Gegenwind für Aromenhersteller Symrise

Steigende Rohstoffkosten bremsen Symrise. Doch das erfolgreichste deutsche Chemieunternehmen der letzten Jahre lässt sich nicht beirren.

Mit Aromen kennt sich Heinz-Jürgen Bertram bestens aus. Doch den Geschmack des Kapitalmarktes hat der gelernte Chemiker und Chef des Duftstoff- und Aromenherstellers Symrise an diesem Mittwoch klar verfehlt, als er die jüngsten Zahlen und Prognosen des präsentierte.

Um zeitweise fast acht Prozent gab die Aktie des Holzmindener Chemiespezialisten bis zum frühen Nachmittag in Reaktion auf die Daten nach, bevor sie sich später wieder etwas erholte.

Investoren und Analysten hatten dem Unternehmen offenbar etwas mehr zugetraut, sowohl was das Ergebnis 2017 angeht als auch mit Blick auf die Prognose für 2018. Für zusätzliche Unsicherheit sorgen negative Währungseffekte und der Hinweis auf „deutlich steigende Rohstoffkosten.“


Insgesamt steigerte Symrise den Konzernumsatz 2017 um drei Prozent auf knapp drei Milliarden Euro. Der Betriebsgewinn (Ebit) legte um zwei Prozent auf 432 Millionen Euro zu, der Nettogewinn um ebenfalls zwei Prozent auf 270 Millionen Euro.

Das Ebit vor Abschreibungen (Ebitda) verbesserte sich auf vergleichbarer Basis nur um 0,8 Prozent auf 630 Millionen Euro und dürfte, gemessen an den bisherigen Prognosen 2018 ebenfalls kaum zulegen. Denn Symrise geht in der offiziellen Prognose zwar davon aus, dass man den Umsatz abermals kräftiger steigern kann als das auf drei bis vier Prozent geschätzte Marktwachstum. Zugleich stellt der Konzern aber eine Ebitda-Marge von „nur“ 20 Prozent in Aussicht, nach 21 Prozent im Vorjahr.

Firmenchef Bertram will diese Guidance indessen keineswegs als Signal für eine Wende im längerfristigen Trend verstanden wissen. „Profitables Wachstum ist auch in diesem Jahr ein klares Ziel für uns“, sagte er auf der Bilanz-Pressekonferenz. „Wir sind zuversichtlich für 2018. Die Treiber unseres Geschäfts sind intakt. Und wir sehen keinen Grund, warum der langfristige Trend gebrochen werden wollte.“

Die Mittelfristziele des Konzerns, die fünf bis sieben Prozent Wachstum sowie eine Ebitda-Marge zwischen 19 und 22 Prozent vorsehen, bekräftigte er.

Dabei räumt auch Bertram ein, dass die Aufwertung des Euros sowie steigende Rohstoffkosten derzeit einigen Gegenwind entfachen, dem sich auch Symrise nicht entziehen kann. In der knapp 30 Milliarden Euro großen Duftstoff- und Aromenindustrie sieht sich der Konzern sich mit rund elf Prozent Marktanteil auf Position zwei, hinter dem Schweizer Marktführer Givaudan und in etwa gleichauf mit den Konkurrenten IFF und Firmenich.


„Die Zeit des Rückenwinds bei den Rohstoffen ist vorbei, die Preise steigen in vielen Bereichen. Aber das kommt nicht ganz unerwartet, und wir können damit umgehen“, so der Symrise-Chef.

Grund für die steigenden Rohstoffkosten sind zum einen Missernten bei wichtigen Produkten wie Vanille und Zitrusfrüchten, zum anderen der Ausfall einer Großanlage für das wichtige Vorprodukt Citral bei BASF. Citral ist Ausgangssubstanz für zahlreiche Riech- und Duftstoffe sowie für Vitamine.

