Gefahr für München

Die schweizerische UBS hat die Immobilienmärkte in 20 Weltstädten untersucht. Sie warnt vor Preisblasen in den großen Metropolen. In einer deutschen Stadt ist die Gefahr besonders groß.


In vielen Metropolen kennen die Preise für Immobilien seit Jahren nur eine Richtung: Nach oben. Viele Käufer verleitet das dazu, auch weiter auf steigende Preise zu hoffen – und das selbst dann, wenn sie sich selbst die Wohnungen kaum noch leisten können. Die Experten der schweizerischen Großbank UBS beobachten diese Entwicklung mit Sorge.

Für ihren „Global Real Estate Bubble Index“ haben die Analysten der Bank die Immobilienmärkte in 20 Städten unter die Lupe genommen. Dabei setzten sie die Daten vom Immobilienmarkt ins Verhältnis zu anderen Wirtschaftsdaten. In acht Städten sehen die UBS-Ökonomen dabei Anzeichen für Immobilienblasen.


Im Schnitt stiegen die Preise in den vergangenen drei Jahren um rund 20 Prozent. „Diese Entwicklung heizte die Bewertungen an und erhöhte das Risiko von Preisblasen in den meisten urbanen Zentren der industrialisierten Welt“, warnt UBS-Anlageexperte Matthias Holzhey. Die größte Blasengefahr sieht die Studie in Toronto, gefolgt von Stockholm, München, Vancouver, Sydney, London, Hongkong und Amsterdam.

Was die Gefahr einer Immobilienblase angeht, landet die bayerische Landeshauptstadt damit weltweit auf dem dritten Platz. „München ist die wahrscheinlich am stärksten überhitzte Stadt Deutschlands“, sagt Holzhey. In den vergangenen zehn Jahren seien die Preise um 85 Prozent gestiegen. Viele Münchener können sich das längst nicht mehr leisten: Selbst ein gut verdienender Angestellter muss acht Jahre lang arbeiten, damit es für eine 60-Quadratmeter-Wohnung reicht, rechnet die UBS vor.


Verglichen mit München schneidet Frankfurt noch relativ moderat ab. Die Mainmetropole landet hinter Zürich auf dem 13. Platz. Die UBS sieht hier kein Blasenrisiko, aber eine Überbewertung. Denn auch hier sind die Preise im vergangenen Jahr kräftig gestiegen – im europaweiten Vergleich am drittschnellsten. „Die Nachfrage wird von einer dynamischen Wirtschaftslage und einer optimistischen Stimmung unterstützt“, schreiben die Analysten – und meinen damit die Hoffnung der Frankfurter, Londoner Banker angesichts des Brexits für ihre Stadt zu begeistern. Für die Preise gebe es weiter Luft nach oben, urteilt die Studie. Nur in einer einzigen Stadt in der Studie sehen die Macher eine Unterbewertung: In Chicago. Drei Viertel seien dagegen „entweder überbewertet oder dem Risiko einer Immobilienblase ausgesetzt“.

Die Macher erklären die starken Preisanstiege mit der starken Konjunktur, einem teils robusten Einkommensanstieg und den niedrigen Zinsen. Damit sei die Preisentwicklung auch eine Folge der expansiven Notenbankpolitik.

Der Haken: Wann der Boom ein Ende findet, das kann auch UBS-Anlageexperte Holzhey nicht sagen. „Aber es lohnt sich, vorsichtig zu sein.“