Gehaltslücke zwischen Frauen und Männern im Jahr 2019 kaum verkleinert

Hohe Einkommenskluft zwischen Frauen und Männern

Die Bemühungen von Politik und Wirtschaft reichen nicht: Auch im vergangenen Jahr haben Frauen in Deutschland deutlich weniger verdient als Männer. Sie erhielten im Schnitt 20 Prozent weniger, wie das Statistische Bundesamt am Montag mitteilte. Der Verdienstunterschied zwischen Frauen und Männern war damit nur ein Prozentpunkt geringer als in den Vorjahren. Gewerkschaftsvertreter forderten deshalb Lohnerhöhungen in typischen Frauenberufen wie Grundschullehrerinnen oder im sozialen Bereich.

Zum internationalen Tags für die gleiche Bezahlung von Frauen und Männern (Equal Pay Day) am Dienstag legten die Statistiker anhand fortgeschriebener Ergebnisse der Verdienststrukturerhebung ernüchternde Zahlen vor. Demnach verdienten Frauen im Jahr 2019 mit durchschnittlich 17,72 Euro brutto in der Stunde 4,44 Euro weniger als Männer. Diese erhielten demnach 22,16 Euro in der Stunde. 2018 hatte die Differenz 4,51 Euro betragen.

Aus der Politik wurden Rufe nach einem beschleunigten Vorgehen gegen die Gehaltsdifferenzen laut. Die arbeitsmarkt- und sozialpolitische Sprecherin der SPD-Bundestagsfraktion, Katja Mast, will das Entgelttransparenzgesetz nachschärfen. Auch die Vereinbarkeit von Familie und Beruf durch den Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung im Grundschulalter müsse weiter gestärkt werden und die Frauenquote auch in den Vorständen ankommen, erklärte Mast. Sie forderte die Union auf, sich in diesen Fragen zu bewegen.

Kritik an der Bundesregierung kam von den Grünen. Laut Ulle Schauws, Sprecherin für Frauenpolitik, und Beate Müller-Gemmeke, Sprecherin für Arbeitnehmerrechte, brachte das Entgelttransparenzgesetz der großen Koalition keinerlei Verbesserung und laufe ins Leere.

Sie forderten ein "echtes" Entgeltgleichheitsgesetz mit verbindlichen und zertifizierten Prüfverfahren, das sowohl große als auch kleine Betriebe in die Verantwortung nimmt. Gleichzeitig müsse das Verbandsklagerecht und die Anwendbarkeit des Gruppenverfahrens umgesetzt werden, damit betroffene Frauen nicht weiterhin allein und völlig ohne Unterstützung vor Gericht ziehen müssen, um Recht zu bekommen. Zudem forderten sie eine Aufwertung der Sozial- und Pflegeberufe, die überwiegend von Frauen ausgeübt werden.

Gewerkschaftsvertreter forderten die Politik zum raschen Handeln auf. Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft etwa verlangte mehr Geld für Lehrer an Grundschulen, wo zu 90 Prozent Frauen beschäftigt seien. Alle Bundesländer sollten sämtliche Lehrkräfte dort nach den Besoldungsstufen A13 für Beamte und E13 für Angestellte bezahlen, erklärte Frauke Gützkow, GEW-Expertin für Frauenpolitik.

"Das überkommene Motto 'Kleine Kinder, kleines Geld' diskriminiert Frauen. Frauenarbeit ist genau so viel wert wie die Arbeit von Männern", erklärte Gützkow. Auch Rechtsgutachten bestätigen der GEW demnach, dass die schlechtere Bezahlung der Grundschullehrerinnen gegenüber Lehrkräften an anderen Schulformen eine mittelbare Diskriminierung sei. "Damit ist die überkommene Ungleichbehandlung der verschiedenen Lehrämter sogar verfassungswidrig", betonte Gützkow. Sie kündigte an, den Druck auf die Arbeitgeber weiter zu erhöhen.

Die Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU) forderte die Aufwertung typischer Frauenberufe. "Gerade in Haushalten mit niedrigem Einkommen sind es häufig die Frauen, die das Geld nach Hause bringen. Der Kampf um gleiche Bezahlung darf keine unendliche Geschichte werden", erklärte IG-BAU-Bundesvorstandsmitglied Ulrike Laux.

"Die Betriebe müssen handeln, aber die Politik ist ebenfalls gefordert und muss gesetzliche Rahmenbedingungen setzen. Es ist überfällig, dass Brüssel öffentliche Konsultationen zur Entgelttransparenz startet", forderte Laux. Die EU-Richtlinie müsse zudem so gestaltet sein, dass sie Gewerkschaften die Möglichkeit einräumt, Regelungen zu verhandeln, die Frauen ein gleiches Entgelt am Arbeitsplatz garantieren.