Gebrauchte Rolex-Uhren, etablierte Medikamente: Börsenkandidaten

(Bloomberg) -- Angesichts von Krieg und hoher Inflation scheint den meisten Börsenkandidaten das Parkett derzeit zu rutschig. Cheplapharm indes prüft nach eigenen Angaben weiterhin einen Börsengang in Frankfurt sowie andere Finanzierungsmöglichkeiten für Wachstum.

Höherer freier Cashflow im letzten Jahr habe die Fähigkeit des Pharmaunternehmens zur Selbstfinanzierung gestärkt, weiter in seine Pipeline zu investieren, teilte das Unternehmens am Freitag mit. Die Umsatzmilliarde knackten die Greifswalder letztes Jahr, einen konkreten Zeitplan für den Börsengang gibt es jedoch weiterhin nicht.

Auch teure Uhren sind gefragt: Investoren suchen Schutz vor Inflation und Währungsschwankungen. Das sagt Co-Chef Tim Stracke von Chrono24 im Interview. Für die weltgrößte Plattform für gebrauchte Uhren von Rolex, Audemars Piguet, Patek Philippe und anderen erhöht das die Aussichten auf einen Börsengang. Im ersten Quartal stieg der Transaktionswert des Anbieters um mehr als 40%. Letztes Jahr betrug er etwa 2 Milliarden Euro. Der Sekundärmarkt für Luxusuhren wächst Projektionen zufolge dreimal so schnell wie der Markt für neue Modelle.

Die Karlsruher bereiten sich derzeit auf einen möglichen Verkauf von Aktien vor, womöglich schon nächstes Jahr. Nach mehreren Finanzierungsrunden verfügt man allerdings über reichlich Liquidität und es herrscht keine Eile. Der Schweizer Rivale Chronext AG hatte seinen geplanten Börsengang im Oktober verschoben unter Berufung auf ungünstige Marktbedingungen.

In Deutschland warten immer noch mehr als ein Dutzend Unternehmen auf ihr mögliches Börsendebüt, die mit wenigstens einer Milliarde Euro bewertet werden könnten.

Im Folgenden eine Übersicht von Kandidaten für eine Börsennotierung in absehbarer Zeit. Berücksichtigt werden kolportierte und bestätigte Pläne für IPOs, Notierungen und Abspaltungen.

  • Volkswagen denkt neben dem möglichen Börsengang von Porsche wohl auch im Batteriebereich über eine Notierung nach, bei Lamborghini allerdings nicht. Auch Argo AI, die u.a. von VW finanziert werden, könnten an die Börse gehen

  • Thyssenkrupp bringt seine Wasserstoffsparte Uhde Chlorine Engineers unter dem neuen Namen Nucera an die Börse. Analysten schätzen, das Unternehmen könnte bis zu 6 Milliarden Euro wert sein - Mutter Thyssenkrupp will zunächst wohl um die 600 Millionen Euro erlösen. Grüner Wasserstoff ist auch anderswo ein Thema.

  • Der Krieg in der Ukraine und die Sanktionen gegen Russland haben der Wintershall Dea wohl einen fetten Strich durch die Börsenpläne gemacht und eine milliardenschwere Abschreibung ausgelöst

  • Der Greifswalder Arzneimittelhersteller Cheplapharm will durch einen Börsengang rund 750 Millionen Euro einnehmen und damit Schulden abbauen und künftige Übernahmen finanzieren - eilig hat man es allerdings nun nicht mehr

  • Lufthansa erwägt Kreisen zufolge neben dem Verkauf eines Minderheitsanteils an ihrer Wartungssparte Lufthansa Technik alternativ auch einen Börsengang - die Rückzahlung der deutschen Staatshilfen macht das Einsammeln frischer Gelder allerdings inzwischen weniger dringlich

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