Gefängnisstrafe für Täter: 77-Jährige in Köln-Kalk sexuell genötigt – Drei Jahre Haft

Das Gericht sprach von einem „besonders verabscheuungswürdigen sexuellen Übergriff“.

Wenn ihn die Lust überkommt, verliert Bülent T. (36, Name geändert) jedes Augenmaß. Das vertraute er einer Sachverständigen an und machte sein Verhalten an einem Beispiel deutlich. Bei Partnerschaftsbörsen im Netz – beispielsweise Tinder – kenne er dann kein Halten mehr: „Egal, wie die Frauen aussehen, ob dick, unattraktiv, deutlich älter“, er date dann jede Frau, um seine Sexsucht zu befriedigen.

Als er im Februar dieses Jahres morgens an der Haustür eines Mehrparteienhauses an der Dieselstraße in Kalk stand und wahllos klingelte, ging er nach Überzeugung des Gerichts „genauso ungeordnet und planlos vor, sein Verhalten kam einer Affektkaskade gleich“, sagte der Vorsitzende Richter am Freitag in der Urteilsbegründung. Die Staatsanwältin hatte eine sechsjährige Haftstrafe gefordert. Die Verteidigung hielt drei Jahre für angemessen.

Die Seniorin ins Schlafzimmer bugsiert

Bülent T. hatte bei einer damals 77-jährigen Seniorin unter einem Vorwand die Wohnung betreten, die Frau ins Schlafzimmer bugsiert, sie geschlagen, ihr die Unterwäsche ausgezogen und sie sexuell bedrängt, sie im Intimbereich berührt. Zunächst bewunderte er ihre gepflegten Füße und befand: „Dann bist du auch sonst sauber.“ Nach Einschätzung des Gerichts hatte diese Bekundung bereits „eindeutigen sexuellen Bezug.“

Wegen Körperverletzung und sexueller Nötigung schickte das Gericht den mehrfach einschlägig vorbestraften Angeklagten für drei Jahre und neun Monate hinter Gitter, ordnete zudem die Unterbringung in einer Entziehungsanstalt an, denn T. ist seit frühester Jugend drogenabhängig.

Im Prozess war zunächst von einer Vergewaltigung die Rede, doch die Beweise dafür reichten der Kammer in dem mehrtägigen Prozess nicht aus. „Es war ein sexuell motivierter Übergriff, aber keine Penetration“, sagte der Richter im Urteil. So habe das Opfer – möglicherweise aus Angst und Scham –sehr einsilbig und wenig detailreich, dazu ausweichend und mit Zweifeln versehen den sexuellen Übergriff geschildert.

Ein „besonders verabscheuungswürdiger sexueller Übergriff“

Gleichwohl erkannte das Gericht auf eine Tat mit sexuellem Bezug und sprach von einem „besonders verabscheuungswürdigen sexuellen Übergriff“. „Das war ein ganz schlimmer Vorfall, widerwärtig dazu“, hieß es im Urteil. Lediglich die Tatsache, dass der Angeklagte zur Tatzeit aufgrund seines Drogenkonsums deutlich enthemmt gewesen sei, könne für die Annahme einer verminderten Schuldfähigkeit sprechen.

Der Angeklagte habe „in hohem Maße abstrus gehandelt und sei ein immenses Entdeckungsrisio eingegangen“, begründete das Gericht die eingeschränkte Steuerungsfähigkeit des Angeklagten zur Tatzeit.

Bülent T. hatte sich bei der Polizei auf Erinnerungslücken berufen und im Prozess die Aussage verweigert. An seiner Täterschaft habe das Gericht jedoch „nicht die geringsten Zweifel“, sagte der Richter. Denn B. hatte vor der Tat um ein Glas Wasser gebeten, daran seine Fingerabdrücke hinterlassen. Weil er aufgrund mehrfacher und dazu einschlägiger Vorstrafen aktenkundig war, gelang seine Festnahme nach wenigen Tagen....Lesen Sie den ganzen Artikel bei ksta