Gazprom-Aktie: Stiftung nicht politischer Wille?

Vincent Uhr, Motley Fool beitragender Investmentanalyst
·Lesedauer: 3 Min.

Die Gazprom-Aktie (WKN: 903276) ist derzeit eine heikle, jedoch weiterhin inzwischen eher positive Angelegenheit. Insbesondere beim Thema Nord Stream 2 existieren weiterhin die US-Sanktionen. Unter einem künftigen US-Präsident Joe Biden wird es dabei keinen Richtungswechsel geben.

So richtig interessieren tut das jedoch offenbar kaum jemanden. Nicht nur, dass der Bau der Pipeline inzwischen weitergeht. Nein, auch andere innovative Lösungen werden offenbar diskutiert. Das Land Mecklenburg-Vorpommern beispielsweise versucht, mithilfe einer Stiftung die Sanktionen umzulenken. Ein womöglich cleverer Ansatz.

Allerdings scheint das nicht der Wille aller Akteure zu sein. Jetzt hat sich aus Bundessicht ein Spitzenpolitiker kritisch geäußert, was dieses Vorhaben angeht. Schauen wir im Folgenden daher einmal, was Foolishe Investoren wissen müssen.

Bundesaußenminister: Nicht die Lösung des Bundes

Genauer gesagt ist es niemand Geringeres als Bundesaußenminister Heiko Maas, der jetzt kritische Töne angeschlagen hat. Es handele sich dabei um eine Entscheidung, die vom Land Mecklenburg-Vorpommern getroffen worden ist. Es sei keine Entscheidung der Bundesregierung, so der Wortlaut des Ministers.

Maas verfolgt offensichtlich einen anderen Ansatz bei der Findung einer Lösung. Beim Thema Gazprom und Nord Stream 2 sei eine diplomatische Lösung in seinem Interesse. Dabei verwies der Bundesaußenminister darauf, dass es vor Sanktionen Konsultationen geben würde. Es sei wichtig, miteinander zu sprechen, um Lösungen zu finden, so der Außenminister. Das öffnet einen weiteren, jedoch nicht gänzlich unbekannten Weg.

Die Hoffnung, dass speziell unter einem US-Präsidenten Joe Biden der Tonfall zwischen Europa und den USA wieder versöhnlicher wird, ist offenbar groß. Eine diplomatische Lösung, die eine Win-win-Situation für alle Parteien schaffen könnte, wäre womöglich ein idealer Kompromiss, um eine nachhaltige Lösung für alle Seiten zu finden. Und nicht ein Weg, der über Umwege den Bau und die Inbetriebnahme ermöglichen kann.

Trotzdem: Es gibt mehrere Varianten

Allerdings sollten wir als Foolishe Investoren trotzdem dieser neuen Ausgangslage etwas Gutes abgewinnen. Zwar mag es Uneinigkeit geben, wie Mecklenburg-Vorpommern reagieren möchte. Sowie auch, auf welchen Ansatz der Bund setzt. Das zeigt jedoch: Es gibt Varianten und womöglich Eskalationsstufen. Beziehungsweise Optionen, um den Bau und die Inbetriebnahme Realität werden zu lassen.

Diplomatie könnte die nachhaltigere Lösung schaffen. Eine Stiftung womöglich eher ein Umweg sein, um den US-Sanktionen auszuweichen. Beide Wege führen zum Ziel. Jedoch mit unterschiedlichen Folgen und Ausgangslagen. Wozu es letztlich kommen wird? Vielleicht zu beidem. Vielleicht wird jedoch auch nur die Diplomatie notwendig sein. Zumindest, wenn die USA und ein neuer US-Präsident Joe Biden offener dafür sind.

Die Stimmung hellt sich auf

Auch das zeigt daher jedenfalls: Die Stimmung beim Thema Gazprom und Nord Stream 2 scheint sich etwas aufzuhellen. Mit mehr als einer Option wird das Projekt zunehmend realistischer. Eine tolle Perspektive für die Aktie. Wobei auch klar sein sollte: Es ist weiterhin nicht jeder Stolperstein ausgeräumt. Und Nord Stream 2 ist natürlich nicht die einzige Baustelle, die die Aktie besitzt. Sowohl im Positiven als auch im Negativen.

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