsten Jahr die Budgetobergrenze eingeführt haben."

"Wir alle wissen, dass wir im Moment finanziell vor schwierigen Zeiten stehen. Wir wissen auch nicht, wie lange genau diese COVID-Situation andauert und welche Auswirkungen sie mittel- und langfristig hat. Deshalb unterstützen wir diese Diskussionen auf jeden Fall."

Horner: "Es soll den Teams diktiert werden ..."

Christian Horner, dessen Team Red Bull Racing mit einem laufenden, mehrjährigen Vertrag mit Max Verstappen in der großen Gehaltsklasse spielt, klang weniger überzeugt.

"Die Diskussion über eine Deckelung ist im Moment nicht mehr als das", sagte er. "Es gibt keine festen Regeln oder Vorschriften, es wurde nicht abgestimmt, es ist nicht Teil eines sportlichen, finanziellen oder anderen Reglements geworden."

"Wenn eine Mannschaft sich dafür entscheidet, mehr auszugeben, als die Obergrenze vorsieht, dann wird es vom Betrag des Gesamtbudgets abgezogen. Es geht also nicht darum, den Betrag, den ein Fahrer verdienen kann, zu begrenzen, sondern einem Team einfach vorzuschreiben, dass es für die Fahrer eine maximale Summe gibt. Alles, was darüber hinausgeht, müsste effektiv aus dem Gesamtbudget kommen."

Binotto bleibt vorsichtig: Noch keine Entscheidung

"Offensichtlich sind die Kosten im Moment für jeden empfindlich, und es wurde nach einer vernünftigen Antwort gesucht. Wir werden sehen, wohin das führt. Aber es ist weit davon entfernt, ein Regelwerk zu sein, denn es gibt alle möglichen rechtlichen Verzweigungen, die geprüft werden müssen, um zu sehen, ob es tatsächlich umsetzbar ist."

Ferrari-Chef Mattia Binotto, der sich zu einem langfristigen Vertrag mit Leclerc verpflichtet hat, betonte ebenfalls, dass die Details wichtig sein werden.

Charles Leclerc hat bis einschließlich 2024 bei Ferrari unterschrieben

Charles Leclerc hat bis einschließlich 2024 bei Ferrari unterschrieben<span class="copyright">Motorsport Images</span>
Charles Leclerc hat bis einschließlich 2024 bei Ferrari unterschriebenMotorsport Images

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"Was ich sagen kann, ist, dass wir meiner Meinung nach noch keine Entscheidung getroffen haben", so der Italiener. "Die einzige Entscheidung, die getroffen wurde, ist, dass wir alle bereit sind, die Situation weiter zu analysieren, um zu bewerten, welches System zur Anwendung kommen kann."

Auswirkungen auf neue Fahrerverträge unklar

"Wir haben einen langfristigen Vertrag mit Charles abgeschlossen, es ist also eine heikle Angelegenheit. Ich glaube nicht, dass es eine einfache Lösung gibt. Wir müssen uns wirklich damit befassen und alle Auswirkungen verstehen, die ich im Moment noch nicht genau kenne. Ich bin also aufgeschlossen, aber ohne Position."

Es ist ein komplexes Thema, aber sowohl die Formel 1 als auch die FIA haben einige clevere Leute, die am finanziellen Reglement arbeiten und sich auch schon mit der allgemeinen Budgetobergrenze befasst haben.

Jetzt stellt sich die Frage nach dem Timing und wie sich das auf alle neuen Fahrergeschäfte auswirkt, die zu den aktuellen Marktpreisen vereinbart oder verlängert werden, bevor neue Beschränkungen in Kraft treten. Ein Mann, der definitiv nicht in absehbarer Zeit Mega-Deals abschließen wird, ist Franz Tost von AlphaTauri. Er ist der Ansicht, dass Spitzenfahrer zu hoch bezahlt werden.

Weniger Einnahmen bedingen geringeres Gehalt

"Wir wissen nicht, wie es nächstes Jahr sein wird", sagte er. "Ob Zuschauer bei den Rennen zugelassen werden oder nicht. Und wenn Zuschauer nicht zugelassen werden, bedeutet das, dass die Einnahmen reduziert werden. Die FOM wird weniger Geld bekommen, wir werden weniger Einnahmen haben."

"Die Teams werden weniger bekommen, und ich sehe keinen Grund, warum die Fahrer nicht weniger bekommen sollten. Zunächst einmal sollten sie sowieso glücklich sein, in einem so fantastischen Auto zu sitzen und einen so tollen Job zu haben. Und dann bekommen sie ein bisschen Geld. So wird die Zukunft sein..."

Mit Bildmaterial von Motorsport Images.