Die Produktionsanlage der BASF, die als weltweit größter Produzent dieser Substanz gilt, steht seit einem Brand im vergangenen Oktober still und soll erst in den nächsten Wochen wieder hochgefahren werden. Der Ausfall hat offenbar die gesamte Duftstoffindustrie getroffen.

Auch Symrise ist davon in gewissem Grade betroffen, wie Bertram erläuterte. Insgesamt sieht er das Unternehmen jedoch in einer besseren Ausgangsposition, um mit den Engpässen und Rohstoffpreissteigerungen fertig zu werden. „Egal, wie lange die Krise dauert – wir werden das Material haben, das wir brauchen.“


Kräftig in die „Rückwärtsintegration“ investiert

Der Holzmindener Konzern hatte in den letzten Jahren relativ kräftig in die „Rückwärtsintegration“ investiert. Das heißt, er hat relativ stark in eigene Anlagen für die Eigenversorgung mit wichtigen chemischen Ausgangsstoffe und Agrarrohstoffe wie Vanille und Bananen investiert.

Das ist aus Sicht des Symrise-Managements wichtig, um Qualitätsstandards für die eigenen Abnehmer, etwa aus der Kosmetik und Nahrungsmittelindustrie zu garantieren. Symrise produziert daher zum Beispiel auch selbst größere Mengen an Citral – aber nicht immer an dem Ort, wo man das Material benötige, wie Bertram erläutert.

Zweites Element der Symrise-Strategie ist die stetige Verbreiterung des Produktangebots durch Neuentwicklungen. Unter anderem hat das Unternehmen in den letzten Jahren für seine Abnehmer aus der Kosmetik- und Nahrungsmittelindustrie neue pflanzliche Substanzen und Zusätze für Hautpflegeprodukte probiotische Lebensmittel entwickelt. Bertram verweist auf eine Studie der britischen Analysefirma Patent Sight, die Symrise in einer Führungsposition in der Branche bei relevanten Patenten sieht.


Die dritte Säule der Strategie bildet die Expansion über kleinere und mittelgroße Zukäufe. Symrise agiert damit als einer der Konsolidierer im Markt und erwarb zuletzt zum Beispiel den brasilianischen Aromenhersteller Citratus. Auch diese Strategie will der Konzern fortsetzen. Man prüfe ständig fünf bis zehn Akquisitionskandidaten, sagte Bertram, aber viele Transaktionen seien einfach zu teuer.

Symrise entstand 2003 unter Regie der Private-Equity-Gesellschaft EQT aus dem Zusammenschluss der früheren Bayer-Tochter Haarmann & Reimer mit der ebenfalls in Holzminden ansässigen Firma Dragoco. Mit seiner dreigliedrigen Strategie ist dem Konzern seither ein sehr solider und relativ stetiger Aufstieg gelungen.

Seit dem Börsengang im Jahr 2006 hat sich der Wert des Konzerns in etwa vervierfacht, auf aktuell rund acht Milliarden Euro. In einer vor wenigen Monaten von der Boston Consulting Group (BCG) publizierten Studie, die den Total Shareholder Return von Chemieunternehmen analysierte, war Symrise der einzige deutsche Branchenvertreter, der es sowohl für den Fünf- als auch für den Zehnjahres-Zeitraum unter die Top-10 weltweit schaffte.

Insgesamt hat Symrise den Umsatz in den letzten zehn Jahren etwas mehr als verdoppelt und dabei Gewinn und Cashflow in etwa verdreifacht, wobei der Aufwärtstrend in den letzten beiden Jahres aber abgeflacht ist. Das gilt auch für den Free-Cashflow, der von relativ hohen Sachinvestitionen gebremst wird. Auch darin sieht Bertram eine Vorleistung für das nächste Jahrzehnt. „Wir sind nicht auf kurzfristigen Gewinn aus“, sagt er, „sondern wir haben den Fokus auf langfristig ertragreiches Wachstum.“