Geely-Aktie: 7,5 Milliarden Euro für den Kampf gegen Tesla, Google und Co

Jochen Kauper
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Geely: Sehr gutes Zahlenwerk – reicht das für die Trendwende?

Die Meldung hat viele Börsianer auf dem falschen Fuß erwischt. Zwar wurde bereits seit mehreren Wochen fleißig über einen möglichen Einstieg von Geely bei Daimler spekuliert. Dass Geely-Gründer Li Shufu dann aber so schnell 9,7 Prozent der Daimler-Aktien zusammenkratzen würde, hielt wohl niemand für möglich. Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer sieht den Coup für beide Seiten positiv: „Für Daimler ist Li Shufu, der Besitzer und Chairman der Zheijing Geely Holding, oder kurz Chairman Li, wie er von seinen Mitarbeitern genannt wird, ein langfristiger, gut berechenbarer und wichtiger Anker-Investor. Daimler gewinnt mit Geely. Geely ist für Daimler fast so etwas wie eine Familie Quandt bei BMW oder Porsche-Piëch bei VW."

9,7 Prozent an Daimler
Aus dem Stand hat Geely-Lenker Li Shufu 9,7 Prozent an Daimler gekauft und dafür rund 7,5 Milliarden Euro auf den Tisch gelegt. "Wir haben die chinesische Regierung noch nie vorab für eine Investition um Erlaubnis gefragt. Auch nicht bei unserer Daimler-Beteiligung", sagt der Geely-Vorstand.

Wie konnte Li Shufu trotz der aktienrechtlichen Meldeschwellen bei drei und fünf Prozent Anteilsbesitz unbemerkt ein so großes Aktienpaket an Daimler kaufen? Der 54-jährige hatte über Monate hinweg den Daimler-Coup mit Banken vorbereitet. Das sollen verschiedene Dokumente belegen, die Reuters einsehen konnte.

Wie geht es weiter?
Diese Wochen soll Li Shufu im Kanzleramt vorstellig werden. Zudem stehe ein Treffen mit Daimler-Chef Dieter Zetsche auf dem Programm. Bereits im Vorfeld wurde gemeldet, Geely sei an der Batterietechnologie von Daimler interessiert. Geely strebt wohl eine Partnerschaft mit Daimler an, um sich bei selbstfahrenden Autos gegen die Herausforderer aus den USA wie etwa Tesla und Google zu rüsten.

Nicht der letzte Coup
Daimler hat mit BYD und mit BAIC allerdings bereits zwei chinesische Partner. Deshalb geben auch Experten zu bedenken, dass Geely noch nicht sicher sein könne, von Daimlers Technologie zu profitieren. Dennoch: Li Shufus jüngster Coup mit Daimler werde nicht der letzte Schritt auf diesem Weg gewesen sein, sagt etwa Autoexperte Chao zum Daimler-Deal. "Sie haben ganz klar Ambitionen, die noch viel größer sind als das bisherige."

Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer ergänzt: „Unternehmen, die „stand alone“ sind – so wie etwa BMW – könnten sich in der neuen Welt der Mobilität sehr schwer tun gegenüber Google, Apple, Amazon, die alle mit Macht in das Mobilitätsgeschäft drängen. Daimler hat mit Geely einen Partner, der eine Technologiemacht den Silicon Valley Konzernen gegenstellt. Daher ist der Einstieg von Geely eine sehr gute Sache für Daimler. Daimler wird dadurch stärker und noch innovativer.“

Aktie bleibt aussichtsreich
Die Aktie hat nach dem Daimler-Coup wieder deutlich nach oben gedreht. Zuvor hatte das Papier lange konsolidiert und tauchte sogar kurz unter die wichtige 200-Tage-Linie ab. Das Management hat Mumm, der Markt in China wird der Trendsetter in Sachen Elektromobilität werden. Geely hat sehr gute Chancen, mit dem richtigen Partner nicht nur in China, sondern sich auch international einen Namen zu machen. Anleger geben kein Stück aus der Hand. Das Kursziel bleibt vorerst bei 3,50 Euro