Guardiolas Probleme wachsen - nicht nur auf dem Platz

Johannes Fischer
·Lesedauer: 4 Min.

Pep Guardiola hat mit Manchester City den schlechtesten Saisonstart seiner Trainerkarriere hingelegt. Doch nicht nur sportlich sorgt er für negative Schlagzeilen.

Pep Guardiola und Manchester City stecken in der Krise. (Bild: Getty Images)
Pep Guardiola und Manchester City stecken in der Krise. (Bild: Getty Images)

Jahrelang war Pep Guardiola der Inbegriff des Über-Trainers.

Der katalanische Feingeist, ausgestattet mit dem kompletten taktischen Rüstzeug, trieb die Gegner dank seines ausgeklügelten Tiki-Taka-Fußballs nicht selten zur Verzweiflung.

Ob in Barcelona, München oder Manchester - überall hatte Guardiola damit Erfolg und sammelte reihenweise Meisterschaften ein. Dass er den Champions-League-Titel bislang nur mit Barca holte, blieb zwar ein Makel, schädigte seinen Ruf als genialer Coach aber lange kaum.

Inzwischen sind die Zeiten für Guardiola aber rauer geworden - und mittlerweile bläst ihm ein strammer Gegenwind ins Gesicht.

Der 17-Punkte-Rückstand auf Meister FC Liverpool in der Vorsaison gab schon erste Hinweise, dass der 49-Jährige mit seinem Ballbesitzfußball längst nicht mehr so en vogue ist wie noch vor einiger Zeit. Der Trend setzt sich nahtlos in der neuen Saison fort: Mit acht Punkten aus fünf Spielen liegt Manchester City nach dem 1:1 bei West Ham nur noch auf Platz 13 - auch wenn die Citizens noch ein Nachholspiel haben.

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Guardiola mit seinem Latein am Ende?

"Wir haben bereits sieben Punkte verloren, was sehr viel ist", sagte Guardiola, der sich über die defensive Herangehensweise des Gegners mokierte. "Sie hatten viele Spieler im Strafraum. Ihre Verteidiger haben so tief verteidigt, dass es schwierig ist, Räume zu finden, aber wir hatten die Chancen."

Doch auch in früheren Tagen mussten sich Guardiolas Mannschaften durch das Dickicht kompakter Abwehrreihen kombinieren - und taten dies in aller Regel sehr erfolgreich. Dass sich sein aktuelles Team zunehmend schwerer tut, die Lücken zu finden, liege auch an der Müdigkeit seiner Akteure, rechtfertigt sich der Trainer.

"Ich hätte lieber Ergebnisse, aber ich muss auch den Stand der Dinge analysieren", erklärte der City-Chef. "Wir haben Probleme wegen der vielen Verletzungen, der mangelnden Vorbereitung und der fehlenden Erholungszeit zwischen den unglaublich harten Spielen."

Porto-Coach attackiert Guardiola

Mit dem enttäuschenden Remis am Samstag legte Guardiola den schlechtesten Saisonstart seiner Profitrainerkarriere hin. In den vergangenen Wochen hatte City bereits gegen Leicester City (2:5) verloren und gegen Aufsteiger Leeds United 1:1 gespielt.

Doch Guardiola muss sich nicht nur wegen der mageren Punkteausbeute rechtfertigen - auch Nebenschauplätze verhageln ihm derzeit die Laune. So attackierte ihn sein Gegenüber Sergio Conceicao nach dem 3:1-Sieg gegen Porto zum Champions-League-Auftakt heftig.

"Die Verhaltensweise von Pep Guardiola während des Spiels war nicht freundlich", giftete der Portugiese auf der Homepage des FC Porto nach dem Spiel. Er begründete den Auslöser für die Wortgefechte. "Neben der Art und Weise, wie er mit meinen Spielern und den Schiedsrichtern gesprochen hat: Er sprach über unser Land (Portugal). Und es waren keine netten Worte, sodass ich antworten musste."

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Guardiola verteidigt Agüero

Der 45-jährige Portugiese meinte zudem, dass Guardiola den Ausgang des Spiels maßgeblich beeinflusst hat - und er hatte dabei nicht taktische Umstellungen und Wechsel im Sinn. "Ich muss von ihm lernen, wie er Schiedsrichter beeinflusst, wie er mit den rivalisierenden Spielern und der rivalisierenden Bank spricht", meinte der Trainer durchaus ironisch.

Daneben begab sich Guardiola noch in ein weiteres Scharmützel, als er seinem Stürmer Sergio Agüero nach dessen Fauxpas mit Schiedsrichter-Assistentin Sian Massthe auch noch verbale Unterstützung gab. Der Argentinier hatte auf der Insel für Empörung gesorgt, als er seinen Arm auf die Schulter der Unparteiischen legte.

"Die Leute urteilen immer vorschnell", sagte Guardiola. "Ich kenne Sergio und weiß, dass er keine Aggressionen hegte und er auch bei anderen seine Hände freundschaftlich um die Schultern legt." Die Aussagen sorgten in der Öffentlichkeit nur für kollektives Kopfschütteln.

Zu allem Überfluss musste jener Agüero beim 1:1 gegen West Ham auch noch ausgewechselt werden und fehlt Guardiola nun wegen einer Verletzung an der Kniesehne in den kommenden Spielen.

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