Geburtstagskind Lando Norris: "Da machst du dir in die Hose!"

Stefan Ehlen
·Lesedauer: 4 Min.

"Es war ein bisschen wie in der Drift-Schule, lustig und knifflig zugleich. Das war mein Geburtstagsgeschenk!" So beschreibt McLaren-Fahrer Lando Norris den Trainingsauftakt der Formel 1 beim Türkei-Grand-Prix 2020 in Istanbul (alle Formel-1-Rennen im kostenlosen Liveticker verfolgen!), bei dem er in der Tageswertung den zehnten Platz belegte.

Und teamintern stand das Geburtstagskind (jetzt 21 Jahre alt) auf der Pole-Position: McLaren hatte ihn mit einem Kuchen überrascht. Damit lief aber nicht alles nach Plan.

"Lando hat ganz klar einen Fehler gemacht, weil wir ihm vor dem Überreichen der Torte schon gesagt haben, dass er die Kerzen nicht ausblasen soll", erklärt McLaren-Teamchef Andreas Seidl bei 'Sky'. "In der heutigen COVID-Zeit muss man ja aufpassen, was man ohne Gesichtsmaske macht."

Über das Fahren auf rutschigem Asphalt

Und was hat Norris getan? Die Kerzen ausgepustet. Deshalb gab es zugleich enttäuschte, aber auch grinsende Gesichter in der McLaren-Box. Seidl: "Damit hat er sichergestellt, dass nur er allein den Kuchen essen darf."

Dabei war Norris im Freitagstraining durchaus schon mulmig zumute. Auf der rutschigen Strecke in Istanbul sei es teilweise drunter und drüber gegangen, berichtet der McLaren-Fahrer: "Du hast viel Leistung, viel Abtrieb, aber eben auch den einen oder anderen Ausrutscher."

"In den meisten Runden machst du dir schier in die Hose, vor allem in der schnellen Kurve 8 und so. Es macht aber Spaß, das Auto die ganze Zeit über das Limit zu treiben."

McLaren: Punktechance trotz P10 im Freitagstraining?

Die große Kunst unter solchen Bedingungen sei, die Pirelli-Einheitsreifen der Formel 1 in ihr optimales Arbeitsfenster zu bringen, sagt Norris. "Dann fühlt es sich schon etwas besser an. Doch das ist gar nicht so einfach zu bewerkstelligen."

Lando Norris, McLaren MCL35

Lando Norris, McLaren MCL35<span class="copyright">Andy Hone / Motorsport Images</span>
Lando Norris, McLaren MCL35Andy Hone / Motorsport Images

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Antonio Giovinazzi, Alfa Romeo Racing C39, Carlos Sainz Jr., McLaren MCL35

Antonio Giovinazzi, Alfa Romeo Racing C39, Carlos Sainz Jr., McLaren MCL35<span class="copyright">Mark Sutton / Motorsport Images</span>
Antonio Giovinazzi, Alfa Romeo Racing C39, Carlos Sainz Jr., McLaren MCL35Mark Sutton / Motorsport Images

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Carlos Sainz Jr., McLaren MCL35

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Carlos Sainz Jr., McLaren MCL35Mark Sutton / Motorsport Images

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Carlos Sainz Jr., McLaren MCL35Steven Tee / Motorsport Images

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Lando Norris, McLaren MCL35Steven Tee / Motorsport Images

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Lando Norris, McLaren MCL35

Lando Norris, McLaren MCL35<span class="copyright">Charles Coates / Motorsport Images</span>
Lando Norris, McLaren MCL35Charles Coates / Motorsport Images

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Carlos Sainz Jr., McLaren MCL35

Carlos Sainz Jr., McLaren MCL35 <span class="copyright">Mark Sutton / Motorsport Images</span>
Carlos Sainz Jr., McLaren MCL35 Mark Sutton / Motorsport Images

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"Es geht darum, den Kompromiss zu treffen zwischen dem Aufbau der richtigen Reifentemperatur und dem Verschleiß. Darüber denkt heute Abend wohl jeder hier nach. Denn das ist eine Chance, wo du vielleicht mal mehr reißen kannst als sonst. Einfach wird es aber nicht."

Zumal McLaren mit 2,5 Sekunden Rückstand auf die Tagesbestzeit einzig mit Norris in die Top 10 gefahren ist, und auch nur auf P10 unter 20 Fahrzeugen. Norris aber sieht "die Chance auf gute Punkte, wenn alles glatt läuft", und er wünscht sich "morgen mehr Grip" in Istanbul.

Sainz: Hatten ganz Anderes erwartet!

Letzteres käme auch seinem McLaren-Teamkollegen Carlos Sainz gelegen, der in der Tageswertung auf P14. Sainz spricht vom "seltsamsten Freitag meines Lebens" und meint: "Wir waren von 1:23er-Zeiten ausgegangen, aber am Vormittag brauchten wir 1:45er. Da kann man sich vorstellen, wie schwierig es war."

Immerhin bewegte sich die Spitze schließlich unter 1:30 Minuten, während Norris und Sainz um die 1:31er-Marke herum positioniert waren, im Fall von Sainz bei 3,1 Sekunden Abstand auf die Bestzeit.

Sein Fazit: "Trotz des geringen Grips bin ich mit Vollgas durch Kurve 8 gefahren. Das zeigt, wie herausragend die Autos wären, wenn wir nicht so viele Probleme mit der Fahrbahn hätten. Es sollte im weiteren Verlauf der Veranstaltung aber besser werden."

Wieder ein technischer Defekt bei Sainz

Einen positiven Trend erhofft sich Sainz auch auf technischer Seite, nachdem ihn im ersten Training ein Elektronikdefekt zum Aufhören gezwungen hatte. Der Zwischenfall sei "nicht ideal" gewesen, sagt Sainz, "wo es doch eine neue Strecke für mich ist und die Bedingungen besonders anspruchsvoll sind."

"Das müssen wir uns definitiv noch einmal anschauen und abstellen. Wenigstens ist es uns gelungen, im zweiten Training etwas aufzuholen."

Sainz kam am Freitag auf insgesamt 52 Runden in Istanbul, nur Lewis Hamilton fuhr um eine Runde weniger Distanz. Norris brachte 60 Umläufe zustande; am häufigsten kamen Daniil Kwjat und Sebastian Vettel über Start und Ziel, nämlich je 70 Mal.

Mit Bildmaterial von Motorsport Images.