Warum die gefallenen Tesla-Preise ein Zeichen sind, dass Elon Musk mit dem Rücken zur Wand steht

Lange galt Elon Musks Firma Tesla als Pionier der E-Auto-Branche. Doch die Konkurrenz ist erstarkt und Tesla hat die Preise gesenkt. - Copyright: Getty Images
Lange galt Elon Musks Firma Tesla als Pionier der E-Auto-Branche. Doch die Konkurrenz ist erstarkt und Tesla hat die Preise gesenkt. - Copyright: Getty Images

Wenn ihr euer Auge auf einen Tesla geworfen habt, ist jetzt vielleicht der richtige Zeitpunkt, um zuzuschlagen. Denn Tesla-Chef Elon Musk hat den Einstieg in den Elektroauto-Club gerade um einiges günstiger gemacht.

Das Elektroauto-Unternehmen hat die Preise für einige seiner Top-Modelle – darunter das SUV Model Y und das Model 3 – in den USA und Europa um bis zu 20 Prozent gesenkt, wie Preisänderungen auf der Website zeigen.

Obwohl sie immer noch relativ teuer sind, ist das ein deutlicher Rückgang bei den Fahrzeugpreisen. Und es ist ein Zeichen dafür, dass Tesla nach schrittweisen Preiserhöhungen, die sich über Monate gezogen haben, jetzt in den Verteidigungsmodus übergeht.

Tesla konnte Markterwartungen nicht erfüllen

Die Preissenkungen kommen, nachdem das Unternehmen Markterwartungen für die Auslieferungen im vergangenen Jahr inmitten eines wirtschaftlichen Abschwungs verfehlt hat. Im Zuge dessen fiel die Marktkapitalisierung, also der Wert aller Aktien zusammen, von einer Billion US-Dollar (umgerechnet 924 Milliarden Euro) auf weniger als 400 Milliarden Dollar (umgerechnet etwa 370 Milliarden Euro).

Und obwohl Musk bereits früher davon gesprochen hat, Teslas günstiger zu machen, ist es wahrscheinlicher, dass er durch die Umstände dazu gezwungen wurde.

Dieser Inhalt stammt von einem Drittanbieter. Um diesen anzuzeigen, müssen Sie Ihre Datenschutzeinstellungen ändern.
Dazu hier klicken.

Im November twitterte der Milliardär, dass die US-Bundesbank Fed die Zinssätze sofort senken müsse, "da sie die Wahrscheinlichkeit einer schweren Rezession massiv in die Höhe treibt". Seit seiner Übernahme von Twitter hat er die Plattform zunehmend genutzt, um deutlich zu machen, dass er mit der Art und Weise, wie die Fed aggressive Zinserhöhungen durchführt, um die Inflation wieder auf ihr Ziel von zwei Prozent zu bringen, unzufrieden ist. Das kommt nicht von ungefähr: Steigende Zinssätze haben Tesla schließlich zu schaffen gemacht.

Die Anleger haben sich aus denselben Gründen von der Tesla-Aktie abgewandt, aus denen auch die Tech-Aktien im Allgemeinen gefallen sind: Spekulative Unternehmen, die auf die Zukunft setzen, sind für die Anleger derzeit weniger attraktiv als sichere Wertaktien wie Rohstoffe.

Das hat ein Umdenken darüber ausgelöst, ob Tesla als normales Autounternehmen oder als Technologieunternehmen bewertet werden sollte, wobei letztere aufgrund des Versprechens einer branchenverändernden Innovation eigentlich erhebliche Aufschläge genießen. Die Zinserhöhungen zwingen die Anleger zu mehr Klarheit in dieser Frage.

Die Zinserhöhungen haben auch die Kosten für die Finanzierung des Kaufs eines Tesla erhöht, was es für die bereits von der Inflation gebeutelten Verbraucher schwieriger macht, auf einen Tesla zu wechseln.

Als Reaktion auf einen Twitter-Thread über Verbraucher, die vor dem Inkrafttreten der Zinserhöhungen einen Kredit aufgenommen haben und nun mit höheren Rückzahlungen konfrontiert sind, twitterte Musk, dass dies möglicherweise "die größte Finanzkrise aller Zeiten" auslösen könnte.

Die Nachfrage ist ein größeres Problem als die Fed

In einer Research Note sagte Dan Ives, Senior Equity Research Analyst bei der Investmentfirma Wedbush Securities, dass "es kein Geheimnis ist, dass die Nachfrage nach Tesla anfängt, Risse zu bekommen", da eine globale Verlangsamung der Wirtschaft, die im Jahr 2022 begann, bis ins Jahr 2023 anhält.

Und eine "nachlassende Nachfrage für den globalen Elektrofahrzeug-Markt" sei ein größerer Treiber für Preissenkungen als Zinserhöhungen, sagt Simon Moores zu Business Insider. Er ist CEO von Benchmark Mineral Intelligence. Er fügte hinzu, dass der Auftragsbestand von Tesla deutlich zurückgegangen sei und Preissenkungen ein guter Weg seien, um die kurz- und mittelfristige Verkaufspipeline zu erweitern.

Der Elektrofahrzeug-Kampf nimmt Fahrt auf

Tesla ist außerdem nicht mehr der einzige Name im Elektroauto-Segment. Nachdem er jahrelang der einzige ernstzunehmende Akteur in der Branche war, haben die traditionellen Autohersteller begonnen, aufzuholen und den Verbrauchern, die von Benzinern umsteigen wollen, Alternativen zu bieten.

Laut einem im Dezember veröffentlichten Bericht von Experian über die Automobilindustrie machten Teslas 65,4 Prozent der Neuzulassungen von Elektroautos in den USA von Januar bis September 2022 aus. Ein Rückgang gegenüber 68,2 Prozent im Jahr 2021 und 79,4 Prozent im Jahr 2020.

Der Trend ist gekommen, um zu bleiben. Tesla muss den Wettbewerb und den Preiskampf ernst nehmen. Auch wenn die Rabatte für Kaufinteressenten von Tesla-Fahrzeugen dem Aktienkurs des Autobauers kurzfristig schaden, kann sich das Unternehmen diesen Schritt derzeit leisten: Die schnelle globale Expansion mit den sogenannten "Gigafactories", Fertigungen an Orten wie etwa im brandenburgischen Grünheide oder Shanghai, hat dem Unternehmen mehr Spielraum verschafft.

Ives von Wedbush schätzt, dass "diese Preissenkungen insgesamt die Nachfrage" bis 2023 weltweit um zwölf bis 15 Prozent ankurbeln könnten. Das zeigt, dass Tesla bereit ist, in die Offensive zu gehen.

"Dies ist ein klarer Schuss vor den Bug der europäischen und US-amerikanischen Autohersteller (General Motors und Ford), der zeigt, dass Tesla im Sandkasten nicht mitspielen wird, da jetzt ein Preiskrieg um Elektroautos im Gange ist", sagte er.

Dieser Artikel wurde von Luca Schallenberger aus dem Englischen übersetzt. Das Original findet ihr hier.