Gazastreifen ohne Strom

Im palästinensischen Gazastreifen ist das einzige Kraftwerk zur Stromerzeugung mangels Treibstoff erneut abgeschaltet worden. Das teilten offizielle Stellen am Mittwochabend mit.

Die rund zwei Millionen Einwohner des schmalen Küstenstreifens leben bereits seit Jahren mit ständigen Stromausfällen. Eine katastrophale Situation, die sich einem jüngsten UN-Bericht zufolge noch schneller verschlechtert habe, als noch vor fünf Jahren prognostiziert. Mit einer Stromversorgung von teils maximal zwei Stunden täglich – und nun dem Ausfall – seien Grenzen überschritten, urteilt der UN-Koordinator für humanitäre Hilfe und Entwicklungsaktivitäten in den besetzten palästinensischen Gebieten, Robert Piper.

“Wir erleben eine Rückentwicklung in Zeitlupe. Alle Indikatoren von der Wasser- und Strom- über die medizinische Versorgung, Arbeitslosigkeit, Armut und Lebensmittelsicherheit haben sich verschlechtert. Irgendjemand muss zurückstecken und das Interesse der Menschen ganz nach oben auf die Prioritätenliste setzen.”

In den vergangenen zehn Jahren seien das Bruttoinlandsprodukt ebenso wie die Rückstellungen für das Gesundheitswesen zurückgegangen, die Forderungen nach zusätzlichen Kliniken, Ärzten und Krankenhausbetten seien nicht erfüllt worden, heißt es in dem UN-Bericht unter dem Titel “Gaza – zehn Jahre später”.

Dieser bezieht sich auf eine UN-Bestandsaufnahme aus dem Jahr 2012, in der prognostiziert wurde, der Gazastreifen werde bis 2020 unbewohnbar sein. Dies sei faktisch jetzt schon der Fall.

Hintergrund der Energiekrise ist ein Machtkampf zwischen der Fatah von Palästinenserpräsident Mahmud Abbas und der radikalislamischen Hamas, die vor zehn Jahren die Kontrolle im Gazastreifen an sich gerissen hatte.

Um Druck auf die Hamas auszuüben, weigert sich die Palästinenserbehörde von Abbas für den Strom zu zahlen, den Israel bislang nach Gaza lieferte.

Heute leben im Gazastreifen auf einer Fläche vergleichbar mit der Stadt Köln rund zwei Millionen Palästinenser. Israel hatte 2005 die israelischen Siedlungen in dem Küstengebiet geräumt und seine Armee abgezogen. Seit 2006 hatte es eine Blockade über den Gazastreifen verhängt, die mittlerweile von Ägypten mitgetragen wird.