GE gibt 2 seiner Tochterunternehmen auf und warum das für Investoren unwichtig ist

Motley Fool beitragende Investmentanalysten

Als der CEO von General Electric (WKN:851144) John Flannery am 13. November die Zahlen des Unternehmens präsentierte, war die Börse nicht gerade glücklich damit. Die Investoren schickten die GE-Aktie auf unter 19 US-Dollar, einen Tiefstand, den das Unternehmen seit 2012 nicht mehr erreicht hatte. Flannery kündigte offiziell an, dass er versuchen wolle, Unternehmensteile im Wert von 20 Milliarden US-Dollar zu verkaufen, einschließlich der Transport- und Verbraucherlichteinheiten des Unternehmens.

Das klingt auf den ersten Blick natürlich furchtbar, immerhin könnte es das Ende des Konglomerats bedeuten. Für die Investoren wird es aber wahrscheinlich keinen Unterschied ausmachen.

Es werde Licht

Die Entscheidung, GE von seiner berühmten Verbraucher-Beleuchtungssparte zu befreien, sollte niemanden überraschen. Bereits 2015 trennte GE seine Verbraucher- und Industrieleuchten in zwei neue Sparten, GE Lighting und GE Current. Nach dem Verkauf der Konsumgütersparte an den chinesischen Hersteller Haier im Jahr 2016 war GE Lighting das einzige Endverbrauchergeschäft im riesigen Portfolio von GE.

Als ob das noch nicht genug wäre, informierte eine durchgesickerte interne E-Mail im Juni die Mitarbeiter von GE Lighting darüber, dass “GE offiziell beginnt, mit Käufern über einen geplanten Verkauf von GE Lighting zu sprechen”.

Das ist etwas spät: Der Rivale Siemens hat bereits 2013 sein Beleuchtungsgeschäft, das Glühlampen der Marke Sylvania herstellt, als Osram Licht ausgegliedert. Das niederländische Unternehmen Royal Philips NV folgte 2016 dem Beispiel des niederländischen Unternehmens Royal Philips NV, das sein Geschäft mit Verbraucherleuchten ausgliederte.

Damit ist es fast schon eine Garantie dafür, dass GE Lightings Ende bereits in den Kurs eingepreist wurde. Unabhängig davon wird es für Investoren aus einem anderen Grund nicht viel ausmachen.

Nur Peanuts

Trotz des Umsatzes von 15,1 Milliarden US-Dollar für GE im Jahr 2016 hat der Geschäftsbereich „Energy Connections and Lighting“ von GE, zu dem GE Current, GE Lighting und die bereits verkauften GE Industrial Solutions gehören, eine sehr geringe Gewinnspanne. Die Sparte macht nur 311 Millionen US-Dollar Gewinn bei 15,1 Milliarden Umsatz, was Gewinnspanne von kapp über 2 % darstellt. Vergleich das mit der Gewinnspanne der Industriesparten des Unternehmens – 15,6 % – und du siehst, wie wenig diese Geschäfte zum Unternehmensergebnis beitragen.

Oder anders ausgedrückt: Energy Connections and Lighting steuerte 13,4 % des Industrieumsatzes 2016 und nur 1,8 % des Industriegewinns bei. Die Vorteile, die sich aus der Ausgliederung oder dem Verkauf dieser Unternehmen ergeben, wiegen die Nachteile fast mit Sicherheit auf, da sie GE helfen werden, die Verwaltungskosten zu senken.

Die Transportsparte weist dagegen eine vergleichsweise hohe Gewinnspanne auf. Mit 22,6 % erzielte der Bereich 2016 die zweithöchste Gewinnmarge der GE Industriebereiche und lag damit hinter der Luftfahrtspare. Allerdings ist es auch die mit Abstand kleinste Einheit von GE, die 2016 nur 4,7 Milliarden US-Dollar Umsatz generierte. Man könnte wohl sagen, dass ein so margenstarkes Geschäft zu einem attraktiven Preis verkauft werden könnte, so dass GE einige Ausgaben einsparen und nur rund eine Milliarde US-Dollar an jährlichen Gewinnen verlieren könnte. Das muss für Flannery wie ein gutes Geschäft aussehen.

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Wenn man sich anschaut, wie wenig diese Veräußerungen das Unternehmen beeinflussen werden, fällt einem eine gewisse Analogie zu den Liegestühlen auf der RMS Titanic ein.

Nun nimmt GE natürlich auch andere Änderungen an seinen Betrieben vor, zusätzlich zu den Transport-, Beleuchtungs- und Industrial Solutions-Segmenten. Das Unternehmen hat bereits seine Öl- und Gassparte mit dem Ölfelddienstleister Baker Hughes zu einer eigenständigen Einheit Baker Hughes gemacht, einem GE-Unternehmen, das zu 62,5 % im Besitz von GE ist. Laut Flannery in seiner jüngsten Investorenpräsentation, wiegt das Unternehmen seine Optionen ab, möchte aber sein Risiko in diesem Bereich reduzieren.

Hinzu kommen die Verschlankung des Vorstands von 18 auf 12 Positionen, die versprochenen Kostensenkungen im Unternehmen und natürlich die Halbierung der Dividende. Die Sache ist, keine dieser Veränderungen scheint besonders transformativ zu sein. Sie lassen weitgehend die bestehende Struktur von GE – und offenbar auch die Strategie – so wie sie schon immer war. Wenn die Investoren mehr Mut erwartet hatten, kamen sie nach dieser Präsentation mit leeren Händen nach Hause.

Unterm Strich

Sicherlich kann eine Reihe von inkrementellen Veränderungen – oder „Baby-Steps“ – langfristig zu einer Outperformance führen. Und diese Schritte von Flannery werden sicherlich auch etwas Geld freisetzen, das für größere Veränderungen wie große Akquisitionen oder mutige neue Initiativen verwendet werden könnte… irgendwann.

Für die Investoren jedoch wird der Aktienkurs nicht signifikant steigen, bis das Unternehmen entweder größere Veränderungen an seinen Geschäften vornimmt – was nicht der Fall ist – oder beginnt, seine Fundamentaldaten deutlich zu verbessern – diese Schritte mögen vielleicht hilfreich sein, aber erst später.

Es sieht so aus, als ob die Anleger sich auf harte Zeiten gefasst machen müssten.

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The Motley Fool hält keine der oben erwähnten Aktien.

Dieser Artikel wurde von John Bromels auf Englisch verfasst und am 16.11.2017 auf Fool.com veröffentlicht. Er wurde übersetzt, damit unsere deutschen Leser an der Diskussion teilnehmen können.

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