"Gegen Nordkorea werden weitere harte Sanktionen verhängt"

Nach dem erneuten Test einer Interkontinentalrakete ist die Kritik an Nordkorea weltweit groß. US-Präsident Donald Trump kündigt auf Twitter weitere Strafmaßnahmen an.



Nach dem erneuten Test einer nordkoreanischen Interkontinentalrakete hat US-Präsident Donald Trump weitere Strafmaßnahmen gegen das isolierte Land angekündigt. "Gegen Nordkorea werden heute weitere harte Sanktionen verhängt", twitterte Trump am Mittwoch nach einem Telefongespräch mit seinem chinesischen Kollegen Xi Jinping. Einzelheiten nannte er nicht.

Der chinesische Präsident erklärte der Nachrichtenagentur Xinhua zufolge, Ziele seines Landes seien Frieden und Stabilität in der Region und eine nukleare Abrüstung auf der nordkoreanischen Halbinsel. Trump drängt China schon länger dazu, mehr Druck auf die Regierung in Pjöngjang auszuüben.

Nordkorea hatte zuvor eine weitere Interkontinentalrakete getestet und kann damit nach eigener Darstellung alle Ziele in den USA angreifen. Machthaber Kim Jong Un habe den Test der Hwasong-15 persönlich geleitet und von einem "Durchbruch" gesprochen, berichteten die Staatsmedien am Mittwoch. Der Test löste weltweit scharfe Proteste aus. Die Börsen zeigten sich weitgehend unbeeindruckt.






"Feuert sie heldenhaft ab für Partei und Vaterland", schrieb Kim auf seinen Abschuss-Befehl, von dem das Staatsfernsehen ein Foto veröffentlichte. Das Geschoss flog nordkoreanischen Angaben zufolge 53 Minuten in einer Höhe von 4475 Kilometern und legte dabei etwa 950 Kilometer zurück. Dann sei es vor der Küste Japans ins Meer gestürzt. Damit sei das historische Ziel erreicht, die atomare Streitmacht des Landes zu vervollständigen, erklärte Kim den Staatsmedien zufolge. Nordkorea entwickelt die strategischen Waffen nach eigenen Angaben, um sich gegen die Erpressungspolitik und atomare Bedrohung durch "US-Imperialisten" zu verteidigen. Das Land sei eine "verantwortungsbewusste Atommacht".

Die Rakete wurde nach Angaben des südkoreanischen Militärs von Pyongsong in der südlichen Provinz Pyongan aus abgefeuert. Nordkorea zufolge geschah dies von einer neuen mobilen Abschussrampe, deren Funktion Staatschef Kim als einwandfrei bezeichnet und als "Durchbruch" gefeiert habe. Der Sprengkopf habe den Wiedereintritt in die Atmosphäre unbeschadet überstanden.

Vor dem Gespräch mit Xi hatte Trump bereits mit dem japanischen Ministerpräsidenten Shinzo Abe und mit Südkoreas Präsidenten Moon Jae In telefoniert. Die US-Regierung hat wiederholt erklärt, im Nordkorea-Konflikt blieben alle Optionen auf dem Tisch, die militärische wie die diplomatische. Verteidigungsminister Jim Mattis sagte, die Rakete sei höher als alle bisherigen geflogen. Ziel der Nordkoreaner sei es, ballistische Raketen zu entwickeln, die alle Teile der Welt erreichen könnten.

Könnten die Raketen die USA erreichen?

Die US-Organisation Union of Concerned Scientists erklärte, Flugkurve und Flugstrecke deuteten darauf hin, dass die Rakete eine Reichweite von mehr als 13.000 Kilometern habe und damit ohne Probleme den Osten der USA erreichen könne. Unklar ist nach Ansicht von Atomwissenschaftlern, ob die Rakete bereits jetzt einen schweren Atomsprengkopf über eine so weite Strecke transportieren kann.




Der UN-Sicherheitsrat sollte am Mittwoch zusammentreten. Generalsekretär Antonio Guterres sprach von einer klaren Verletzung von Resolutionen. Auch der langjährige Verbündete Nordkoreas, China, kritisierte den Test und äußerte die Hoffnung, dass alle Parteien Frieden und Stabilität bewahrten. Russland sprach von einem Akt der Provokation Bundeskanzlerin Angela Merkel twitterte, es sei wichtiger denn je, gegen die Bedrohung der internationalen Sicherheit durch die Regierung in Pjöngjang zusammenzustehen. Außenminister Sigmar Gabriel bestellte in Berlin den nordkoreanischen Botschafter ein.

Zuletzt hatte Nordkorea Mitte September eine Rakete abgefeuert, die über Japan hinweg geflogen war. Nach mehreren Raketen- und Atomtests in den vergangenen Monaten, mit denen die Führung in Pjöngjang gegen Auflagen der Vereinten Nationen verstieß, haben sich die Spannungen zwischen Nordkorea und den USA erheblich verschärft. Beide Seiten überzogen einander mit Drohungen und Kriegsrhetorik - unter anderem mit Flugblättern peitscht Kim Jong Un das Volk gegen die USA und Trump auf. (Hier zeigt die WirtschaftsWoche die erschreckendsten Beispiele der Flugblatt-Kampagne).

Erst vor kurzem verhängten die USA weitere Sanktionen gegen nordkoreanische und chinesische Firmen. Trump setzte Nordkorea wieder auf die Liste der Staaten, die nach US-Ansicht den Terrorismus unterstützen. Nordkorea erklärte, das Land habe mit Terrorismus nichts zu tun.




Als Erbe des Korea-Krieges von 1950 bis 1953 haben die USA in Südkorea 28.500 Soldaten stationiert und halten immer wieder gemeinsame Manöver ab. Die koreanische Halbinsel ist geteilt, Nord- und Südkorea haben nach dem Krieg keinen Friedensvertrag unterzeichnet.